Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzische Geschichte: Fischköppe vor Speyer – Elbgermanen am Rhein

Steht heute dort, wo bis ins 12. Jahrhundert die Siedlung „Winternheim“ lag – und im 5. Jahrhundert Nordgermanen siedelten: das
Steht heute dort, wo bis ins 12. Jahrhundert die Siedlung »Winternheim« lag – und im 5. Jahrhundert Nordgermanen siedelten: das Quartier Vogelgesang in Speyer.

Im unruhigen 5. Jahrhundert bricht die römische Rheingrenze zusammen – und Reste der römischen Truppen bleiben wohl einfach in der Region.

Es sind wohl vor allem die Archäologen, die den Erkenntniswert des Lochs zu schätzen wissen. Die Löcher, die man ab 1978 zum Bau der Siedlung „Im Vogelgesang“ im Speyerer Süden gräbt, fördern jedenfalls Erstaunliches zutage: Keramik, die aus dem 5. Jahrhundert stammt – und Merkmale einer elbgermanischen Herkunft aufweist, also von Menschen produziert sein dürfte, die aus dem Mündungsgebiet von Elbe und Weser stammen. Drängt sich die – saloppe – Frage auf, wie die Fischköppe in die Vorderpfalz kommen.

Die großräumige Zuwanderung durch eine Migrationsgruppe dürfte eher unwahrscheinlich sein. Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei den Nordgermanen um die Reste von Militäreinheiten in römischen Diensten handelt – Einheiten die vielleicht an der von Kaiser Valentinian I. in den 360er-Jahren neu organisierten Militärgrenze Rhein Dienst getan haben.

Barbaren auf beiden Seiten der Grenze

Valentinian folgt der Maxime, „dass es wertvoller war, die Barbaren durch den Schutz der Grenze abzuhalten, als aus dem Land zu treiben“, so der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. So einfach ist es um 370 allerdings schon lange nicht mehr: Die Einheiten, die Valentinian beispielsweise in der Pfalz stationiert, stammen ursprünglich aus allen Ecken des Imperiums, aus dem heutigen Belgien oder von der Seine – die Barbaren sitzen also auf beiden Seiten der Grenze, ob direkt im römischen Heer oder als Föderaten.

Die von Valentinian noch einmal mühsam befestigte Grenze bricht nicht schlagartig zusammen, an einzelnen Orten wie dem Kastell Alzey kann man das nachzeichnen: Das wird um 400 aufgegeben, vielleicht schon vor dem Rheinübergang von Vandalen und Alanen 406/407, dann noch einmal aufgebaut und mit burgundischen und dann alamannischen Föderaten bemannt. Erst um 496 wird es endgültig zerstört – also lange nach dem faktischen Ende der römischen Militärverwaltung am Rhein.

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