Rheinland-Pfalz „Er ist würziger und salziger“
2015 floh Abdul Saymoa nach Deutschland. Eine unerwartete Sehnsucht überkam ihn: nach dem Käse seiner Heimat. Deshalb gründete der 26-Jährige die erste syrische Käserei in Deutschland: „Cham Saar“ im saarländischen Illingen. Der Laden brummt. 1000 Liter Milch werden dort täglich zu 180 bis 200 Kilo Käse verarbeitet. Antonia Kurz hat mit Abdul Saymoa gesprochen.
Mir schmeckt der deutsche Käse auch gut. Aber ich habe einfach die Produkte aus meiner Heimat vermisst. Wie schmeckt Käse aus Syrien? Würziger und salziger. Von der Konsistenz ist er ähnlich, hat aber eine andere Form als deutsche Produkte, also Bällchen oder viereckig. Eine unserer Sorten besteht aus einzelnen Fäden, die aussehen wie gekochte Spaghetti in einem Glas. Sie heißt Chalali. Sie haben dann eine Käserei gegründet. Wie läuft „Cham Saar“? Die Käserei habe ich nicht alleine gegründet. Wir sind eine GmbH mit drei Gesellschaftern. Hierbei sind Anna Riehm und ich gleichberechtigte Geschäftsführer. Matthias Riehm Junior, Annas Mann, ist Mitgesellschafter. Wir wurden Sie zu Geschäftspartnern? Ich hatte damals schon eine Käserei gegründet und habe auf dem Bauernhof von Matthias Vater immer Milch geholt. Anna und Matthias haben sich dann gefragt, warum ich ihnen so große Mengen abnehme. Dann haben wir uns nach dem ersten Probieren zusammengetan. Wo ist die Käserei? Sie befindet sich in einer umgebauten ehemaligen Schlecker-Filiale in Illingen-Wustweiler. Die Milch für die Produktion kommt vom saarländischen Georgshof in Uchtelfangen. Was bedeutet der Name? „Cham“ ist der alte Name der syrischen Hauptstadt Damaskus und „Saar“ steht für das Saarland. Wer sind Ihre Kunden, wer kauft den syrischen Käse? Arabische, türkische und auch deutsche, regionale Lebensmittelhändler. Zudem haben wir immer mehr Online-Kunden. Kann man auch direkt bei Ihnen kaufen? Aufgrund von Hygienevorschriften darf in der Käserei selbst nicht verkauft werden. Aber im Online-Shop und bei Händlern kann jeder unseren Käse kaufen. Auch in kleinen Mengen. Was ist Ihr Spitzenprodukt? Es verkaufen sich alle Produkte gleich gut. Wir haben drei Sorten im Angebot. Mit Peperoni, Datteln, Brot oder gebacken … haben Sie einen Rezept-Tipp? Am liebsten essen wir den Käse mit Fladenbrot. Jede der drei Sorten kann gekocht und kalt verzehrt werden. Chalali eignet sich zum Überbacken. Er ist quasi der syrische Mozzarella. Warum sind Sie aus Syrien geflohen? In meiner Heimat habe ich eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Ich bin 2011 geflohen, sonst wäre ich eingezogen worden und hätte an der Front kämpfen müssen. Wir haben erst in Ägypten gelebt und sind dann 2015 nach Deutschland gekommen. Heute lebe ich mit meiner Frau und meinen zwei Kindern hier. Unsere Asylanträge werden noch geprüft. In einem fremden Land ein Geschäft aufzubauen war sicher schwer. Was hat Sie motiviert? Deutschland hat syrischen Käse bisher nur aus dem Ausland importiert. Das wollte ich ändern und den Käse hier produzieren. Was waren die größten Hindernisse? Das Geld von der Bank zu bekommen, der Nachweis, dass ich Käse produzieren darf und schließlich die deutsche Bürokratie. Haben Sie Hilfe bekommen? Ja, von den Mitgründern unserer GmbH Anna Riehm und Matthias Riehm jun. Und vom Georgshof, dem Bauernhof von Matthias’ Vater. Was raten Sie Menschen, die nach Deutschland flüchten und sich integrieren wollen? Die deutsche Sprache zu lernen und offen zu sein. Info www.chamsaar.de