FCK-KOLUMNE
Böhm’s Betze: Wenn Rotz und Wasser fließen
Ende Dezember, höchste Eisenbahn für einen Rückblick. Dachte sich auch Sportkamerad Terrence Boyd und rief seine Twitter- Gemeinde dazu auf, doch ihre Highlights niederzuschreiben, aber bitte: nur verrückte Sachen. Er selbst legte vor. 5. Februar, 2:0-Sieg in Zwickau, der FCK festigt Platz zwei in Liga drei, das Saisonende ist noch fern. Mike Wunderlich aber steht mit Bierflasche unter der Dusche und verkündet: „Wir sind durch.“ Am Ende hatte er ja recht, der Mike.
Boyds Follower ließen sich nicht zweimal bitten. Zu lesen war von Emotionsausbrüchen, von Rotz und Wasser, meist im Kontext des Aufstiegsspiels in Dresden. So auch bei Jean-Claude Pillermann (bürgerlicher Name der Redaktion nicht bekannt), den der FCK hübsch in die Bredouille brachte: „Aufstieg zu Hause im Wohnzimmer. Frau hochschwanger. Am Ende habe ich geweint. Dachte mir: Wenn ich das im Krankenhaus nicht auch mache, bin ich dran. Lief alles glatt.“ Die Tränen flossen abermals.
Die Bürde der Drittliga-Jahre
Womöglich muss auch Thomas Hengen sich die Äuglein tupfen, wenn er an die Einnahmen aus den Fernsehverträgen denkt, die sich auf dem Konto des 1. FC Kaiserslautern wiederfinden. Entgegen seiner sportlichen Leistungen, der überragenden Fanunterstützung daheim wie auswärts und der Einschaltquoten hinken die Roten Teufel in der Liste der Zweitliga-TV-Gelder hinterher. 8,44 Millionen Euro nahm der FCK laut „Kicker“ ein und unterschritt damit als einer von sechs Klubs die 10-Millionen-Marke.
Immerhin, und das mag Hengen trösten, waren es eine Klasse tiefer nur 880.000 Euro. Vier Drittliga-Jahre machen sich im komplexen Verteilungsschlüssel der Deutschen Fußball-Liga bemerkbar. Primus der Zweitliga-Branche ist Arminia Bielefeld (19,94), gefolgt vom Hamburger SV (19,51). In Summe flossen 226 Millionen ins Unterhaus des deutschen Fußballs. Ungefähr genauso viele Euro wie Freudentränen beim Aufstieg der Roten Teufel.
Andreas Böhm, 55, war einst Fan der Generation „Willst du bequem nach Hause laufen, musst du Roschy-Schuhe kaufen“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
