Rheinland-Pfalz Nach Kandel-Mord: 8600 Polizisten bei Demos im Einsatz

«Mainz». Nach dem Mord an einer 15-Jährigen in Kandel sind seit Anfang vergangenen Jahres rund 17.000 Demonstranten zu den dort angemeldeten Versammlungen gekommen. Dabei seien in der Kleinstadt an 22 Tagen mehr als 8600 Polizisten insgesamt rund 57.000 Stunden im Einsatz gewesen, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) gestern im Innenausschuss des Landtags.
„Die Polizeieinsätze waren nach meinem Urteil zu jeder Zeit verhältnismäßig“, sagte Lewentz. Derzeit verhindert eine Baustelle weitere Kundgebungen. Die CDU hatte das Thema mit Blick auf einen Polizeieinsatz am 12. Januar in den Ausschuss eingebracht. Initiativen, die Gegendemonstrationen zum oft als rechtspopulistisch kritisierten „Frauenbündnis Kandel“ organisieren, hätten den Einsatz angeprangert: Angeblich sei er „einseitig, gewaltorientiert und unverhältnismäßig“ gewesen. Bei der Demonstration seien auch rund 50 Personen der organisierten Antifa gewesen, sagte Lewentz. Einige Demonstranten hätten versucht, die Absperrung der Polizei zwischen den beiden Lagern zu überlaufen, und sich dabei mit hochgehaltenen Bannern verdeckt. Die Polizei ermittle, habe aber noch keine Verdächtigen ausgemacht. Die Staatsanwaltschaft ermittle zudem nach einigen Anzeigen gegen die Polizei. Einige CDU-Abgeordnete warfen der SPD vor, sich im Zusammenhang mit den Demonstrationen nicht ausreichend von der organisierten Antifa zu distanzieren. Lewentz und SPD-Abgeordnete wiesen dies zurück. „Wir sind alle – hoffe ich – Antifaschisten“, sagte Lewentz. Er habe aber keinen Grund, ein gutes Wort für die organisierte Antifa einzulegen. In Kandel hatte ein Afghane Ende 2017 seine Ex-Freundin Mia erstochen. Er wurde wegen Mordes rechtskräftig zu acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.