Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Höhe der Altersrenten: Rheinland-Pfalz das Schlusslicht

Die durchschnittliche Altersrente der Frauen in Rheinland-Pfalz liegt aktuell bei 619 Euro.
Die durchschnittliche Altersrente der Frauen in Rheinland-Pfalz liegt aktuell bei 619 Euro.

In keinem Bundesland sind die Altersrenten so niedrig wie in Rheinland-Pfalz. Dort bekamen Ruheständler 2018 durchschnittlich 877 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rentenversicherung. In Hamburg waren es 955 Euro, im Osten Berlins gar 1160 Euro. Was sind die Gründe für diese Unterschiede?

Jährlich gibt die Deutsche Rentenversicherung einen über 300 Seiten starken Wälzer heraus: „Rentenversicherung in Zeitreihen“. Das Werk enthält eine Flut von Tabellen und Hunderttausende von Zahlen. Die aktuelle Ausgabe ist im Oktober erschienen, brisant sind die Seiten 170 und 171. Denn sie geben Auskunft über die durchschnittliche Höhe der Altersrente – für Männer und Frauen zusammen – in den einzelnen Bundesländern. Am Ende der Skala liegen neben Rheinland-Pfalz (877 Euro pro Monat) das Saarland und Niedersachsen (jeweils 887 Euro); die höchsten Altersrenten werden im Osten Berlins (1160 Euro), in Brandenburg (1082 Euro) und in Sachsen (1076 Euro) ausbezahlt.

Ein Grund: die Erwerbsbiografien der Frauen

Die Unterschiede bei der Rentenhöhe zwischen den alten und den neuen Bundesländern spiegele vor allem die Erwerbsbiografien der Frauen im Osten wider, sagt Gundula Sennewald, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Den Regelalterrenten der Frauen in den alten Bundesländern liegen durchschnittlich 23,3 Versicherungsjahre zugrunde, in den neuen Bundesländern sind es 35,3 Jahre. Dieser Unterschied habe zwangsläufig gravierende Auswirkungen, sagt Sennewald.

Dass es in der ehemaligen DDR für Frauen selbstverständlich war, im Beruf zu arbeiten, dazu in der Regel in Voll- und nicht in Teilzeit, zeigt sich bei den Bezügen im Ruhestand: Die durchschnittliche Altersrente der Frauen in Rheinland-Pfalz liegt aktuell bei 619 Euro, im Saarland sind es gar nur 558 Euro. In den neuen Bundesländern schwankt die Rentenhöhe der Frauen zwischen 939 Euro (Sachsen-Anhalt) und 1062 (Ost-Berlin).

Auch Unterschiede in alten Bundesländern

Doch auch in den alten Bundesländern sind die Unterschiede bei den Renten der Frauen erheblich: Eher hoch sind sie in den Stadtstaaten Berlin/West (815 Euro), Hamburg (782 Euro) und Bremen (694 Euro) sowie in Ländern wie Baden-Württemberg (708 Euro). Das Saarland und Rheinland-Pfalz seien eher strukturschwache Regionen im Vergleich beispielsweise zum eher industriellen Baden-Württemberg, sagt Sennewald: „Hiervon sind oftmals gerade die Frauen betroffen, die mit eher unterdurchschnittlichen Entgelten und kurzen Erwerbsbiografien nur geringe Rentenansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben.“ Diese Frauen seien früher auch häufig in der Landwirtschaft, einschließlich des Weinbaus, und oftmals nicht rentenversicherungspflichtig beschäftigt gewesen.

„Kein aussagekräftiger Maßstab“

Doch was sagt die Höhe der Durchschnittsrente über die tatsächliche Lebenssituation im Ruhestand aus? Bei der Rentenversicherung selbst sind Vergleiche auf dieser Basis eher unbeliebt. Die Durchschnittsrente sei kein aussagekräftiger Maßstab dafür, wie jemand im Alter finanziell dastehe, erklärt Hans-Georg Arnold, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz in Speyer: „Hier kommt es auf das gesamte Einkommen, auch jenes des Partners an.“ Dazu müssten die Lebenshaltungskosten, die in Ballungsräumen meist höher sind als auf dem Land, berücksichtigt werden. „Außerdem spielt vor allem die Tatsache eine Rolle, ob jemand im Alter mietfrei wohnt oder Miete zahlen muss“, sagt Arnold.

Ähnlich sieht man es in der Zentrale in Berlin. Die Durchschnittsrente sei nicht sehr aussagekräftig, da darin auch eine Vielzahl von Kleinstrenten enthalten ist, sagt Gundula Sennewald. So erhielten etwa Rentnerinnen und Rentner, die lange selbstständig tätig waren und teilweise nur kurz in die Rentenversicherung eingezahlt haben, eine sehr niedrige Rente, was den Durchschnittswert senke.

Wer auf die gesetzliche Rentenversicherung angewiesen ist

Studien der Rentenversicherung selbst und des Bundesarbeitsministeriums zeigen indes, dass unter den heute 40- bis unter 60-Jährigen rund ein Viertel in den alten Ländern und etwa ein Drittel in den neuen Ländern nur eine Anwartschaft aus der gesetzlichen Rentenversicherung besitzen. Das heißt: Für diesen Personenkreis ist die Durchschnittsrente und ein Vergleich der Höhen in den Bundesländern schon ein aussagekräftiger Maßstab.

Die Folgen gut bezahlter Jobs im Bergbau

Um es genauer zu fassen, werfen Experten gerne einen Blick auf einen bestimmten Teil der Altersrenten – nämlich jene, die nach mindestens 35 Versicherungsjahren ausgezahlt werden. Bei den Männern dieser Gruppe liegt in Rheinland-Pfalz die durchschnittliche Altersrente bei 1366 Euro – das entspricht etwa dem Bundesdurchschnitt. An der Spitze liegen hier das Saarland (1452 Euro) und Nordrhein-Westfalen (1467 Euro). In den beiden Bundesländern hätten viele Männer früher in gut bezahlten Jobs im Bergbau gearbeitet und erhielten daraus vergleichsweise hohe Renten, heißt es bei der Rentenversicherung.

In diesem guten Verdienstniveau bei den Männern im Saarland sehen Analysten auch den Grund für die schlechte Absicherung der Frauen in diesem Bundesland: Dies könnte daran liegen, dass die Frauen sich wegen ihrer gut verdienenden Männer nicht so sehr um ihre eigene Altersvorsorge gekümmert haben.

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