In Deutschlands Norden
Viele Gründe für die Holsteinische Schweiz
Prinzen und Pracht
Am Großen Plöner See thront anmutig das leuchtend weiße Plöner Schloss. Hinter seinen Mauern verbirgt sich eine 400-jährige Geschichte. Einst Sommerresidenz des dänischen Königs Christian VIII., wurde es 1864 unter Kaiser Wilhelm II. zur Kadettenanstalt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es Jahrzehnte als staatliches Internat, während es heute – nach aufwendiger Restaurierung – auch die Ausbildungsräume der Fielmann Akademie beherbergt. Auf Führungen können Besucher einen Blick in prunkvolle Gemächer, den Rittersaal, die historische Kapelle sowie auf kunstvolle Wandmalereien werfen.
Gerahmt von einem Wassergraben erhebt sich am Ufer des Großen Eutiner Sees eine Backsteinschönheit: das Eutiner Schloss. Einst bischöflicher Verwaltungssitz, dann mittelalterliche Burg, vollführte der schwedische Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin Anfang des 18. Jahrhunderts Umbauten hin zu einer repräsentativ-barocken fürstbischöflichen Schlossresidenz. Ringsherum entstand ein prächtiger – nun englischer – Landschaftsgarten, durch den Besucher bis heute flanieren können. Um 1800 zog das Schloss als Sommerresidenz Dichter, Maler und Intellektuelle an, was Eutin den Beinamen „Weimar des Nordens“ einbrachte. Das Schloss ist samt Beletage und Dynastie-Geschichte auf Führungen erlebbar.
Wasser satt
Schwedenliebhaber auf dem Weg nach Norden können sich eine Weiterfahrt womöglich sparen und gleich hier ihre Zelte aufschlagen. Wer mit offenen Augen durch die Holsteinische Schweiz tourt, wird ein Stück Skandinavien vorfinden. Dass die Menschen dort so entspannt sind, mag auch am vielen Wasser liegen, das sie umgibt. Über 200 Seen schimmern im Holsteiner Hügelland und locken an naturschöne Badestellen. Besonders idyllisch ist der Strand namens „Prinzenbad“ am Ende der Prinzeninsel. Die Halbinsel ragt in den Großen Plöner See hinein. Der größte See der Holsteinischen Schweiz ist bei Seglern beliebt. Nordöstlich gruppieren sich Behler See, Dieksee, Kellersee und Eutiner See. Eine Besonderheit ist, dass die Schwentine die Gewässer miteinander verbindet, bis der Fluss in die Kieler Förde mündet. Kanuten, Kajakfahrer und Stand-up-Paddler finden einen über 55 Kilometer verlaufenden Wasserwanderweg vor. Doch schon auf einer Paddeltour kann man den Alltag abstreifen. In Plön, Malente und Eutin gibt es Kanuvermietungen.
Eiszeit-Gipfel
Wer die 147 Stufen des Holzbergturms unweit des Kurorts Malente erklimmt, genießt ein 360-Grad-Panorama über die eiszeitlich geprägte Moränenlandschaft der Holsteinischen Schweiz. Noch vor 20.000 Jahren bedeckten während der Weichsel-Kaltzeit mächtige Eisschichten diese Region. Zurück ließen sie sanft gewellte Grundmoränen und höher aufragende Stauchmoränen. Gletscher schürften Mulden in den Grund, in denen heute zahlreiche Badeseen glitzern. So schweift das Auge über ein malerisches Mosaik aus Wäldern, Wiesen und Äckern, gespickt mit blau schimmernden Gewässern. Dabei ist die 30 Meter hohe Aussichtsplattform auf dem Holzberg längst nicht der Gipfel der Gefühle. Denn weiter westlich nahe Schönwalde erhebt sich die „Zugspitze“ Schleswig-Holsteins: der 168 Meter hohe Bungsberg. Er zählt zu den 16 Gipfeln der Bundesländer – und rühmt sich als Deutschlands nördlichstes Wintersportgebiet.
Im dort eher seltenen Schneegestöber zieht der Bungsberg Rodler, Skifahrer und Snowboarder an. Im Mai indes geht der Blick vom Gipfelstein hinaus aufs gelb gemusterte Umland. Dann leuchten süßlich duftende Rapsfelder bis an den Horizont – typisch für diese Region. Wer nun noch die Plattform des Fernmeldeturms hinauftrabt, genießt erhebende Weitblicke über die Hügelketten bis zur Ostseeküste.
Baum der Liebe
Dieser 500 Jahre alte Baum im Dodauer Forst hat Geschichte geschrieben, genauer: Liebesgeschichte. Vor langer Zeit verbot der Eutiner Oberforstmeister seiner Tochter den Umgang mit einem Leipziger Schokoladenfabrikanten. Also tauschte das Pärchen seine Liebesbotschaften fortan heimlich über das Astloch dieses Baumes aus. So lange, bis der Vater einer Vermählung zustimmte. Das war im Jahre 1891. Kurgäste verbreiteten das Happy End im gesamten Land. Der Laubbaum erhielt den Kosenamen „Bräutigamseiche“. Seit fast 100 Jahren besitzt er sogar eine Postanschrift. Über eine hölzerne Leiter beliefert der Postbote den Briefkasten mit Partnergesuchen aus aller Welt. Das Briefgeheimnis gilt dort nicht. Ein jeder darf sie herausnehmen, lesen und beantworten. Und so viel sei verraten: Sogar der örtliche Postbote fand über die Eiche seine große Liebe. Eine von über 100 Ehen, die so vermittelt worden sind. Hier die Adresse: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin.
Radeln mit Genuss
Das sanfte Auf und Ab der Holsteinischen Schweiz macht die Region zum Radel-Eldorado. Ob mit eigenem Drahtesel oder einem Leihrad: Von den schmucken Städtchen Eutin, Malente, Plön oder Preetz aus lassen sich wunderbare Touren unternehmen. Ruhige Pfade führen von See zu See entlang saftig grüner Wiesen, Rapsfelder und durch ausgedehnte Wälder. Dort heißt es: die Seele baumeln lassen und kräftig ein- und ausatmen. Denn Plön, Malente und Eutin sowie weitere Dörfer im Seengebiet zählen zu den anerkannten Luftkurorten.
Auf zwei Rädern geht es weiter durch pittoreske Dörfer mit reetgedeckten Katen, vorbei an einladenden Cafés, Gasthöfen mit Sonnenterrassen oder herrschaftlichen Gütern. Für alle, die kein Picknick dabei haben, locken Gaumenfreuden allerorten. Im Palmenhaus Café am Gut Sierhagen etwa können Radelnde nach dem Kuchengenuss durch den traumhaft blühenden Garten streifen und Kunstskulpturen bewundern. Kirschen, Blaubeeren und Himbeeren warten am Gut Stockseehof darauf, von Selbstpflückern geerntet zu werden. Am lauschigen Ufer des Plöner Sees indes bietet die Fischerei und Räucherei Lasner herzhafte Fischbrötchen an. Rustikale Holzbänke laden zur Rast. Beim Besuch lohnt der Blick auf die Altonaer Räucheröfen. Über Erlenholz erhält der frische Fisch darin sein besonderes Raucharoma.
Reisetipps
Anreise
Mit dem Zug bis Lübeck, www.bahn.de,von dort weiter nach Eutin, Malente, Plön oder Preetz. Mit dem Auto über Hamburg bis zur A1-Abfahrt 14 (Haffkrug), weiter auf der B76.
Unterkunft
Direkt am Kellerseeufer warten am Naturpark-Camping-Prinzenholz Stellplätze und naturnahe Glamping-Optionen (Zelt, Pod, Fass, Bauwagen), Preis für Stellplatz ab 20 Euro plus 8,50 Euro pro Person, Glamping von 55 bis 75 Euro, www.naturpark-camping-prinzenholz.de.
Die weiße Villa am Ufer des Kleinen Plöner Sees verspricht Ruhe und Entspannung. Das liebevoll im Jugendstil dekorierte Parkhotel Seeufer samt Bootsanleger bietet ein reichhaltiges Frühstück – und liegt nur zehn Gehminuten vom Plöner Zentrum entfernt. Doppelzimmer/Frühstück ab circa 136 Euro, www.hotel-seeufer.de.
In der einstigen Filmkulisse der legendären „Mädels vom Immenhof“ (1955) am Kellersee können sich Gäste in 50 individuellen Zimmer und Suiten im Landhausstil einquartieren. Das 2021 eröffnete Hotel Gut Immenhof lässt das nostalgische „Immenhof-Gefühl“ samt Reitanlage wieder aufleben. Auch Tagesgäste können in zwei Restaurants dinieren. Doppelzimmer/Frühstück ab 250 Euro, www.gutimmenhof.de.
Aktivitäten
Führungen durchs Schloss Plön, Dauer etwa eine Stunde, Preis 5 Euro, Voranmeldung und Zeiten auf www.fielmann-akademie.com. Öffentliche Führungen durchs Schloss Eutin jeweils Dienstag bis Sonntag um 11, 13 und 15 Uhr, Dauer rund eine Stunde, Preis 14 Euro, ohne Führung 10 Euro, www.schloss-eutin.de.
Radverleih in den Touristik-Infos Eutin, Malente und Plön sowie bei weiteren Anbietern, www.holsteinischeschweiz.de/radfahren-service-verleih.
Kanuverleihe in Plön, Eutin, Malente: www.holsteinischeschweiz.de/paddelnverleih.
Große Plöner See-Rundfahrt oder Bosau-Fahrt, von verschiedenen Anlegern möglich, mehrfach täglich außer montags und dienstags, Preis 14 Euro, Teilstrecken günstiger, www.grosseploenersee-rundfahrt.de.
Essen & Trinken
Im 19. Jahrhundert noch ein Lehrbauernhof für die Söhne des Kaisers, werden im Bauerngarten des reetgedeckten Restaurants Prinzeninsel heute holsteinische Spezialitäten kredenzt. Im Biergarten gibt es Fischbrötchen und Currywurst. Unweit liegen der Schiffsanleger „Prinzeninsel“sowie das „Prinzenbad“, www.prinzeninsel.de.
Buchtipp
Von der Autorin dieses Beitrags ist der Radwanderführer „Radeln für die Seele – Holsteinische Schweiz“ mit 15 Touren erschienen. Droste-Verlag, 18 Euro.
Allgemein
www.holsteinischeschweiz.de
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.