Rheinland-Pfalz Höfken: Weniger Lebensmittel wegwerfen

MAINZ (pet). In Rheinland-Pfalz sollen in Zukunft weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale, den Bauern- und Fleischerverbänden, den Großmärkten, dem Lebensmitteleinzelhandel und der Gastronomie will das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Ideen entwickeln, wie die Verschwendung gestoppt werden kann.

Zwei konkrete Projekte seien bereits aus dem Dialog entstanden, sagte Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) bei einer Fachtagung in Ruppertsberg. Die „Kochschule vor Ort“ sei gemeinsam mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sowie dem Verband der Köche gegründet worden. „Einmal im Monat werden Profis mit Kindern oder Erwachsenen auf Marktplätzen, in Schulen, in Gemeindehäusern oder auf Bauernhöfen kochen, um ihnen Wissen über den Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln.“ Außerdem wird es laut Höfken vom nächsten Schuljahr an ein neues Angebot für Schulen geben: Bei einem Grundkurs mit Berufsköchen sollen Kinder und Jugendliche etwas über gute Ernährung erfahren und dabei lernen, Lebensmittel wertzuschätzen und sorgsam mit ihnen umzugehen. Die Dehoga hofft, mit diesem einwöchigen Angebot bei den Schülern auch Interesse an einer Ausbildung zum Koch zu wecken. Fachleute schätzen, dass allein in Deutschland jährlich mehr als elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Mülleimer landen. Darunter sind vor allem Obst und Gemüse sowie Teig- und Backwaren. „Das sind gewaltige Summen, die hier verschwendet werden“, sagte Waltraud Fesser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie findet es auch besorgniserregend, dass ein Drittel der Haushaltsausgaben in die Verpflegung außerhalb der eigenen Küche wandern. „Das Wissen, was man zum Beispiel mit Essensresten noch anfangen kann, geht verloren“, so Fesser. „Viele Leute können gar nicht mehr richtig kochen.“ Daher sei es so wichtig, Geld in die Ernährungsbildung an den Schulen zu investieren. Ernährungsberater fordern schon seit Jahren, Kochen wieder als verpflichtendes Schulfach einzuführen. Die Verbraucherzentrale will aber auch die Gastronomen dazu animieren, weniger Abfall zu produzieren. „Momentan schauen wir uns die Speisekarten hinsichtlich der Portionsgrößen an“, sagte Fesser. „Es gibt nur ein geringes Angebot an halben Portionen, daher bleibt unnötig viel Essen auf den Tellern liegen.“ Eine Umfrage soll klären, was die Verbraucher über die Größe der Portionen denken. Professor Roland Kubiak vom im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) angesiedelten Forschungsinstitut RLP Agroscience (Neustadt) wies darauf hin, dass schon auf den Feldern Lebensmittel verschwendet werden: „Hat der Handel keinen Bedarf, werden Pflanzen einfach untergepflügt.“ Bei der Fachtagung wurde deutlich, dass in allen Bereichen der Lebensmittelbranche mehr getan werden muss. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Lebensmittel viel zu billig verkauft werden. Dies sei einer der Gründe dafür, warum sie heutzutage von vielen Menschen gering geschätzt würden. Außerdem wurde der Vorschlag gemacht, das Mindesthaltbarkeitsdatum durch ein Produktionsdatum zu ersetzen. Bemängelt wurde bei der Fachkonferenz, dass beim Schlachten von Tieren seit den 60er Jahren immer weniger Teile verwertet werden. Höfken wies in diesem Zusammenhang auch auf ökologische Missstände hin: „Schäfer müssen heutzutage Verluste hinnehmen, weil wir es geschafft haben, unsere Böden durch Dünger und Pestizide so zu versauen, dass Schafslebern nach dem Schlachten entsorgt werden müssen.“ Sie seien so stark belastet, dass sie nicht mehr gegessen werden dürften.

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