Rheinland-Pfalz Eine Sache des Blickwinkels

Wir wollen an dieser Stelle einige Details aus dem Alltag des Journalisten berichten. Zu dessen Aufgaben gehört, unter anderem zu Ministerien oder Landtagsfraktionen zu eilen, wenn man dort überzeugt ist, neue und wichtige Informationen fürs gemeine Volk zu haben. Was dann folgt, nennt man gemeinhin eine Pressekonferenz: Politiker und Presseleute sitzen sich gegenüber. Unterlagen, Blöcke, Tablets und Mikrofone liegen auf Tischen, damit alle arbeiten könne. In jüngerer Zeit jedoch mussten wir feststellen, dass auch diese Sitten offenbar im Wandel begriffen sind. Vor einigen Wochen beim Landtagspräsidenten und jüngst in den Räumen der CDU-Landtagsfraktion gab es Pressekonferenzen an Stehtischen. Wir wollen nicht wehleidig sein. Natürlich kann auch ein Journalist hin und wieder mal stehend arbeiten. Das kann sogar der Gesundheit förderlich sein. Und es kam auch in der Vergangenheit vor, dass eilige Infos im Stehen zwischen Tür und Angel verbreitet wurden. Auch kennen wir die Dialogform des Statements. Zu dieser bitten Politiker gerne, wenn sie zu wenig zu sagen haben für eine richtige Pressekonferenz, aber dennoch gerne ihren Senf zu einem Thema geben würden: ein, zwei Sätze in die Kameras und Blöcke, gerne eine Nachfrage aus der herbeigerufenen Journalistenschar, und gut ist. Dabei muss man natürlich nicht sitzen – aber drei Kollegen mit Blöcken, Tablets, Mikrofonen und dicken Unterlagen um einen mickrigen Partytisch ... Was also treibt die Pressekonferenz-Reformer an? Könnte es die Perspektive der anwesenden Fernsehkameras sein? Wird eine Person von unten aus der Froschperspektive gefilmt, wirkt sie dominant. Geht beim Politiker natürlich nicht. Wird er sitzend von oben aufgenommen, wirkt er unbedeutend und machtlos. Geht überhaupt nicht, also bleibt er stehen, um mit den Kameras auf Augenhöhe zu sein. Keinesfalls seien dies die Gründe, heißt es bei der CDU. Man habe lediglich etwas Abwechslung in den Pressekonferenz-Alltag bringen wollen. Schließlich stehe auch die Kanzlerin hin und wieder vor den Presseleuten. Ja, wenn das so ist ... Übrigens: Die tapferen Schwarzen in Mainz haben zugesagt, künftig wieder bestuhlen zu lassen.