Rheinland-Pfalz Offiziell unerwünscht

Sind bei ihrem Speiseplan nicht wählerisch: Waschbären.
Sind bei ihrem Speiseplan nicht wählerisch: Waschbären.

«Mainz.» Waschbären sehen putzig aus, aber sie vertilgen die Eier seltener Vögel. Auch in Rheinland-Pfalz breiten sie sich aus. Jäger fangen die unerwünschten Einwanderer mittlerweile auch mit Hilfe von SMS-Kurznachrichten aufs Handy.

Sie durchwühlen Mülleimer und Komposthaufen, klettern über Bäume und Regenfallrohre in Gebäude. Frösche und Vogeleier mögen sie zum Fressen gern. Noch geht die Anzahl der jährlich erlegten Waschbären in Rheinland-Pfalz nicht in die Zehntausende wie beispielsweise in Hessen. Doch auch in Rheinland-Pfalz meldet der Landesjagdverband eine deutliche Zunahme. Vor zehn Jahren, im Jagdjahr 2007/08, wurden noch 30 Waschbären erlegt, im Jagdjahr 2017/18 waren es 686 Tiere. Waschbären haben so gut wie keine natürlichen Feinde in Deutschland. Sie klettern und schwimmen gut. Bei ihrem Speiseplan sind sie nicht wählerisch. Günther Klein vom Landesjagdverband sagt: „Rheinland-Pfalz ist wald- und gewässerreich, bietet also sehr gute Bedingungen für den Waschbären.“ Er ergänzt: „Uns könnte eine ähnliche Entwicklung wie in Sachsen-Anhalt bevorstehen.“ Dort sei die Anzahl der erlegten Waschbären ähnlich flach angestiegen wie in Rheinland-Pfalz. Doch dann gingen die Erlegungszahlen rapide hoch. Nach 3888 Waschbären im Jagdjahr 2007/08 seien 2017/18 bereits 29.616 getötete Tiere gezählt worden. Die Heimat des Waschbären ist Nordamerika. Von dort ist er nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) vor fast einem Jahrhundert erstmals nach Deutschland gebracht und in Pelzfarmen gehalten worden: „Mit dem Ziel, ihn bei uns anzusiedeln, wurde der Waschbär 1934 in Hessen erstmals bewusst ausgesetzt.“ Heute sehen viele diese Entscheidung kritisch. Sie gilt aber als unumkehrbar. Die sogenannte invasive gebietsfremde Tierart putzt die Vogeleier gefährdeter Bodenbrüter wie Rebhuhn und Kiebitz weg, greift mit schmalen Tatzen auch in Baumhöhlen nach Nestern und klettert sogar in hohe Horste von Greifvögeln. Die Mainzer Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) sieht die Kleinbären inzwischen auch in Rheinland-Pfalz als „etabliert“ an. Laut Erlegungszahlen lebt der putzig wirkende Einwanderer dort vor allem im Westerwald sowie in Taunus, Eifel und Hunsrück. Höfken erklärt: „Eine Gefahr für Menschen geht von Waschbären im Allgemeinen nicht aus.“ Das Forstministerium warnt dennoch vor dem Kontakt mit diesen Wildtieren, um die mögliche Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Auf keinen Fall sollten Waschbären gefüttert werden, da dies „eine Erwartungshaltung bei den Tieren provozieren kann“. Diese würden dann nicht nur zutraulich, sondern geradezu aufdringlich. Die EU-Kommission hat Waschbären auf eine Liste unerwünschter Tier- und Pflanzenarten gesetzt. Deren Ausbreitung soll in Europa bekämpft werden. Leicht zu jagen sind die nachtaktiven Waschbären im Dunklen aber nicht. Jäger setzen daher eher auf Lebendfangfallen. Jagdverbandssprecher Klein erläutert: „Es gibt moderne Fallenmelder, die dem Jäger beispielsweise eine SMS senden, sobald sich ein Tier in der Falle befindet.“ Ein Tier, das nicht bejagt werden soll, könne ein Jäger sofort wieder freilassen. „Ist aber ein Waschbär in die Falle gegangen, kann er das Tier erlegen.“ Nabu-Biologin Laura Kettering sagt, auf mehr Bejagung könnten Waschbären mit mehr Fortpflanzung reagieren. Der Nabu plädiert eher für eine vielseitigere Natur: „Insbesondere für kleinere Säugetiere, Amphibien und Vögel sollten geeignete Lebensräume zur Verfügung gestellt werden und durch Hecken oder alte Baumbestände Verstecke sowie ein größeres Nahrungsangebot geschaffen werden.“

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