Rheinland-Pfalz Lage und Prognose positiv

Sieht keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Situation: Heidrun Schulz.
Sieht keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Situation: Heidrun Schulz.

«Mainz.» Die Lage am rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt ist und bleibt gut. Für kommendes Jahr rechnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit um sechs Prozent.

Es waren fast nur positive Nachrichten, die Heidrun Schulz gestern verkündete. Fasst man die Ausführungen der Chefin der BA-Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland in einem Satz zusammen, dann könnte der lauten: Der Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz ist in bestechender und zugleich stabiler Form. So sank die Anzahl der Arbeitslosen 2018 im Vorjahresvergleich um 7,1 Prozent auf 98.700. Besonders stark war das Minus bei jungen Menschen unter 25 Jahren (minus 11,3 Prozent) und bei einer Gruppe, die als besonders schwierig zu vermitteln gilt: Menschen, die schon länger als ein Jahr ohne Arbeit sind. Die Anzahl dieser Langzeitarbeitslosen sank binnen Jahresfrist um 3600 (10,7 Prozent) auf noch 30.250. Wer langzeitarbeitslos ist, hat häufig mit mehreren Problemen zu kämpfen: mangelnde oder fehlende Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen, familiäre Konstellationen, die eine Erwerbstätigkeit behindern. Jene unter den Langzeitarbeitslosen, die realistischerweise gar keine Chance haben, mit herkömmlichen Mitteln auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen, sollen ab Anfang 2019 vom Teilhabechancengesetz profitieren. Sie können dann bis zu fünf Jahre lang gefördert werden, wobei der Staat den (Tarif-)Lohn für diese Beschäftigten bis zu 100 Prozent übernimmt. Es handele sich hier weniger um eine arbeitsmarktpolitische als um eine sozialpolitische Maßnahme, beschrieb Heidrun Schulz den Charakter dieses Projekts, bei dem die Langzeitarbeitslosen auch gecoacht, also gezielt betreut werden. In Rheinland-Pfalz würden zunächst 800 bis 1000 Langzeitarbeitslose durch das Teilhabegesetz gefördert, erläuterte Schulz. Auf Arbeitgeberseite gebe es derzeit unter anderem bei den Kommunen durchaus Interesse an dieser Beschäftigtengruppe, etwa für Tätigkeiten auf Bauhöfen. Mit Blick auf Unternehmen müsse das Gesetz hingegen „noch beworben“ werden. Während die Erwerbslosenquote im Jahresschnitt 2018 auf 4,4 Prozent gesunken ist (minus 0,4 Punkte gegenüber 2017), wird weiter kräftig eingestellt. 1,4 Millionen versicherungspflichtige Jobs gab es im zu Ende gehenden Jahr – zwei Prozent mehr als im Vorjahr. 400.000 dieser Beschäftigten arbeiten Teilzeit. Dabei sei der Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer mit 74.000 noch immer recht gering, stellte Heidrun Schulz fest. Zuletzt sei der Teilzeit-Zuwachs bei Männern aber doppelt so hoch gewesen wie bei Frauen, sah die BA-Chefin hier auch einen Hinweis darauf, dass sich das familiäre Rollenbild zunehmend verändere. Auch beim Blick in die nähere Zukunft gibt man sich bei der BA zuversichtlich. Kommendes Jahr werde die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erneut steigen, und zwar um 1,3 Prozent, während die Anzahl der Arbeitslosen um sechs Prozent zurückgehen werde, prognostizierte Heidrun Schulz. Eine alles in allem positive Aussicht, die sich allerdings an einer Stelle auch problematisch auswirkt: Unternehmen tun sich immer schwerer, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, noch weiter verschärfen.

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