Advent RHEINPFALZ Plus Artikel Wichtel als Weihnachtstrend: Zimmer frei?

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ziehen bei Familien mit Kindern Wichtel ein. Damit sie auch problemlos ein- und ausgehen können, b
Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ziehen bei Familien mit Kindern Wichtel ein. Damit sie auch problemlos ein- und ausgehen können, braucht es natürlich eine Wichteltür.

Immer mehr Familien ersetzen heute den Adventskalender durch Wichtel. Die Fabelwesen schreiben nicht nur Briefe, sondern sorgen auch für mehr Weihnachtsschwung.

Eine kleine unscheinbare Wichteltür an der Bodenleiste in Flur oder Wohnzimmer – viel mehr braucht es nicht, dass ein Wichtel oder eine Wichteline einziehen kann. Die kleinen geisterhaften Wesen suchen regelrecht nach diesen Türchen, die sie als freundliche Einladung verstehen, und richten sich dann in der Adventszeit ein heimeliges Wichtelhäuschen ein.

Als Dank für die Heimstatt in den dunklen, kalten Tagen beschenken sie die Menschen – vornehmlich Kinder – mit kleinen Gaben. Und weil sie freche kleine Kobolde und Feen sind, spielen sie auch gerne mal den einen oder anderen Streich. Kommuniziert wird in erster Linie über Briefe, denn sehen wird man die sagenumwobenen Märchenwesen mit Sicherheit nicht. Sie wachen, wenn die Kinder schlafen, und ruhen sich dann selbst am Tag von ihrem Schabernack aus, den sie so fabriziert haben.

Trend aus Skandinavien

So oder so ähnlich wird es immer mehr Kindern hierzulande erzählt, um ihnen die Weihnachtswichtelei und das Erscheinen der obligatorischen Wichteltür zu erklären. Dahinter steht ein Trend, der in den letzten Jahren zunehmend in die deutschen Haushalte geschwappt ist. Denn ursprünglich stammt die Tradition des Weihnachtswichtels aus Skandinavien, wo Kobolde seit jeher eine viel größere Rolle spielen als in anderen Ländern.

In Dänemark und Norwegen ist es „Nisse“ oder „Julenisse“, dessen Name sich von „Nikolaus“ ableitet. In Schweden und Finnland trifft man den fürsorglichen Hauself „Tomte“ an, der vor allem durch die Bücher von Astrid Lindgren Bekanntheit erlangt hat. Die skandinavischen Wichtelwesen werden meist als besonders kinder- und tierlieb beschrieben und sind als Helferlein des Weihnachtsmannes unterwegs. Sie freuen sich über eine kleine Schlemmerei als Dank für ihre Fürsorge und gelten als handwerklich begabt, bescheiden und freundlich. Kurzum: Ein Wichtel ist der gute Geist in jedem Haushalt. In deutschen Familien sind die Wichtel deutlich frecher unterwegs und heißen gerne „Arnold“, „Layla“, „Dobby“ oder „Erla“ – und viele scheinen auch ihre ursprünglich bescheidenen Ansprüche deutlich angehoben zu haben.

Einsteiger-Sets aus dem Discounter

Denn generell nimmt die fröhliche Adventswichtelei in den letzten Jahren teils ungeahnte Ausmaße an. Schleicht „Tomte“ bei Astrid Lindgren noch besinnlich und genügsam über den nächtlichen Hof und teilt seine Grütze mit dem hungrigen Fuchs, sieht es in Zeiten von Facebook und Co. schon anders aus. Ganze Wichtellandschaften mit Feuerstelle, Wellness-Bad, einer weihnachtlichen Waldkulisse und einem Wichtel-Kaufhaus werden von fleißigen (Eltern-) Händen erbaut. Der Mitbewohner auf Zeit ist schon lange nicht mehr mit „nur“ einer Tür zufrieden, sondern legt offenbar Wert auf ein mehrstöckiges und komplett eingerichtetes Wichtel-Eigenheim.

Beliebt sind Tür- und Adventskränze, Hausschuhe, Arbeitsutensilien, das Wichtel-WC und vieles mehr – alles in Miniaturformat versteht sich. Und wer im Vorweihnachtsstress keine Zeit oder Muse auf ewige Bastelarien hat, kann all das natürlich käuflich erwerben. Eine regelrechte Wichtel-Industrie flutet das Internet und auch den Einzelhandel. Einsteiger-Sets, bestehend aus Tür, Fenster und Hocker, gibt es nicht nur im Fachhandel, sondern auch in diversen Discounterregalen. Wer mehr investieren möchte, kann sich eine Wichteltür nach den eigenen Vorstellungen von Hand anfertigen lassen.

Keine Schokolade, kein Plastik

In sozialen Netzwerken finden sich Unmengen an kreativen und lustigen Ideen für Streiche und Geschenke. Es gibt Wichtel-Briefe an die Kinder als Vordrucke zum Herunterladen oder gleich eine ganze Mappe mit Anregungen für jeden Tag. Immerhin müssen 24 Tage gestaltet werden, wobei der Wichtel in vielen Familien schon deutlich früher einzieht. Seiner Ankunft geht eine Großbaustelle mit Bagger und Kran sowie Unmengen an Umzugskisten voraus. Und wer so viel Aufwand betreibt, bleibt vielleicht auch über das Weihnachtsfest hinweg bis in den Januar hinein wohnen, um sich dann erst bis ins nächste Jahr zu verabschieden.

Wer die Wichtelei noch weiterspinnen mag, schickt über das Jahr verteilt dann und wann eine Postkarte an die Kinder, in denen der Wichtel von diversen Reisezielen aus aller Welt grüßt, berichtet und versichert, wie sehr er sich auf den nächsten Einzug freut. Natürlich geht es auch alles schlichter und unaufgeregter. Denn der immer wieder genannte Vorteil gegenüber dem klassischen Adventskalender ist die Kreativität: Während der Kalender doch meist nur überteuerte Schokolade in viel zu viel Plastik verpackt ist, kommt der Wichtel auch mal mit einer gemeinsamen Backaktion oder einem Familien-Filmabend mit Popcorntüte daher. Gibt es an einem Tag etwas zu naschen für die Kinder, kann es am nächsten was zum Rätseln sein oder die schriftliche Wichtel-Bitte, doch ein schönes Bild für die Wichtelhütte zu gestalten. Die Vorweihnachtszeit kann also sehr individuell auf das Kind und die Familie zugeschnitten gestaltet werden.

Streiche zum Frühstück

Nachdem der freche Wichtel eingezogen ist, überrascht er die Kinder am Morgen mit einem Streich: Die Frühstücksmilch fließt dank Lebensmittelfarbe Blau aus der Tüte. Auch in der Garderobe hat das Kerlchen Schabernack getrieben und hat doch tatsächlich die Schnürsenkel an den Schuhen verknotet. Beliebt ist auch der Wichtel-Zaubertrick: Aus einem Mini-Plätzchen, das am Abend vor die Wichteltür gelegt wird, ist am nächsten morgen ein Keks in Originalgröße geworden. Verbunden mit der Einladung zum gemeinsamen Backen.

Aus einem Mini-Marshmallow kann über Nacht ein großer werden, der symbolisch für einen heißen Kakao steht. Für ein gemaltes Bild am Abend bedankt sich der Wichtel am nächsten Morgen mit einem kleinen Kinderbuch. Einer Bastelei für das Adventsfenster geht als Geschenk das entsprechende Material voraus.

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