Rheinland-Pfalz
Kolumne: Mit dem SUV die Umwelt schützen
Saufen für den Regenwald war gestern. Wer heute die Welt retten will, sieht zu, dass er ein SUV ergattert. Dabei sind die Stadt-Geländewagen gerade erst als besonders benzindurstige CO2-Schleudern geschmäht worden, die Internationale Energieagentur rechnet vor: Weil ihr Anteil an der globalen Autoflotte so stark wächst, verpuffen die Erfolge der Ingenieure beim Bau sparsamerer Motoren. Doch von solcher Miesmacherei lassen sich Lotto Rheinland-Pfalz und sechs weitere Glücksspielgesellschaften ihr Öko-Engagement nicht verdrießen.
Zugunsten des Umweltschutzes haben sie jetzt 15 Innenstadt-Panzer unters Volk gebracht: Die VW T-Roc waren Hauptpreise bei einer Herbst-Sonderauslosung der Bingo-Umweltlotterie. Die heißt so, weil ihre Erlöse für den Naturschutz bestimmt sind. Die Glücksspielgesellschaften sagen: Mit insgesamt etwa 190 Millionen Euro sind bislang mehr als 19.000 Öko-Projekte unterstützt worden. Und im später dazugestoßenen Rheinland-Pfalz haben die Stiftung Natur und Umwelt sowie das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk schon eine Million Euro eingestrichen.
Wie Bordell-Lotto fürs Nonnenkloster
Kleingeistern mag ein SUV-Bingo da trotzdem so passend vorkommen wie eine Schnaps-Tombola zugunsten einer Entzugsklinik. Oder wie eine Tabak-Verlosung, die eine Krebsklinik fördern soll. Oder wie eine Lotterie mit Bordell-Gutscheinen, von der ein Nonnenkloster profitieren darf. Doch die Lottogesellschaften rechtfertigen sich nicht bloß mit dem guten Zweck ihrer Sonderauslosung, der nur erreicht wird, wenn ihr Hauptpreis auch attraktiv ist. Sie wehren sich auch dagegen, dass der T-Roc überhaupt als Klimakiller abgestempelt wird.
Also verweisen sie darauf, dass durchaus darüber gestritten wird, was etwa Elektroautos für den Klimaschutz tatsächlich bringen. Und darauf, dass Fahrzeuge mit Stromantrieb für viele Einwohner eines Flächenlands wie Rheinland-Pfalz im Alltag noch kaum nutzbar sind. Außerdem sei der T-Roc ein relativ umweltfreundliches SUV: Sein Schadstoff-Ausstoß sei ähnlich wie beim Golf, und im ADAC-Ecotest habe er vier von fünf Sternen abgeräumt. Und zwei weitere Argumente haben die Lotto-Sprecher da glatt noch vergessen, weshalb wir sie im Nachhinein gerne von uns aus beisteuern.
Makellose Öko-Bilanz durch Lieferverzögerung
Das erste liefert uns der Fall einer Pfälzerin, die so ein Auto für teures Geld selbst erworben hat. Angeblich, weil ihre beiden Hunde im Wadenbeißer-Format in anderen Fahrzeugen zu wenig Platz haben. Doch ihr Wuchtbrummer ließ monatelang auf sich warten. Und als er endlich da war, musste er wegen allerhand Mucken gleich noch einmal für eine Woche in die Werkstatt. Mithin hat dieser T-Roc in den ersten etwa fünf Monaten nach dem ursprünglich versprochenen Liefertermin fast gar kein CO2 ausgestoßen – eine Öko-Bilanz, die sich nur noch mit einer Rikscha toppen lässt.
Das zweite Argument wiederum kommt aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Wie bei jeder anderen Lotterie gehen die meisten Bingo-Spieler leer aus. Doch für ihr Los haben sie Geld ausgegeben. Und das können sie nun nicht mehr für andere – möglicherweise klimaschädliche – Aktivitäten verjuxen. Weshalb am Ende nur noch eine Frage bleibt: Wird es den Lottogesellschaften im nächsten Herbst noch einmal gelingen, ökologisch derart wertvolle Sonderpreise auszuloben? Wir hätten ihnen gerne vorgeschlagen, es mit Kreuzfahrten zu versuchen.
Doch dann haben wir entdeckt, dass sie das schon 2018 getan haben. Hoffentlich waren dabei auch die Getränke inklusive. Sodass die umweltbewussten Gewinner an der Schiffsbar gleich noch ein älteres Weltrettungskonzept wieder aufleben lassen konnten: Saufen für den Regenwald.