Rheinland-Pfalz Wenn die Pfalz bis zu den Polarlichtern reicht

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Die Burg Eltz, die Saarschleife und noch viel mehr: Was bei der Online-Fotoplattform Instagram alles zur #pfalz gezählt wird.

Wo die Pfalz an ihre Grenzen stößt, lässt sich gar nicht so leicht bestimmen. Zwar ist amtlich festgelegt, welche Städte und Kreise zu ihr gehören. Und so lassen sich exakt 5451,13 Quadratkilometer Erdoberfläche als Pfälzer Boden identifizieren. Doch genau so zugeschnitten ist die Region erst seit der Gebietsreform der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Denn die führte einerseits dazu, dass Orte mit so klangvollen Namen wie Langweiler, Pfeffelbach und Unterjeckenbach eingepfälzert wurden, weil sie vom Kreis Birkenfeld in den Kreis Kusel wechselten. Dörfer wie Altenbamberg, Duchroth oder Odernheim hingegen ereilte das umgekehrte Schicksal: Während sie bis dahin zum Kreis Rockenhausen gehört hatten, fanden sie sich nun im Kreis Bad Kreuznach und mithin im traurigen Stande ausgepfälzerter Kommunen wieder.

Münchener Herrscher erklären Pfälzer zu Pfälzern

Noch unübersichtlicher wird alles allerdings, wenn die Suche nach den Pfalz-Grenzen weiter in die Geschichte zurückführen soll. Schließlich waren die heute 5451,13 Quadratkilometer Pfälzer Erdoberfläche jahrhundertelang unter verschiedensten Herrschern aufgeteilt. Da gab es kleine reichsgräfliche und ritterliche Territorien, freie Reichsstädte, das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, das Hochstift Speyer. Und die große Kurpfalz, die Wittelsbacher von Heidelberg und Mannheim aus regierten. Bis Napoleon ganz neue Grenzen zog und die linksrheinischen Gebiete Frankreich einverleibte, ehe sie 1816 als Rheinkreis dem neuen Königreich Bayern zugeschlagen wurden. Die Münchener Herrscher waren es schließlich auch, die ihren so weit entfernt lebenden Untertanen nach so wechselvoller Geschichte eine Identität spendieren wollten. Auf dass sie fürderhin als vierter bayerischer Stamm neben den stolzen Altbayern, Franken und Schwaben bestehen konnten, wurden sie zu Pfälzern erklärt. Und mit ihren Vorfahren wurde das im Nachhinein auch gleich gemacht. Dass der Pfälzer in einem klar umgrenzten Gebiet seine Heimat habe, schien von da an allgemein anerkannt. Auch wenn nach dem Ersten Weltkrieg noch die Saarpfalz amputiert werden musste und später die Gebietsreform einige Dörfer ent- und andere verpfälzerte, ehe die Pfälzer Erdoberfläche exakt 5451,13 Quadratkilometer betrug.

Pfälzisch ist alles, was schön ist

Danach sollte es noch einmal ein paar Jahrzehnte dauern, bis US-Programmierer die Foto-Plattform Instagram erfanden. Weltweit hat sie nach eigenen Angaben derzeit etwa eine Milliarde aktiver Nutzer. Und wer ihnen im Online-Schlagwortsystem seine Aufnahmen als pfälzisch präsentiert, darf auf viele Herzchen hoffen: von ihm gänzlich unbekannten Pfalz-Fans. Sowie von Britta und Christian „Chako“ Habekost, die sich nicht nur als Regionalkrimi-Autoren einen Namen gemacht haben, sondern auch als führende „Like“-Verteiler für Bilder mit dem Hashtag #pfalz. Mit dem garnieren Instagram-Nutzer Fotos, die bewaldete Hügel in stimmungsvollem Licht zeigen. Oder den Speyerer Dom. Oder pittoreske Burgruinen auf kühn emporragendem Felssporn. Oder gut gefüllte Weingläser, die verheißungsvoll im Sonnenlicht funkeln. Doch als angeblich Pfälzer Motive tauchen auch beständig Bilder auf, die nicht auf den 5451,13 Quadratkilometern Pfälzer Erdoberfläche gemacht wurden. Die zeigen dann zum Beispiel die Burg Eltz im Kreis Mayen-Koblenz. Oder die Koblenzer Festung Ehrenbreitstein. Oder gar die Saarschleife. Selbst die Aufnahme einer tiefverschneiten Holzhütte unter grünlich schimmerndem Polarlicht-Himmel ist erst vor wenigen Tagen mit dem Schlagwort #pfalz garniert worden. Wofür es gleich zwei mögliche Erklärungen gibt: Als pfälzisch kann bei Instagram alles präsentiert werden, was von Pfälzern oder Pfalz-Liebhabern fotografiert worden ist. Oder aber: Es ist egal, wo die Pfalz an ihre Grenzen stößt. Denn irgendwie pfälzisch ist einfach alles, was schön ist. 

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