Rheinland-Pfalz Rosenmontag in Mainz: Kinder vor Kampftrinken schützen

Entsorgung des Alkohols.
Entsorgung des Alkohols.

Mit der Kampagne „Weck, Worscht un Wasser“ wollen das Mainzer Jugendamt und die Polizei Kinder und Jugendliche davon abhalten, den Rosenmontagszug vor allem in ein Sauffest zu verwandeln. Daneben gehen sie in drei Gruppen schon ab dem Vormittag durch die Stadt. Wie die Ertappten dabei reagieren.

Dass Erröten der jungen Närrinnen in den niedlichen blauen Röckchen verrät schon, dass sie sich ertappt fühlen. Dezent, aber bestimmt halten Carina Dost und Tobias Krippen ihre Polizeiausweise vor und sprechen die Jugendlichen am Hauptbahnhof an. Die Polizeibeamten in Zivil interessieren sich dafür, was in den Flaschen ist, die die Mädchen in der Hand halten. Cola? Nicht nur. Der Geruchstest deutet auf eine Mischung mit Wodka hin. Das Mädchen ist erst 15 und darf keinen Alkohol trinken.

Etliche Jugendliche landeten 2019 in der Kinderklinik

Vier Polizisten und Doreen Becker, die Jugendschutzbeauftragte der Stadt Mainz, bilden eine von drei Streifen, die sich an diesem Rosenmontag auf den Weg machen, um Jugendliche vom Saufen abzuhalten. Seit etlichen Jahren läuft das Programm. Dafür gibt es gute Gründe: Drei 15-Jährige und sechs 16-Jährig sind am Rosenmontagszug 2019 wegen Alkoholmissbrauchs in die Kinderklinik eingeliefert worden. Behandelt wurden zudem mehr als 50 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. In diesem Jahr hat Sozialdezernent Eckart Lensch die Kampagne „Weck, Worscht un Wasser“ gestartet, die jungen Leuten zeigen soll, dass Frohsinn den Alkohol nicht braucht – obwohl die Erwachsenen gerade an Rosenmontag selten ein gutes Vorbild abgeben.

Dost und Krippen arbeiten im Haus des Jugendschutzes in Mainz. Der Rosenmontagseinsatz ist nicht ihr erster. „Am Morgen sind die Jugendlichen meist noch verständig, auch wenn wir den Alkohol wegkippen“, sagt Krippen. Das zeigt sich auch am Bahnhofsvorplatz. Die 15-Jährige ist mit einer ganzen Clique unterwegs. So schüchtern die Mädels auf die Polizeiansprache reagieren, so selbstbewusst sind es die Jungs. Sie sind 18 und älter, und was sie in ihren Rucksäcken haben, dürfen sie behalten. Aber die Jugendschützer und Polizisten lassen sie nicht ohne mahnende Worte stehen, bevor sie zur nächsten Gruppe gehen.

Viereinhalb Liter Alkohol landen am Baum

Der Hippie mit der Wuschelperücke, der andere mit dem Peace-Stirnband und ein weiterer mit einem liebevoll gemalten Herzchen auf der Backe: Wie die übrigen aus der Gruppe sind sie unter 18, aber mit Hochprozentigem im Rucksack. Carina Dost packt eine noch unangebrochene Wodka-Flasche aus, eine Flasche Apfelkorn, eine angebrochene Cola-Flasche, die schwer nach Alkohol riecht und noch mehr. Viereinhalb Liter werden es sein, die die beiden Polizisten an einen der Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz kippen.

Es gibt Leute, die nur auf Schlägereien aus sind

Im Bahnhofsgebäude überprüfen die gemischten Teams, ob die Läden den Jugendschutz einhalten und keinen Alkohol an Jugendliche verkaufen. Auch das gehört zur Streife dazu. „Vorbildlich“, sagt Doreen Becker und ist zufrieden. Doch sie weiß: Je später es am Tag wird und je näher sich die Streife dem Malakoff-Park am Rhein nähert, je schlimmer wird es sein. „Das hat nichts mehr mit Fasnacht zu tun, sagt Polizist Krippen und beschreibt aggressive Menschen, die nur auf Schlägereien aus sind. Dann wird es vorbei sein mit der freundlichen Ansprache der Polizisten in Zivil, mit den fürsorglichen Mitarbeitern des Jugendamtes. Dann geht es nur noch um die Sicherheit: Dafür sind zahlreiche Polizisten in der Stadt.

Polizist leert den Rucksack.
Polizist leert den Rucksack.
Vorglühen mit Vodka-Energy.
Vorglühen mit Vodka-Energy.
Jugendamt und Polizei arbeiten im Haus des Jugendrechts zusammen, am Rosenmontag startet hier ihre Streife.
Jugendamt und Polizei arbeiten im Haus des Jugendrechts zusammen, am Rosenmontag startet hier ihre Streife.
Mit Wasser lässt sich auch feiern: das zeigen diese Narren am Vormittag in Mainz.
Mit Wasser lässt sich auch feiern: das zeigen diese Narren am Vormittag in Mainz.
„Proviant“ zweier junger Mädels in der nähe des Hauptbahnhofs.
»Proviant« zweier junger Mädels in der nähe des Hauptbahnhofs.
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