Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Rheinland-Pfalz: Grippewelle rollt durchs Land

Die Patientenprobe wird mit Tupfer vorbereitet.
Die Patientenprobe wird mit Tupfer vorbereitet. FotoS: RKI/frei

In dieser Saison waren die Grippe-Viren früher aktiv als sonst. Zahlen des Landesuntersuchungsamtes verraten, in welchen Pfälzer Landkreisen es besonders viele Krankheitsfälle gibt.

2018 war mit 13.865 in Rheinland-Pfalz gemeldeten Fällen ein starkes Grippejahr. Wie viele weitere Menschen das Bett hüteten, muss offen bleiben. Denn die Dunkelziffer dürfte hoch sein: Nicht jeder Grippepatient sucht seinen Arzt auf. In der Saison 17/18 gab es nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) bundesweit geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche, zwei Millionen mehr als in den starken Grippejahren 2012/13 und 2014/15. Auch 2019 hatten viele Rheinland-Pfälzer die echte Virusgrippe. Laut LUA waren es 6977 Betroffene.

Abrupter Krankheitsbeginn mit hohem Fieber

Die echte Virusgrippe unterscheidet sich deutlich von einer schweren Erkältung. Wen es erwischt, bei dem bleibt es nicht bei Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen. Hinzu kommen laut RKI nach einem abrupten Krankheitsbeginn mit hohem Fieber noch schwere Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein trockener Reizhusten.

„Wasserdicht erkennen lässt sich die Influenza nur im Labor“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. „Dennoch wird der Arzt im Winter nicht unbedingt einen Grippetest machen, wenn das Bild klar ist.“ Der Patient werde eher nach Hause in die Isolation geschickt – mit dem Rat, sich zu schonen. Mitunter dauere es Wochen, bis sich die Betroffenen wieder fit und nicht mehr abgeschlagen fühlen.

Besonders gefährlich: Lungenentzündung

„Kinder erholen sich schneller als ältere Menschen“, sagt Glasmacher. Dass die Grippeviren das Lungengewebe schädigen, macht die Krankheit vor allem für Menschen mit Grunderkrankungen so gefährlich. „Auch bei älteren Patienten kann die Influenza schwer verlaufen, wenn sich dann noch eine bakterielle Lungenentzündung daraus entwickelt“, sagt Glasmacher. Dies könne zum Tod führen. „Kinder sterben selten an der Grippe.“

Ein Blick in die Statistik des Landesuntersuchungsamtes (LUA) in Koblenz zeigt, dass die Grippe seit Anfang des Jahres besonders viele Menschen in den Landkreisen Bad Dürkheim (130), Südwestpfalz (130) und Mainz-Bingen (137) erwischt hat. Aus Ludwigshafen wurden 162 Fälle, aus Mainz 119 und aus Kaiserslautern 108 Grippeerkrankungen gemeldet.

Ansteckungsgefahr in den tollen Tagen besonders groß

Eine Prognose, wie stark die Grippesaison ausfallen wird, wagt LUA-Sprecherin Kerstin Stiefel nicht. „Es ist möglich, dass es am Ende tatsächlich mehr Infektionen als beim letzten Mal sein werden, aber längst nicht sicher.“ Stiefel geht jedoch davon aus, dass die Zahlen nach dem Karneval noch einmal ansteigen werden: „Viele Bussis und dichte Menschenmengen auf engstem Raum, da kann man sich leicht gegenseitig anstecken.“

Das RKI rät, auch während der Faschingszeit Abstand von erkälteten Menschen zu halten: „Wenn es einem erwischt hat, sollte man in die Armbeuge husten und niesen“, sagt Glasmacher: „Nicht in die Innenhand; sonst kann man die Viren leicht über Hände und Oberflächen an andere weitergeben.“ Außerdem sollte man daheimbleiben, wenn man krank ist. „Besuche bei den Großeltern verschiebt man besser“, rät Glasmacher.

Schutzwirkung der Impfung mildert schweren Krankheitsverlauf

Ob die Grippeimpfung in dieser Saison gut angeschlagen hat, kann das RKI noch nicht sagen. Laut Glasmacher ist der Impfschutz generell nicht hoch. „Und bei älteren Menschen ist die Wirksamkeit noch niedriger.“ Besonders schwierig werde es trotz Vierfachimpfung, wenn die Typ B-Viren stark zirkulieren, wie es 2017/18 der Fall war.

Warum empfiehlt das RKI dann trotzdem, sich gegen Grippe impfen zu lassen? Die Gesundheitsexpertin begründet dies so: „Es ist nun mal der beste und einzige Schutz, den wir haben.“ Wer trotz Impfung krank werde, könne davon ausgehen, dass ein schwerer Krankheitsverlauf dank der Schutzwirkung abgemildert werde. In den vergangenen drei Jahren starben in Rheinland-Pfalz etwa 60 Menschen an der Grippe.

Bestimmte Praxen sammeln Daten und nehmen Proben

Verlässliche Zahlen zur Impfquote gibt es nicht. Nur einzelne Studien. Das RKI schätzt, dass sich jährlich rund 30 Prozent der Rheinland-Pfälzer gegen Grippe impfen lassen. Knapp 35 rheinland-pfälzische Arztpraxen arbeiten nach Glasmachers Auskunft regelmäßig mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza zusammen. Bundesweit sind es rund 150. Sie sammeln Daten zu Atemwegserkrankungen und beteiligen sich an der Influenzauntersuchung, indem sie bei Patienten mit Grippesymptomen Nasen- oder Rachenabstriche nehmen und die Proben vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza in Berlin untersuchen lassen.

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