Rheinland-Pfalz Zwei Tage nackte Haut statt Schulinfos: Mainzer Grundschule wurde gehackt
Eltern, die mal eben schnell im Internet nachschauen wollten, wann die lieben Kleinen an der Mainzer Goethe-Grundschule ihre Halbjahreszeugnisse erhalten, staunten am Donnerstag nicht schlecht: Nacktbilder, überwiegend mit weiblichen Models und teilweise im Bewegtbild-Modus mit wackelndem Popo, füllten den Bildschirm, wo sonst Nettes und Nützliches über die Schule steht.
Es folgte die Warnung, das Angebot gelte nur für Erwachsene. Ganz offensichtlich waren Hacker am Werk – und nicht einmal in der Fasnachtshochburg Mainz geht so etwas als Scherz durch. Vielleicht dachten die unbekannten Täter ja an die in Teenager-Kreisen beliebten „Fack-ju-Göhte“-Filme.
Zentralstelle für Cybercrime eingeschaltet
Nicht nur der Name der Schule ist gleich, auch die Klientel der Goethe-Grundschule gehört nicht zu den Gewinnern in dieser Gesellschaft. Und wie im Film mit Elias M’Barek als Hauptdarsteller sind die Lehrkräfte besonders engagiert in ihrer pädagogischen Arbeit. IT-Spezialistentum gehört allerdings eher nicht zu den Kernaufgaben.
Mit dem Internet-Problem suchte die Schulleitung Hilfe bei der Stadt Mainz als Schulträger und bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als Schulaufsicht. Eingeschaltet wurde außerdem die rheinland-pfälzische Landeszentralstelle Cybercrime, sagte der Sprecher der Mainzer Polizei, Rinaldo Roberto.
Keine personenbezogenen Daten betroffen
Bei der ADD wurde zunächst die Zuständigkeit für die Sicherheit von Internet-Angeboten von Schulen geprüft. Sie liegt bei den Bildungseinrichtungen selbst und bei den Trägern. Das Land gibt Geld dazu, sagte Behördensprecherin Eveline Dziendziol. Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass Schulen ihre Homepages auf eigene Verantwortung betreiben, dass sie aber Unterstützung erhalten, etwa bei der Suche nach einer Firma zur Problembehandlung nach einem Hackerangriff.
Weil bei dem Hack keine personenbezogenen Daten betroffen waren, sei dies kein Fall für seine Behörde, sagte der stellvertretende Landesdatenschutzbeauftragte Helmut Eiermann. Aber eine Frage des technischen Datenschutzes seien die Pornobilder auf der Grundschulseite durchaus.
Erster Angriff schon am Vortag
Am Nachmittag, während die Lehrer in der Zeugniskonferenz saßen, schien das Problem auf www.goethe-grundschule-mainz.de behoben: Keine Bilder, nur der Hinweis, die Seite sei nur eingeschränkt nutzbar, weil sie aufgrund der Datenschutzgrundverordnung überarbeitet werde. Wenn dieser Frieden nicht trügt: Bereits am Mittwoch hatte sich nach Angaben der Stadtverwaltung das Sexangebot geöffnet. Es wurden Gegenmaßnahmen ergriffen, die Erfolg verhießen, aber am Donnerstag waren die Schmuddelbilder zurück.
