Rheinland-PfalzFichten in Not: So wollen Forstleute den Soonwald retten
Bis vor einem halben Jahr standen hier noch hohe Fichten: Nach Sturm Eberhard und dem Borkenkäfer ist eine große Kahlfläche übrig geblieben. Die soll nun wieder bewaldet werden. Foto: soma
Eine der großen Verliererinnen des Klimawandels in rheinland-pfälzischen Wäldern ist die Fichte. Der Soonwald im Hunsrück ist stark von dieser Baumart geprägt. Dort haben Stürme und Borkenkäfer in diesem Jahr verheerende Schäden angerichtet. Wie gehen die Forstleute damit um und wie sorgen sie dafür, dass ihr Wald künftig weniger anfällig ist?
Vertrocknete Äste und Büsche, altes Wurzelwerk – das ist alles, was nach dem Sommer 2019 auf einer Fläche von rund 13.000 Quadratmetern im Revier Alteburg im Forstamt Soonwald übrig geblieben ist. Ursprünglich hatten dort hohe Bäume gestanden – vor allem Fichten. Nun blickt Bernhard Frauenberger, Leiter des Forstamts Soonwald, auf eine Kahlfläche, die exemplarisch für einige Stellen in seinem Zuständigkeitsbereich steht. Rund 20.000 Hektar Wald betreut das Forstamt im Rhein-Hunsrück-Kreis und im Landkreis Bad Kreuznach. Wie viel Hektar insgesamt beschädigt wurden, sei schwer zu ermitteln, sagt Frauenberger. Häufig seien nur einzelne Bäume betroffen. Insgesamt, so schätzt der Forstamtsleiter, werden bis zum Jahresende rund 23.000 beschädigte Bäume entnommen werden müssen – vor allem Fichten.
An dieser Stelle im Revier Alteburg im Soonwald standen bis zum Sommer 2019 noch hohe Bäume - vor allem Fichten.
Im Sommer 2019 fegte Sturm Eberhard über den Soonwald. Viele Bäume wurden dadurch beschädigt.
Nach dem heißen und trockenen Sommer hatte der Sturm leichtes Spiel bei den gestressten Bäumen.
Stürme, aber auch Schädlinge wie der Borkenkäfer, können große Freiflächen hinterlassen - wie diese im Soonwald.
Um herauszufinden, welche Baumarten an welchem Ort im Wald besonders gut wachsen, nimmt Jürgen Gauer, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft, eine Standorterkundung vor.
Für die Standorterkundung nimmt Jürgen Gauer eine Bodenprobe auf einer Kahlfläche im Soonwald.
Mithilfe von Proben analysieren die Experten der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft den Boden an bestimmten Standorten und geben dann eine Empfehlung, welche Baumarten dort besonders gut wachsen.
Stürme und Schädlinge können reinen Fichtenwäldern leicht schaden: Damit erst gar keine Kahlflächen im Wald entstehen, pflanzen die Forstleute im Soonwald gezielt Laubbäume zwischen die Fichten. Wenn die alten Bäume zerstört werden, wächst die nächste Generation Wald bereits nach.
Die Buchen werden in kleinen Gruppen, sogenannten Klumpen, unter die Fichten gepflanzt. Diese Laubbäume vertragen die Schattenlage unter den hohen Nadelbäumen.
Die Forstleute schützen junge Bäume mit Holzgattern vor Wildverbiss. Nach zehn bis 15 Jahren fallen die Zäune einfach zusammen und werden Teil des Ökosystems.
Borkenkäfer nisten sich besonders gerne in der Rinde von Fichten ein.
Die Larven des Borkenkäfers überwintern im Baum und bohren sich als junge Käfer im Frühjahr wieder daraus hervor.
Ein Mehrgenerationenwald im Revier Gauchsberg im Soonwald: Die Forstleute setzen auf verschiedene Baumarten unterschiedlichen Alters.
Mehrere Generationen Bäume im Soonwald: Diese Weißtanne ist etwa fünf Jahre alt.