Unwetter und Unruhen im Urlaub
Welche Apps vor Gefahren warnen
Waldbrände bei Los Angeles, Überflutungen in und um Valencia, ein schwerer Sturm in Großbritannien, ein Vulkanausbruch auf den Philippinen: Wetterextreme und Naturkatastrophen aus den vergangenen Monaten. Solche Ereignisse treffen auch Reisende. Schlimmstenfalls geht es um Leib und Leben, bestenfalls werden „nur“ die Reisepläne etwas durcheinandergewirbelt – wenn man rechtzeitig Bescheid weiß und umplanen kann.
Und es ist ja nicht nur die Natur, die für Gefahr im Urlaub sorgen kann: Unruhen, Konflikte und Kriminalität im Reiseland wollen Urlauber ebenfalls lieber meiden – doch auch dafür braucht es die entsprechenden Informationen dazu, welche Regionen oder Viertel im Urlaubsziel beispielsweise riskant sind.
Um den Überblick über alles zu behalten, lohnt sich die Installation der kostenlosen App „Sicher Reisen“, die vom Auswärtigem Amt herausgegeben wird. In dieser intuitiv bedienbaren Anwendung lassen sich die Reiseländer der Wahl als Favoriten auswählen – so hat man alle Informationen des Ministeriums zur Hand: Sie sind sehr umfangreich und reichen von Hinweisen zur Einreise bis hin zu Angaben zur Kriminalität im Land.
Apps regionaler Institutionen sind schneller
Laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amts werden diese Reise- und Sicherheitshinweise für jedes einzelne Land weltweit erstellt, fortlaufend überprüft und tagesaktuell angepasst. Möchte man das, kann man sich mit Push-Nachrichten über aktuelle Änderungen informieren lassen.
So hat das Auswärtige Amt beispielsweise beim Sturm Éowyn, der in Ende Januar über die britischen Inseln gezogen ist, eine Eilmeldung in den Reisehinweisen zu Großbritannien publiziert, um kurzfristig Urlauber zu warnen, die gerade vor Ort waren.
Anwendungen wie die des Auswärtigen Amtes fassen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen. Der Eilmeldung zu dem Sturm über Großbritannien ging zum Beispiel eine Unwetterwarnung der höchsten Stufe des irischen Wetterdienstes voraus: Mit der App des irischen Wetterdienstes wäre man in dem Fall vermutlich noch etwas frühzeitiger gewarnt worden.
Im Zweifel auf Apps regionaler Institutionen setzen – das ist auch der Rat, den Marcel Conrad gibt. Er arbeitet bei A3M Global Monitoring, einem Dienst, der Reiserisiken weltweit analysiert und die Travel Risk Map herausgibt. „Ich würde mir stets die regionalen Apps herunterladen, weil sie schneller sind“, sagt er. Deren Infos seien oft auch präziser. Vorab lohnt aber auch der Blick in die „Sicher reisen“-App: In den Länderinfos sind häufig Anwendungen regionaler Dienste verlinkt, insbesondere bei aktuellen Krisenlagen.
Interaktive Karten mit Evakuierungsrouten
Ein Beispiel lieferte die Situation in Kalifornien. Im Januar listete die Ministeriumsapp unter den Hinweisen zu den Wald- und Buschbränden um Los Angeles Anwendungen wie „Watch Duty“ auf. „Watch Duty“ habe man den betroffenen Reisegästen auch empfohlen, bestätigt Melanie Gerhardt, die beim Reiseveranstalter Dertour für das Krisenmanagement verantwortlich ist. Das sei eine „sehr präzise und schnelle App“, mit Echtzeit-Updates des regionalen Katastrophenschutzes und interaktiven Karten mit Evakuierungsstätten und Routen, wie die Expertin ausführt. Bei Dertour werden Urlauber in Krisenlagen oftmals per SMS mit aktuellen Informationen versorgt, so die Krisenmanagerin. Für diesen Service sei es wichtig, dass Reisende bei der Buchung ihre Handynummer hinterlassen. „So können wir sie im Fall der Fälle schnell erreichen und auf dem Laufenden halten.“
Warnapps seien eine wichtige Ergänzung der Arbeit im Krisenmanagement, deshalb informiere man die Reisenden auch darüber sehr umfangreich, führt Gerhardt aus – bei Extremwettersituationen oder bei Stromausfällen in der Urlaubsregion spielten Apps „eine wichtige Rolle“.
Nicht nur in Deutschland nützlich ist die kostenlose Katwarn-App, so Gerhardt. Auf ihr laufen Warnmeldungen von Behörden, Einrichtungen und Leitstellen ein – zum Beispiel zu Hochwassern, Terroralarm oder Unwettern. Das System ist international vernetzt. Über Ortsfavoriten und Themen-Abonnements werden laut Katwarn nationale Warnungen weltweit zugestellt. Dazu bemerkt Gerhardt: „Gerade, wenn Reisegäste in verschiedene Länder fahren, ist das eine sehr gute Funktion.“
Für Cell Broadcast kein Internet nötig
Einige Länder nutzen auch den Mobilfunkdienst Cell Broadcast, um Warnnachrichten direkt auf Smartphones zu schicken. Neben Deutschland sind das etwa auch die USA, die Niederlande und Griechenland, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Bei den Waldbränden auf der griechischen Ferieninsel Rhodos 2023, als viele deutsche Urlauber in Sicherheit gebracht werden mussten, haben diese Warnungen laut Dertour-Krisenmanagerin Gerhardt „sehr gut“ funktioniert. Dafür darf sich das Smartphone nicht im Flugmodus befinden und muss das Betriebssystem Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1 installiert haben, so das BBK.
Der Vorteil von Cell Broadcast: Man braucht zwar eine Verbindung ins Mobilfunknetz, aber muss keine Daten herunterladen. „In den Ländern, die das haben, funktioniert das ohne Internet“, sagt A3M-Fachmann Marcel Conrad. Apps von regionalen Behörden oder Einrichtungen funktionieren hingegen oft nur mit Netz zuverlässig. Während das innerhalb der EU, in Großbritannien, Island, Norwegen und Lichtenstein dank Roaming-Verordnung kein Problem ist – dort gilt der Mobilfunkvertrag wie daheim –, können in anderen Ländern hohe Gebühren anfallen.
Wer kostensicher online sein will, kann sich eine Prepaid-SIM-Karte im Reiseland kaufen oder ein Roaming-Angebot mit E-SIM für Nicht-EU-Länder nutzen, wenn das Smartphone die E-SIM-Technologie unterstützt. Vorsichtig wäre Conrad bei der Nutzung öffentlicher, ungeschützter Wi-Fi-Hotspots. „Die können unsicher sein.“
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.