Filmfestival
Eine Deutsche, die Cannes kann
Einmal hatte sie auch in Cannes gewonnen. Denn ohne sie hätte es den französischen Film „The Artist“ nicht gegeben, der 2011 erst Cannes gewann und dann als erster französischer Film den Oscar für den besten Film (und einige weitere). Damals war sie für den US-Medienkonzern Warner Geschäftsführerin für Frankreich, Benelux und die deutschsprachigen Länder. Einen schwarz-weißen Stummfilm wie „The Artist“ wollte Warner nun wirklich nicht drehen. Aber Knobloch hatte den richtigen Riecher, war beharrlich und setzte sich durch, erst bei Warner, später beim Festival von Cannes, das ihn in den Wettbewerb nahm. Der Rest ist Geschichte.
Sie lebte in München, New York und Los Angeles
Es war ihre Mutter, die sie schon als Jugendliche zu Auslandsaufenthalten drängte, damit sie weltoffen wird. Frankreich war wohl nicht dabei, sonst hätte sie keinen so harten Akzent. So hängte die Münchnerin nach ihrem Jurastudium noch eins an der New York University dran und arbeitete als Rechtsanwältin in München, New York und Los Angeles, bevor sie zu Warner kam. Dort blieb sie über 25 Jahre als Topmanagerin in verschiedenen Positionen – und hatte mit Filmen und Regisseuren wie Clint Eastwood und Christopher Nolan zu tun. Kurzum: Sie ist Hollywood – das Gegenteil von der stolzen starken Filmnation Frankreich. Bei Warner verantwortete sie alles, was zu einem Film gehört: von der Produktion, über den Verleih (das Kinogeschäft), die Lizenzierung, DVD und Blu-ray fürs Home Entertainment, den Verkauf der Filme ans Fernsehen und Streaming. Sie zog die Fäden im Hintergrund und drängte nie in die Öffentlichkeit, weshalb sie nur Insidern bekannt ist. Und eben Frémaux, mit dem sie in der französischen Oscar-Jury saß und offenbar auch auskam, was bei dem Filmhistoriker nicht jedem gegeben ist.
Seit 2021 macht sie etwas anderes, das niemand vorher in Europa gewagt hatte: Sie gründete eine millionenschwere Akquisitionsfirma, die Kapital für alle Branchen der Unterhaltungsindustrie bereitstellt, um Unternehmen an die Börse zu bringen. Der französische Streamingdienst Deezer ist der erste prominente Fall, bei dem das gelang.
Junge Leute sollen nach Cannes gelockt werden
Doch das alles gefällt der französischen Filmbranche gar nicht: die erste Frau, eine Ausländerin, mit Hang zu Hollywood, die wirtschaftliche Verflechtung, außerdem wurde Knobloch von Emmanuel Macron favorisiert, obwohl genug prominente französische Filmfrauen sich angeboten hätten. Doch Macron machte im Hintergrund Druck und so wurde Iris Knobloch mit 18 Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen auf drei Enthaltungen vom Verwaltungsrat gewählt. Weil man wohl ahnte, dass die Probleme von Cannes wohl besser ein Nichtfranzose durch sein internationales Netzwerk lösen kann: wieder mehr US-Top-Filme an die Croisette holen und ein neues Verhältnis zu Netflix zu finden (das seit Jahren boykottiert wird, weil es seine Filme nicht ins Kino bringt). Etwas hat Knobloch schon geändert: TikTok wurde Sponsor und darf einen eigenen Wettbewerb mit Preis veranstalten – um mehr junge Leute nach Cannes zu locken.
Als Festival-Präsidentin wacht Iris Knobloch über den Etat und die Kontakte ins Ausland und sie verspricht, die renommierte Veranstaltung an der Croisette in die Zukunft zu führen. Ganz schön viel für ein Ehrenamt, das nun wirklich nicht nur daraus besteht, am Ende der roten Treppe die Regisseure und Schauspieler bei den Gala-Vorstellungen zu begrüßen.