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Wenn dem Kind der Zahn fehlt
Eine wilde Schneeballschlacht, eine Rauferei auf dem Schulhof, ein Fußballspiel – Kinder brauchen Bewegung. Dabei einmal hinzufallen, gehört dazu. Doch wenn es blöd läuft, bricht vielleicht ein Zahn ab – oder fällt ganz heraus. Dann ist schnelles Handeln gefragt, um das Beißerchen zu retten.
„Eltern sollten derartige Zahnunfälle niemals auf die leichte Schulter nehmen, da sie nicht nur kosmetische, sondern auch gesundheitliche Folgen haben können“, warnt Nicola Blidschun, Zahnexpertin bei der Ergo Krankenversicherung.
Eltern sollten im Ernstfall unbedingt darauf achten, den Zahn so aufzubewahren, dass ein Zahnarzt ihn wieder einpflanzen kann. Wichtig: „Selbst bei starker Verschmutzung sollte man den Zahn nicht abwaschen oder desinfizieren“, erklärt Julia Thome, Zahnärztin am Carree Dental in Köln. „Er sollte stattdessen sicher verstaut werden – am besten in einer Zahnrettungsbox, die es in Apotheken oder beim Zahnarzt gibt.“
Mit diesen kleinen Aufbewahrungsfläschchen, die etwa 20 Euro kosten und für die einmalige Nutzung konzipiert sind, erhöhen Eltern die Chancen auf eine erfolgreiche Wiedereinpflanzung. Die Box kann bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden und hält sich, je nach Hersteller, ein bis drei Jahre.
Zellen überleben 24 Stunden
Auch für Nicola Blidschun ist eine Zahnrettungsbox fester Bestandteil des Medizinschranks. „Zahnrettungsboxen verfügen über eine spezielle Zellnährlösung, die verhindert, dass der Zahn austrocknet. In ihr überleben die Zellen bis zu 24 Stunden, ehe sie absterben.“ Ausreichend Zeit, um die nächste Zahnarztpraxis oder Zahnklinik aufzusuchen.
Alternativ lässt sich ein herausgefallener oder abgebrochener Zahn in Milch oder in einer isotonen Kochsalz-Lösung konservieren. So sind die Zellen der Zahnwurzel geschützt, was den Zahn zumindest vorübergehend davor bewahrt, abzusterben. „Ebenfalls wichtig: Niemals die empfindliche Wurzel des Zahns berühren, da dies die Erfolgsaussichten deutlich vermindern kann – und schon gar nicht in ein Taschentuch einwickeln“, warnt die Zahnexpertin. Stattdessen sollte man den abgebrochenen Zahn nur an der Krone anfassen.
Ist eine Zahnarztpraxis in der Nähe, können zumindest ältere Kinder den Zahn kurzfristig auch in der Mundhöhle im Wangenbereich aufbewahren, also so etwas wie Hamsterbacken machen. „Dann kann die Wurzeloberfläche nicht austrocknen und der Zahn überlebt eher“, sagt die Zahnärztin Thome. Diese Methode birgt allerdings die Gefahr, dass der Nachwuchs den Zahn vor lauter Aufregung verschluckt.
Nach einem Zahnunfall sollten Eltern am besten so schnell wie möglich einen Experten oder eine Zahnklinik aufsuchen – auch dann, wenn es sich nur um eine kleine Fraktur zu handeln scheint. Dies gilt auch für Milchzähne. „Auch vermeintlich harmlose Zahnbrüche können Entzündungen oder Zahnschmerzen zur Folge haben“, sagt Blidschun. Wie schwer die Verletzung wirklich ist, zeigt oftmals erst ein Röntgenbild.
Der Zahnarzt klebt es wieder an
Auch ein abgebrochenes Zahnstück sollte schnellstmöglich zum Zahnarzt gebracht werden. „Der Mediziner kann es in manchen Fällen wieder ankleben“, erklärt Zahnärztin Thome.
Grundsätzlich wichtig ist es, dass Eltern bei ihren Kindern auf eine gute Zahnpflege achten. Denn dadurch lässt sich auch Beschädigungen bei Stürzen vorbeugen. Ab dem ersten Milchzahn regelmäßig die Zähne zu putzen ist der beste Schutz vor Karies – und damit die beste Vorsorge vor schmerzhaften Löchern im Zahn.
Für Kinder bis zum Alter von sechs Jahren eignet sich am besten eine Zahnpasta, die bis zu 1000 ppm (parts pro million) Fluorid enthält. Ab sechs Jahren kann die Zahncreme auch eine höhere Konzentration von 1500 ppm Fluorid haben.
Um Karies bei Kleinkindern zu vermeiden, haben Kinder laut Auskunft der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bereits ab dem sechsten Lebensmonat Anspruch auf Früherkennungsuntersuchungen. Die sind zeitlich auf die U-Untersuchungen beim Kinderarzt abgestimmt. Bis zum sechsten Lebensjahr haben Kinder ein Anrecht auf insgesamt sechs Vorsorgeuntersuchungen mit einem zeitlichen Abstand von jeweils zwölf Monaten. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.
Zahnschmelzhärtung und Fluoridlack
Zusätzlich bekommen Kleinkinder bis zum vollendeten 33. Lebensmonat zweimal im Jahr eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack. Vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr sind halbjährliche Kontrolluntersuchungen Kassenleistung. Auch die Fissurenversiegelung der beiden bleibenden Backenzähne vor den Weisheitszähnen gehört dazu. Dabei werden Furchen auf der Oberfläche der Backenzähne mit einer dünnen Schicht Kunststoff aufgefüllt, um Karies vorzubeugen.
Neben den Vorsorgeuntersuchungen spielt genauso die Ernährung eine wichtige Rolle, um die Zähne zu stärken, ergänzt Nicola Blidschun. „Kalziumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte oder Nüsse stärken die Zahnsubstanz, während zuckerhaltige und saure Speisen Zähne anfälliger machen.“
Sie rät Eltern zudem, Kindern Karotten und anderes Gemüse schmackhaft zu machen. Denn die trainieren die Kiefermuskulatur und reinigen gleichzeitig die Zähne. Und auch zuckerfreie Kaugummis können bei älteren Kindern dazu beitragen, die Beißerchen zu stärken.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.