Rheinland-Pfalz „Es war der Horror“
Auch 30 Jahre nach der Katastrophe von Ramstein sind viele Wunden noch offen: Die Flugschau am Sonntag, 28. August 1988, endete im Inferno. Auf den Facebookseiten der RHEINPFALZ haben viele Menschen ihre Erinnerungen an den Unglückstag geschildert.
Es sind Sekunden, die alles verändern: Um 15.44 Uhr kollidieren drei italienische Militärjets über Ramstein, einer stürzt in die Menschenmenge. 70 Menschen sterben, mehr als 1000 werden verletzt. Viele Erinnerungen an die Flugschau-Katastrophe vor 30 Jahren drehen sich darum, dem Unglück entkommen zu sein – sei es, weil der Besuch beim Flugtag ausfiel, oder weil man frühzeitig aufbrach. Manches quengelnde Kind, das lieber nach Hause wollte, erwies sich als rettender Schutzengel. Frank Rasche berichtet vom „schlimmsten Tag meines Lebens“, der sich bis heute in sein Gedächtnis eingebrannt habe: „Ich war mit meinem Vater dort, der damals beim Deutschen Roten Kreuz arbeitete. Ich hab heute noch Bilder im Kopf von Leuten, die halb verbrannt waren.“ Steffen Schneider schreibt: „Ich werde diesen Tag nie mehr vergessen. Meine Faulheit hat mir damals mein Leben gerettet. Wir waren zuerst genau an der Stelle gestanden, wo der Jet einschlug. An diesem Tag war es sehr warm und wir bekamen Hunger und Durst. Nachdem wir Essen waren, haben wir uns entschieden, nicht mehr an den vorherigen Platz zurückzugehen.“ Wolfgang Fiedler war mit seinem Bruder und einigen Bekannten in Ramstein: „Wir standen genau hinter dem Hamburgerstand, da wo der Ford-Transit-Bus stand, in dem drei Frauen bei lebendigen Leib verbrannten. Unser Glück war, dass wir auf einem Schotterhaufen standen und uns dahinter legen konnten. An uns liefen so viele Verletzte vorbei, es war der Horror. Wir selbst kamen mit leichten Verbrennungen und angesengten Haaren noch einmal davon.“ Angela Uhlig erzählt: „Ich war zwar erst vier Jahre alt, aber kann mich an einiges erinnern. Wir hatten damals so Glück, dass wir später von zu Hause loskamen als die Jahre zuvor, und deshalb weiter weg parken mussten. Wir standen sonst immer am gleichen Platz, aber das Weiter-weg-Parken rettete uns vier (Mama, Papa, Kids) das Leben. An unserem Stammplatz hätten wir keine Chance gehabt.“ Die Geburt ihres kleinen Bruders hinderte Susanne Schlegel daran, als Zuschauer an der Flugschau teilzunehmen. „Anstatt nach Ramstein, sind wir ins Krankenhaus gefahren“, erinnert sie sich. „Unser Schutzengel wird heute 30.“ Auch Stefan Gab rettete ein Geburtstag vielleicht das Leben. Es war sein eigener. „Ich war immer mit meinem Papa auf dem Flugtag. Nur dieses Mal fiel mein Geburtstag auf diesen Sonntag. Gott sei Dank“, schreibt er. Nadine Paque-Wolkow war noch ein kleines Kind, als sie die Flugschau mit ihren Eltern besuchte. „Etwa eine halbe Stunde vor dem Auftritt der Italiener wollte ich nach Hause“, erzählt sie. „Meine Eltern wollten mich noch mit Eis bestechen – keine Chance, also mussten wir nach Hause. Wir hatten gerade das Auto geparkt, da gab es diesen gigantischen Knall. Meine Mutter sagt immer, dass das mein Schutzengel war. Oder es war Vorahnung – oder halt einfach nur totales Glück.“ Jasmin Reiß schreibt bei Facebook: „Krass ... mein Papa war mit meinem Bruder dort. Sie standen dort, wo später alles runterkam. Kurz bevor es passierte, sind sie nach Hause. Sie wären heute tot, wenn mein Bruder nicht gemotzt hätte.“ Sabine Hill saß mit ihrer Familie zunächst genau dort, wo später das brennende Flugzeug in die Zuschauer stürzte: „Da wir den nächsten Tag in Urlaub fliegen wollten, sind wir früher los. Dachten, wir hätten ja bereits die anderen Landes-Fliegerstaffeln gesehen, was solle da wohl anders sein. Als wir am Tor waren, der Knall. Auch ich kann mich an viele Details erinnern, der Bus, die Campingstühle, die vielen Kinder.“ Anja Rahn erinnert sich, dass in einer Nachrichtensendung direkt nach dem Unglück zu hören war, wie im Wirrwarr aus Helfern und Verletzten jemand immer wieder ihren Namen rief. „Im Hintergrund schrie einer ständig: Anja, Anja! Bekannte wussten, dass wir dort hin wollten. Sie befürchteten schon das Schlimmste!“ Dabei habe sich ihre Familie auf dem Weg nach Ramstein kurzerhand umentschlossen: „Wir sind weiter gefahren zu meiner Oma und wollten auf der Rückfahrt nach Ramstein. Als das Unglück passiert ist, waren wir keine 15 Kilometer entfernt.“ Im Netz Auf www.rheinpfalz.de finden Sie weitere Berichte und Bilder zum Ramsteiner Flugschau-Unglück vor 30 Jahren.