Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Vom hohen Gut der Narrenfreiheit

Betont lustig, aber in eigener Sache verstehen Fasnachter oft nur wenig Spaß.
Betont lustig, aber in eigener Sache verstehen Fasnachter oft nur wenig Spaß. Foto: AP

Die Narrenfreiheit ist ein hohes Gut. Sie zu achten und zu schützen ist die Pflicht aller Karnevalisten. In der gerade beginnenden närrischen Jahreszeit erfüllen sie diese Pflicht ohne Zweifel besonders gut.

Erinnern wir uns an die Landeshauptstadt Mainz: Wie an dieser Stelle bereits berichtet, hat die dortige Stadtverwaltung eine Helau-Spur eingerichtet. Freie Fahrt für aktive Fasnachter auch dort, wo (fast) allen normal sterblichen Wagenlenkern die Durchfahrt verwehrt ist.

Angelegt ist diese fiktive Spur für närrische Einsatzfahrzeuge auf der Theodor-Heuss-Brücke. Sie verbindet die Mainzer Innenstadt über den Rhein mit Wiesbaden – genauer gesagt mit den Vororten Kastel und Kostheim, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs politisch zwar zu Wiesbaden, aber dennoch unverändert zur Mainzer Narrenszene gehören.

„Wolle mer se rüber lasse?“

Seit Anfang dieser Woche ist die Brücke vier Wochen lang wegen Bauarbeiten gesperrt. Passieren dürfen in dieser Zeit neben Fußgängern und Radfahrern nur Busse, Taxis und Einsatzfahrzeuge. Den Mainzer Fasnachtern, die vor allem an den Wochenenden an einem Abend gleich in mehreren Hallen das närrische Volk beglücken, wirbelte die Sperrung ihre eng getakteten Zeitpläne durcheinander.

Ohne Brücke, so die Furcht, könnte das gesamte närrische Gefüge aus den Fugen geraten. Also stellte sich die existenzielle Frage: „Wolle mer se rüber lasse?“ Die Antwort der Stadt: Ja! Aktive Fasnachter dürfen an den Wochenenden auf Wunsch die Brücke befahren, um keine Zeit zu verlieren.

Die kontroverse Debatte über das Thema hält an. Kritikern will nicht einleuchten, dass es zum Beispiel für Handwerker oder Pflegedienste keine Chance gibt, zeitraubende Umwege zu vermeiden. Die Fasnachter verweisen zu ihrer Verteidigung darauf, dass die Extra-Bratwürste nur in eng begrenzten Ausnahmefällen gebraten werden.

Mehr Rente für Büttenredner?

Zum Glück ist Mainz nicht überall. Nicht auszudenken, würde unsere Welt nach den Wünschen der Narren geformt. Dann gebe es zum Beispiel keine Winterferien mehr. Diese seien unsinnig und müssten vom Tisch, wiederholte der Dachverband Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK Deutschland) dieser Tage eine alte Forderung. Seine Sorge: Die Winterferien seien während der tollen Tage, was den Narren Publikum raube.

Und die RKK hat noch mehr auf ihrer ständig länger werdenden Wunschliste: Höhere Renten für langjährig ehrenamtlich aktive Narren oder die steuerliche Absetzbarkeit von Mitgliedsbeiträgen an Karnevalvereine.

Und jetzt gemeinsam: Heile, heile Gänsje ...

x