Rheinland-Pfalz
Keine Grippewelle in Sicht
Die Grippewelle ist auch in diesem Winter ausgeblieben. Das rheinland-pfälzische Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz, das die Meldedaten der Gesundheitsämter sammelt, rechnet nicht mehr mit einer drastischen Zunahme der Krankheitsfälle. Seit dem Herbst 2021 hat es zwar einzelne Influenzafälle gegeben, doch LUA- Sprecher Achim Ginkel geht davon aus, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie die Grippe auch in dieser Saison im Zaum halten.
Bundesweit wurden dem Robert Koch-Institut in Berlin seit der 40. Meldewoche 2021 insgesamt 2116 labortechnisch bestätigte Influenzafälle übermittelt. Im Vorjahr waren es laut Ginkel mit 414 (Stand 15. Februar 2021) sogar noch weniger. Da der Karneval mit vollen Veranstaltungssälen und schunkelnden Menschenmassen weitgehend abgeblasen wurde, ist nicht zu erwarten, dass sich während der Faschingszeit Grippeviren noch einmal stark verbreiten.
Robert Koch-Institut sieht keine Gefahr
Die echte Virusgrippe mit hohem Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen sowie anderen Erkältungssymptomen sorgte vor Corona trotz Grippeimpfung in jedem Winter für Krankheitswellen mit Todesopfern. In diesem Jahr vermeldete die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI in ihrem Wochenbericht Mitte Februar für ganz Deutschland: „Die Grippewelle auf Bevölkerungsebene hat bisher nicht begonnen.“ Die Influenza-Aktivität befinde sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau.
Auch für Rheinland-Pfalz sieht LUA-Sprecher Ginkel bislang keine Grippewelle heranrollen. „Die Gegenüberstellung der Meldefälle pro Kalenderwoche spricht eine eindeutige Sprache“, sagt er. „Es gibt seit dem Herbst 2021 einzelne Influenza-Fälle – es sind zwar mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, aber doch deutlich weniger als in den Jahren vor Corona.“
Niedrige Zahlen in Rheinland-Pfalz
Laut LUA lässt sich die Entwicklung anhand einiger Zahlen aus den Monaten Januar und Februar verdeutlichen: In der ersten Februarwoche 2018 wurden in Rheinland-Pfalz 568 Grippefälle gemeldet, 2019 waren es in diesem Zeitraum 357, 2020 dann 583, 2021 pandemiebedingt nur zwei und in diesem Jahr zwölf Fälle. Betrachtet man die achte Kalenderwoche, so sieht es folgendermaßen aus: 2018 wurden 1960 Fälle registriert, 2019 waren es 990, 2020 dann 975, 2021 kein Fall und 2022 drei Fälle.
Aufs Jahr gerechnet, ergab sich in Rheinland-Pfalz folgendes Bild: 2018 wurden von den Gesundheitsämtern insgesamt 13.855 Influenzafälle gemeldet, 2019 waren es 7899, 2020 dann 8215, 2021 laut LUA 72 und in diesem Jahr bislang 53.
Ein paar Zahlen beleuchten die Situation in der Pfalz. Nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes wurden im Jahr 2018 zum Beispiel im Kreis Bad Dürkheim mit 921 besonders viele Grippefälle registriert, 2019 waren es 521, 2020 dann 409, 2021 gab es keinen Fall und 2022 bislang einen. In Ludwigshafen wurden 2018 offiziell durch die Behörde 553 Grippeerkrankungen bestätigt, 2019 waren es 437, 2020 dann 436, 2021 gab es sieben Fälle und in diesem Jahr bisher fünf.
Zeitweise gar keine Grippefälle
Kaiserslautern vermeldete 2018 dem LUA 202 Grippekranke, 2019 dann 307, 2020 wurden 393 Influenzafälle und 2021 gar kein Fall registriert. 2022 gab es bisher einen Grippefall. In Landau waren die Zahlen niedriger: 2018 erkrankten 38 Menschen, ein Jahr später 56, 2020 dann 34, 2021 gab es einen Fall und 2022 noch keinen. Aus dem Donnersbergkreis wurden 2018 dem LUA 540 Influenzafälle gemeldet, 2019 waren es 267, 2020 dann 167, 2021 gab es keinen Grippefall, 2022 ebenfalls noch keinen Fall.
Wie viele Menschen tatsächlich im Winter eine Grippe bekommen, ist unklar. Nicht alle Betroffenenen gehen zum Arzt und nicht jeder Patient mit starken Erkältungssymptomen lässt in der Praxis einen Abstrich machen, der im Labor auf Grippeviren untersucht wird. Daher ist die Dunkelziffer hoch. Das RKI schätzt aber, dass während starker Grippewellen rund 20.000 Menschen bundesweit durch die Krankheit sterben.
Hohe Impfquote bei Ärzten
Die Grippeimpfung, die vor allem älteren und chronisch kranken Menschen empfohlen wird, schützt vor schweren Krankheitsverläufen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind die Impfquoten in den empfohlenen Zielgruppen aber bundesweit nach wie vor zu niedrig. Die von der EU empfohlene Quote von 75 Prozent bei älteren Menschen wird demnach nicht annähernd erreicht.
Laut RKI zeigen die Daten der Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigung einen rückläufigen Trend. Während in der Grippesaison 2008/09 noch knapp die Hälfte aller Bundesbürger ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft waren, hat sich der Wert bei etwa 38,8 Prozent eingependelt. Am höchsten ist die Impfbereitschaft offenbar in der Ärzteschaft: Dort lag die Quote in der Saison 2019/20 bei 79,3 Prozent.