Eishockey
Adler Mannheim: Das Problem der Serientäter
So schnell kann’s gehen. Nach dem Derbyerfolg in Schwenningen, dem siebten Sieg in Serie, hatte Borna Rendulic noch stolz verkündet, seine Adler wüssten ganz genau, wie man ein knappes Spiel mit einer Führung zu Ende bringt. Schwupps, zwei Tage später gingen eine 2:0- und 3:2-Führung gegen Ingolstadt flöten, das unnötige 3:5 leitete eine kleine Minikrise mit dem deprimierenden 1:4 ebenfalls zu Hause gegen die Düsseldorfer EG ein.
Der Kapitän rüttelt wach
Serientäter laufen eben Gefahr, die Dinge irgendwann allzu leicht zu nehmen, das gestand sogar Kapitän Denis Reul vor dem Sonntagsklassiker beim taumelnden Meister Eisbären Berlin freimütig ein. „Zwei sehr schlechte Spiele“, resümierte er, „das funktioniert so nicht.“ Umso wichtiger also dieser „Sieg des Willens“ in der Hauptstadt, wie ihn Adler-Topscorer Matthias Plachta (acht Tore, sieben Vorlagen) bezeichnete.
Worauf Plachta nach dem abermals schwachen Start mit 0:2-Rückstand hinauswollte: „Nach dem 2:2 waren wir näher am Sieg als Berlin.“ Einfach weil die Adler im Schlussabschnitt und auch in der Verlängerung näher dran sein wollten, mehr Mut zeigten als der plötzlich wieder verunsicherte Titelverteidiger. Der ja zwei Tage zuvor in eigener Halle von Kellerkind Iserlohn Roosters eine 1:6-Abreibung verpasst bekommen hatte. Gründe dafür? Plachta grinste. „Iserlohn hat seit dem Trainerwechsel Leben in der Mannschaft.“
Greg Poss belebt Iserlohn
Besagter Trainer ist Greg Poss, der die Adler 2006/2007 mit furiosem „Torpedo“-Eishockey zum Titel führte, in der Folgesaison allerdings schnell verglühte, mit seinem laufintensiven System an einer satten Mannschaft scheiterte. Zwei Tage vor Weihnachten entlassen und seitdem in der Deutschen Eishockey-Liga nicht mehr gesehen. Plachta spielte damals noch bei den Jungadlern, hatte also allenfalls sporadischen Kontakt zum Headcoach. Von einem Wiedersehen am Mittwoch (19.30 Uhr) zu reden, wenn Poss (57) mit den Roosters in der SAP-Arena aufkreuzt, wäre allgemein einigermaßen übertrieben nach so vielen Jahren.
Aber der Respekt ist groß angesichts der beeindruckenden Ergebnisse der Roosters seit Poss’ Einstand: 7:1 gegen Bietigheim, 6:1 in Berlin, schließlich 4:1 gegen Straubing. „Montag ist frei, Dienstag beginnt die Vorbereitung auf Mannheim“, verkündete der US-Amerikaner am Sonntag. Er freute sich offenkundig, im Sauerland Aufbruchstimmung erschaffen zu haben: „Die Zuschauer waren ein großer Faktor.“ Und Mannheims Zusatzfaktor am Mittwoch könnte David Wolf heißen: Der zuletzt angeschlagene Publikumsliebling steht vor der Rückkehr aufs Eis.