Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Park & Bellheimer: Umsatz mit Glas-Mehrweg-Flaschen steigt

100.000 Hektoliter Mineralwasser und Mischprodukte wurden 2018 bei Park & Bellheimer abgefüllt.
100.000 Hektoliter Mineralwasser und Mischprodukte wurden 2018 bei Park & Bellheimer abgefüllt. Foto: Iversen

Es war auf der Jahreshauptversammlung der Park & Bellheimer Brauerei AG im Jahr 2006, als ein Aktionär fragte, ob man die Abfüllanlage für Mineralwasser nicht von Glas auf PET-Flaschen umstellen sollte, auf thermoplastischen Kunststoff. Bellheimer hatte schon immer auf Mehrweg-Glasflaschen mit Perlmuster gesetzt. Die Antwort eines Vorstandsmitglieds fiel defensiv aus und war gegen einen Trend gerichtet, der unaufhaltsam schien. Der Vorschlag des Aktionärs wurde laut einem RHEINPFALZ-Bericht von vor 13 Jahren verworfen: Das Produktionsvolumen reiche nicht aus, um eine solche Anlage auszulasten, und „ein gewisser Teil“ an Mineralwasser werde ja weiterhin in Glasflaschen nachgefragt. „Noch vor zehn Jahren hat man geglaubt, dass Glas keine Zukunft hat“, bestätigt heute Roald Pauli, Vorstandsvorsitzender von Park & Bellheimer, im Gespräch mit der RHEINPFALZ am SONNTAG. Inzwischen frage ihn niemand mehr nach PET. Im Gegenteil: „Plastik implodiert“ – zumindest im Marktsegment für „hochwertige Mineralwasser“, so Pauli, das für das Bellheimer und Pirmasenser Unternehmen mit seiner Marke „Bellaris“ entscheidend sei. Bei Discountern und Billigsprudel sehe das anders aus. Aber: „Beim Wasser hat es ,Klick’ gemacht“, sagt der Vorstandsvorsitzende und meint damit jene Verbraucher, für die Regionalität, Nachhaltigkeit und damit neuerdings auch der Verzicht auf Plastik immer mehr an Bedeutung gewinne.

Bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden

Der Verkauf von Mehrweg-Glasflaschen in Deutschland, sagt Pauli, habe beim Mineralwasser im vergangenen Jahr um sechs Prozent zugelegt, „bei uns sogar um zwölf Prozent.“ Und er fügt zufrieden hinzu: „Wir sind uns treu geblieben und wurden belohnt.“ Sie bietet fast so etwas wie einen Blick in die Geschichte der Bundesrepublik, die Mehrweg-Glasflasche. Das waren und sind in der Regel jene klassischen Perlenflaschen, die seit dem Jahr 1969 als sogenannte „Poolflaschen“ von 180 verschiedenen Mineralwasserproduzenten gemeinsam genutzt wurden und werden, wie die Genossenschaft Deutscher Brunnen mitteilt. „Mehrweg-Leihflasche Mineralbrunnen“ ist auf jede Flasche geprägt, und die Individualität des jeweiligen Unternehmens spiegelt sich allein im Etikett wider. Die Flaschen könnten bei durchschnittlicher Lebensdauer bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden und würden regional – also dort, wo sie ausgetrunken werden – direkt wieder eingesetzt, argumentiert der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland in seinem „Ratgeber Mehrweg“. Und das klingt gut.

„Regionalität geht nur mit Glas zusammen“

Fakt ist aber auch: PET-Flaschen haben beim Wasser immer noch einen Marktanteil von 70 Prozent, dabei waren es mal 100 Prozent Glas, damals in den 1970er-Jahren. Und über alle Getränkearten gerechnet, nimmt in Deutschland der Anteil der Einwegflaschen sogar stetig zu, wie das Umweltbundesamt in seiner jüngsten Statistik für das Jahr 2017 vorrechnet: Nur 42 Prozent aller Getränke in Deutschland wurden in Mehrwegflaschen abgefüllt. 2016 waren es 42,5 Prozent gewesen, im Jahr 2010 noch 48 Prozent. Ursachen gibt es verschiedene: Powerdrinks, Alcopops, der Erfolg der 0,5-Liter-Bierdose, wie man sie aus dem Norden Europas kennt, und das fast vollständige Verschwinden der Milchflasche, die vom Tetra-Pack ersetzt wurde.

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