Rheinland-Pfalz Pfälzische Geschichte: Ein Krönchen zu viel

Sah in echt natürlich anders aus: Historisierende Darstellung Phillips im Speyerer Dom.
Sah in echt natürlich anders aus: Historisierende Darstellung Phillips im Speyerer Dom. Archivfoto: Lenz

Nach der Doppelwahl des Jahres 1198 gibt es im Reich zwei Könige – und ziemlich viele Königsmacher, etwa 50 Fürsten wählen mit. Wie sich daraus das Kurfürstenkollegium mit nur sieben Wahlberechtigten entwickelt, das ist umstritten.

Seinen Claim muss man eben abstecken: „Um Ostern begann er sich König zu schreiben und in Worms gekrönt aufzutreten“, so die Colmarer Annalen. Frühjahr 1198, und Philipp von Schwaben, zum römisch-deutschen König gewählt aber eigentlich noch nicht gekrönt, macht klar, wer der Herr im Haus ist. Muss er auch, es droht Konkurrenz.

Der Favorit ist ein Staufer

Es werden gleich zwei Könige gewählt, im Jahr 1198 – bei den ersten römisch-deutschen Königswahlen, bei denen die Namen der Wähler überliefert sind. Die Mehrzahl der Fürsten unterstützt den Staufer Philipp. Dessen Gegenkönig, der Welfe Otto IV., hat immerhin den Segen des Papstes. Rund 50 Fürsten küren den beziehungsweise die Herrscher – also wesentlich mehr als bloß die sieben Kurfürsten, die den Job ab etwa 1250 exklusiv erledigen. Warum sich die Gruppe so verkleinert, darüber gibt es verschiedene Theorien.

Dass die „Großen“ des Reiches in die Entscheidungsfindung eingebunden sind, ist zunächst nichts Neues: Mittelalterliche Herrschaft ist konsensuale Herrschaft – ohne Zustimmung der Mächtigen ist kein Regieren. In den Jahren ab 1198 mischt sich dann allerdings der Papst in den Wahlprozess ein – und drängt darauf, den König nur noch von den vornehmsten und bedeutendsten Fürsten wählen zu lassen, „optimates et principes imperii“.

Protestnote an den Papst

Einige Reichsfürsten verfassen darauf hin in Speyer eine Protestnote an den Papst, verbitten sich die Einmischung – und verteidigen die Wahl des Staufers Philipp, viele seiner Verwandten stützen ihn. Da klingt ein weiterer möglicher Grund für die Entwicklung des Kurfürstenkollegiums an: Römisch-deutsche Könige werden demnach zunehmend von Erbberechtigten der Familien gewählt, die mit den Königshäusern verwandt sind.

Weder Kür noch Verwandtschaft garantieren allerdings langfristig Loyalität: Philipp wird 1208 von Otto VIII. von Wittelsbach ermordet – und der hatte ihn eigentlich sogar gewählt.

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