Rheinland-Pfalz Innige und unbeherrschte Gefühle
Es naht nun wieder jener Tag, der die Herzen unzähliger Menschen höher schlagen lässt: Am 14. Februar werden durch kleine Geschenke oder andere Aufmerksamkeiten Gefühle geweckt oder frisch angefacht, und vor allem in Blumen- und Süßwarenläden, Parfümerien und Restaurants reiben sich Profitierende die Hände. Es kann freilich auch mal passieren, dass jemand am Valentinstag letztlich die Hände verzweifelt ringt, weil die erwartungsvoll vorbereitete Sympathiebekundung bei dem oder der Liebsten oder bisher nur angehimmelten Person die erhoffte Wirkung verfehlt. Etwa, wenn die Angebetete sich dadurch nicht endlich für den Verehrer erwärmt, sondern ihm kalt eine schroffe Abfuhr erteilt. Einen besonders krassen Fall einer schmerzlich missglückten Überraschung gab es voriges Jahr im Saarland. Ein 28-jähriger Mann kam damals am Valentinstag zeitig von der Arbeit heim und wollte seine Freundin mit einer Orchidee in schönem Übertopf erfreuen. Doch stattdessen musste der offenbar so früh in der gemeinsamen Wohnung noch nicht Erwartete entsetzt sehen, dass gerade schon ein anderer die 26-Jährige beglückte – auf ganz andere Art. Der Betrogene verlor beim Anblick des Zärtlichkeiten-Austausches die Beherrschung. Anstatt seiner Herzensdame mit liebevollen Worten den Blumentopf zu überreichen, zerschmetterte er diesen kurzerhand erzürnt auf dem Kopf des sechs Jahre jüngeren Nebenbuhlers. Dieser wurde dadurch, wie die Polizei später berichtete, schwer verletzt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dem Angreifer brachte sein heftiges Ausrasten ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Wie es nach dem Eifersuchtsdrama weiterging? Das würde wohl mancher gerne wissen. Neugierig haben wir uns im Nachhinein deswegen bei der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken erkundigt. Doch da war nur wenig zu erfahren. Sind doch die Hintergründe und gefühlsmäßigen Verwirrungen nicht etwa bei einem Strafprozess zur Sprache gekommen. Dies blieb den Beteiligten erspart. Denn das Verfahren wurde wegen „geringer Schuld“ eingestellt – gegen die Auflage, 1000 Euro an die Staatskasse zu zahlen. Darüber hinaus konnte man uns immerhin noch sagen, dass der Beschuldigte sich reumütig gezeigt habe. Und die Verletzungen des Attackierten glücklicherweise wohl doch nicht so gravierend gewesen seien, wie zunächst angenommen. Beim Nachhaken anderswo erfuhren wir schließlich aus gut unterrichteten Kreisen dann doch noch Erstaunliches dazu, was aus der durch die Untreue und ihre Folgen belasteten Beziehung wurde: Der 28-Jährige und seine Freundin heirateten nichtsdestotrotz rund ein halbes Jahr später. Ihre Liebe zu ihm ist demnach offenbar frisch aufgeblüht – und nicht verwelkt wie die geschundene Orchidee. Dass jemand am Valentinstag auf so unschöne Weise wie in jenem Fall quasi durch die Blume sagt, was er empfindet, ist indes gottlob eine Ausnahme. Wenden wir uns daher nun mal Angeboten für diesen besonderen Tag in der Pfalz zu, die friedvolle und frohe Stimmung erwarten lassen. Herausgegriffen sei hier zunächst von Besinnlichkeit Geprägtes: Bei kirchlichen Feiern können sich Verliebte und Paare zum Beispiel am Wallfahrtsort Maria Rosenberg „auf die Fürsprache des Heiligen Valentin“ segnen lassen. In der Ludwigshafener Melanchthonkirche folgt auf einen Segnungs-Gottesdienst ein kleiner Empfang, und nach der Feier in der Pirmasenser Kirche St. Elisabeth am 15. Februar wird gar in der katholischen Familienbildungsstätte ein Candle-Light-Dinner serviert. Und eine ganz spezielle Offerte unterbreitet auch dieses Jahr am 14. Februar der Landauer Zoo: Bei einer nachmittäglichen Führung mit einem Schluck Sekt zur Einstimmung geht es „Rund um die Liebe bei Tieren“. Worüber laut Ankündigung viel Spannendes und Unterhaltendes zu erfahren ist. Beispielsweise über den Harem und das Familienleben der Affen, die durch räumliche Trennung befeuerte Leidenschaft der Geparden oder die Treue von Pinguinen. Zoodirektor Jens-Ove Heckel erklärt dazu zwar grundsätzlich, dass man Liebe in der Tierwelt nicht aus Sichtweise des Menschen interpretieren sollte. Doch animierend könne sie für diesen durchaus sein. So könnte bei einem Zoobesuch mancher schüchterne Verliebte sozusagen eine Mut machende „Steilvorlage“ dafür erhalten, bei der angebahnten Beziehung in die Offensive zu gehen ... | MARTINA RÖBEL