Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Meisterstück

Der Chefanweiser05-Trainer Bo Svensson in seinem Element.
Der Chefanweiser05-Trainer Bo Svensson in seinem Element.

Der 1. FSV Mainz 05 düpiert Rekordchampion FC Bayern. Ein Meilenstein im Abstiegskampf.

„Der FC Bayern München ist zum neunten Mal in Folge deutscher Fußball-Meister geworden. Und nun: das Wetter.“ Wer auch immer am Samstagabend die Tagesschau moderiert hat – ein derart kurzer Satz hätte genügt, um die Botschaft zu verkünden. Wenn, ja wenn der FC Bayern tatsächlich sein Meisterstück geschmiedet hätte. Bayern, Meister? Öfter mal nichts Neues. Das geneigte Fußball-Publikum hat sich derart daran gewöhnt, dass es niemanden mehr juckt, vermutlich nicht einmal mehr die Schlachtenbummler des FC Bayern selbst. Nicht in einer Spielzeit nach dem Triple-Gewinn, in der bereits in der zweiten Runde des DFB-Pokals das Aus kam und das Viertelfinale der Champions League die Endstation markierte. Nicht in Monaten, da sich die Führungsriege des mit Titeln reich gesegneten Rekordmeisters uneins präsentierte und ein veritabler Zwist zwischen Hansi Flick und Sportchef Hasan Salihamidzic zum Abschiedsgesuch des Erfolgstrainers führte. Blickt der FC Bayern alsbald gar auf eine missratene Spielzeit zurück?

Eine atemberaubende Rückrunde

Von Mainz 05 wird sich das in der Rückschau nicht behaupten lassen, obschon der Klub aus Rheinhessen nach der Hinserie so ausgesehen hat, als stürzte er mit einer furchterregenden Bilanz in die Zweite Liga. Wie Bo Svensson eine scheinbar zerrüttete Mannschaft zusammengeschweißt und zum Erfolg geführt hat, ist beinahe atemberaubend. Ja, man kann es als Meisterstück bezeichnen, auch wenn der Ligaverbleib längst nicht perfekt ist. Nie zuvor in der Historie der Bundesliga hat eine Mannschaft ihre Zugehörigkeit zur Spielklasse bewahrt, nachdem sie eine Hinserie mit sieben Punkten abgeschlossen hatte. Während andernorts, beim FC Schalke zum Beispiel, eine miserable Personalentscheidung nach der anderen getroffen wurde, landete Mainz 05 im Winter Volltreffer. Christian Heidel als Sportvorstand, Martin Schmidt als Manager und nicht zuletzt Svensson machten aus dem FSV im Handumdrehen wieder die Marke, die er über Jahrzehnte war, aber plötzlich nicht mehr zu sein schien. Mit welcher Courage und Disziplin Svenssons Elf dem Primus entgegentrat, verdient ein großes Lob. Und es war nicht die Mentalität allein, die zum Erfolg gereichte. Es waren der Plan, das fußballerische Moment, die Breite im Kader. Svensson wechselte fünfmal im Vergleich zum 1:0 in Bremen. Ohne Qualitätsverlust. Das Ziel ist nah.

x