Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzische Geschichte: Das „Jahr ohne Sommer“ 1816 in der Region

Bricht im April 1815 aus , tötet zehntausende Menschen in Indonesien und sorgt für weltweites Klimachaos: der Vulkan Tambora.
Bricht im April 1815 aus , tötet zehntausende Menschen in Indonesien und sorgt für weltweites Klimachaos: der Vulkan Tambora. foto: Picture Alliance

Ein Vulkanausbruch in Indonesien stürzt die Welt in eine Klimakrise - mit Auswirkungen auch in der Pfalz.

Trübe Aussichten, wahrlich: „1816 hat es geregnet bis 28. July und da ist das Zeug hier alles verfault“, beschreibt ein Dörnbacher Einwohner die unerwartete Klimakrise. Zwischendurch gibt’s Hagel, der erste Schnee fällt am 28. Oktober des Jahres, „und es ist völlig Winter geworden bis Weihnachten“.

„Jahr ohne Sommer“ hat sich als Begriff für das Krisenjahr 1816 eingebürgert, ein Jahr, in dem das Wetter auf der nördlichen Hemisphäre verrückt spielt: Kälte und zuviel Niederschlag in Westeuropa. Zu trocken in Nordamerika, dabei viel zu kühl. „Yankee-Chill“ nennen die Einheimischen das Phänomen, das allerdings nicht nur Yankees beutelt: Durch Missernten brechen in vielen Regionen der Welt Hungersnöte aus. Und eine weitere Gemeinsamkeit eint die Menschen global: Sie können sich das Phänomen noch nicht erklären.

Verantwortlich für das Klima-Chaos ist der indonesische Vulkan Tambora, der Anfang April 1815 ausbricht und eine Aschewolke von wohl selten da gewesenem Ausmaß in die Atmosphäre abgibt. Im direkten Umfeld des Vulkans fällt „die Asche so dicht, dass man sich draußen kaum bewegen konnte“, so ein britischer Augenzeuge. Einige zehntausend Menschen sterben in Fernost an den direkten Folgen des Ausbruchs, die Folgen für Europa sind mittelbarer: Der Ascheschleier legt sich wie ein Mantel um die Erde und mindert die Einstrahlung von Sonnenlicht.

Mit fatalen Folgen für einen Kontinent, der sich gerade von den Folgen der Napoleonischen Kriege erholt: Durch Missernten verteuern sich die Lebensmittel, der Preis für sechs Pfund Brot steigt von sechs auf 30 Kreuzer. Die Armen beginnen damit, „Futtergräser zur Speise zuzubereiten“, so eine Pfarrbeschreibung.

Und dabei kommt man in der Pfalz noch gut weg: Die Ernte 1817 ist in der Region wieder besser – und da fängt der Hunger anderswo gerade erst richtig an.

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