1. FC Kaiserslautern
FCK: Führt der Weg zurück nach Luxemburg?
Beim 1. FC Kaiserslautern geht es vorrangig um die Drittliga-Lizenz, den Einstieg regionaler Investoren und das vorläufig gescheiterte Engagement des Luxemburger Milliardärs Flavio Becca. Am Montag trifft die FCK-Geschäftsführung mit interessierten „Regionalen“ zusammen. Das sind der Lauterer Hotelier Hans Sachs und der Lauterer Kunststoffbehälter-Produzent Klaus Dienes. Führt der Weg auch zurück zu Becca?
„Ich will über Fußball reden!“ Martin Bader hatte am Samstag nach dem 0:2 (0:1) des 1. FC Kaiserslautern bei den stark spielenden Würzburger Kickers das Bedürfnis, über aufschlussreiche 90 Minuten zu sprechen, die zeigten, warum der FCK im Drittliga-Mittelmaß gefangen ist.
Becca hatte klare Ziele
In den vergangenen Wochen war Bader, der am 28. April schon gefeuert schien, jetzt eine Art Jobgarantie bis zum Vertragsende am 31. Dezember 2019 hat, fast ausschließlich mit anderen Themen befasst. Die Gespräche mit Partnern, die die Lizenz absichern helfen sollen – genannt seien Quattrex und Lagardère – sahen den Geschäftsführer Sport in Reihe eins. Der Weg führte Bader mit Geschäftsführerkollege Michael Klatt und Patrick Banf, dem „angeschossenen“ Vorsitzenden des Beirats der Kapitalgesellschaft, wiederholt nach Luxemburg. Flavio Beccas fast sicherer Einstieg hätte die Lizenz „safe gemacht“, sagen Banf, Klatt und Bader. Und hätte Klarheit in Sachen Lizenzspieleretat gebracht. Beccas Engagement, das allerdings gekoppelt war an die moralisch höchst schwierige Rücktrittsforderung an Aufsichtsratschef und Beirat Michael Littig, von Becca als Unruhestifter ausgemacht, hatte klare Ziele: mittelfristig in die Bundesliga, Liga zwei als Zwischenstation.
Enttäuschung in Würzburg
Das 0:2 am Samstag in Würzburg – eine Enttäuschung. „Mit der ersten Aktion haben wir uns aus dem Konzept bringen lassen“, sagt Bader. „Ich hatte das Gefühl, wir waren am Anfang gut im Spiel, dann trifft Würzburg bei seinem ersten Torschuss, hat uns ein paar Minuten lang quasi überrannt“, analysiert der herausragende FCK-Torwart Lennart Grill und erklärt: „Das Thema Lizenz lässt keinen kalt. Es steht die Existenz von so einem Riesenklub auf dem Spiel. Trotzdem müssen wir unsere Leistung auf den Platz bringen.“
Zukunftsfragen bei den Spielern
„Sie sind müde im Kopf“, sieht der Sportchef die Mannschaft auch als Gefangene der Unruhe im Klub: „Das steckt in den Köpfen und den Beinen.“ „Es geht um die Existenz des Vereins. Das wirft Zukunftsfragen auch bei uns Spielern auf“, bestätigt Mittelfeldmalocher Gino Fechner, arbeitswillig, zweikampfstark, aber ohne Kreativität im letzten Drittel vor des Gegners Tor. Bader weiß, dass die Lizenz auf der Kippe steht. Er weiß nicht, wie Hauptkreditgeber Quattrex letztlich reagiert, wenn das Nein Beccas Bestand hat. Der Luxemburger Milliardär hätte offenbar die Finanzkraft, dem FCK und damit Kreditgebern wie Quattrex nicht nur für die nächsten Monate, sondern für die nächsten Jahre Sicherheit zu geben. Gibt es doch noch eine gemeinsame Lösung, ein Miteinander nach dem Chaos? „Ich finde regionale Investoren klasse – aber noch kenne ich sie nicht, auch nicht den wirklichen Umfang ihres Engagements“, sagt Bader. Am Montag hofft er Klarheit zu gewinnen. Die Zeit drängt: Der DFB erwartet spätestens am 28. Mai Fakten, wie der FCK Auflagen und Bedingungen für die Lizenzvergabe zu erfüllen gedenkt. „Wir haben noch keine Lizenz, ich kenne auch noch nicht meinen Etat, die Botschaft aber ist, dass wir wissen, was wir tun müssen“, sagt Bader. Vor einem Jahr kamen 15 externe Neue. Der FCK stand nach der „Totalrasur“ (Ex-Trainer Michael Frontzeck) vor einem schwierigen Neuaufbau.
Eigengewächse nutzten Chance
Das Ziel Wiederaufstieg wurde verfehlt. Der FCK ist Neunter. Die nachgerückten Eigengewächse Lennart Grill, Lukas Gottwalt, Carlo Sickinger, Toni Jonjic und Christian Kühlwetter nutzten wie Top-Zugang Dominik Schad die Chance, die sich bot, als es die gesetzten Profis Jan-Ole Sievers und Wolfgang Hesl, Özgür Özdemir, Julius Biada, Hendrick Zuck, der nicht mehr fit gewordene Florian Dick und der schwer verletzte Lukas Spalvis nicht zu richten vermochten. „Das Tempoproblem im Abwehrzentrum“ hat Bader längst ausgemacht. Rückt Carlo Sickinger, was sich abzeichnet, dauerhaft auf die Sechs, bestehe in der Abwehr absolut Handlungsbedarf. Das Kreativitätsproblem im Mittelfeld, von dem kaum Torgefahr ausgeht, ist offenkundig. „Einen Zehner haben wir nicht.“
Junge Hoffnungsträger sollen gehalten werden
Und vorne? Timmy Thiele, der sieben Tore schoss, 17 hätte schießen müssen, und Kühlwetter, mit zehn Treffern bester FCK-Torschütze, mühen sich. Das Nebeneinander – zu selten ein Miteinander. „Der Zielspieler, einer wie Lukas Spalvis, der auch die Bälle festmacht, fehlt uns“, sagt Bader, der mit Trainer Sascha Hildmann und Sportdirektor Boris Notzon am Kader der Zukunft baut. In dem Konzept für 2019/20 sind Grill, Sickinger, Schad und Kühlwetter fest eingeplant. Bader will keinen der jungen Hoffnungsträger verkaufen. Er traut ihnen – wie der Trainer – zu, den nächsten Schritt zu tun. Sie haben die notwendige Mentalität. Sie haben verinnerlicht, was es heißt, für einen Verein wie den FCK zu spielen. Der Druck, die Erwartungen, sind besondere!

