Rheinland-Pfalz Die Suche nach den Schleusern

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KAISERSLAUTERN

. Erwischt: Im Zug aus Paris sitzen Eritreer. Sie hätten die deutsche Grenze nicht überqueren dürfen. Bis auf einen aus der Gruppe. Er hat eine Aufenthaltserlaubnis für Italien, auch seine Einreise nach Deutschland ist legal. Doch gerade das macht ihn für die Beamten so interessant. Sie vermuten: Er ist ein Schleuser. Also lassen sie ihn in Kaiserslautern ebenso aussteigen wie seine Landsleute. Die Bundespolizei-Inspektion gleich neben dem Bahnhof ist für viele Flüchtlinge die vorletzte Station einer langen Reise. Oft sitzen sie in den Fernzügen aus Frankreich, die nach Mannheim rollen. Von dort aus wollen sie weiter zu Landsleuten, die bereits irgendwo in Deutschland sind. Andere, so berichtet der Bundespolizei-Sprecher Stefan Heina, steigen schon in Saarbrücken aus. Sie fahren mit der Nahetalbahn über Bad Kreuznach nach Bingen und von dort aus in Richtung Mainz. Vermutlich wollen sie so Kontrollen vermeiden. Anderen hingegen ist es egal, ob Beamte sie entdecken – Hauptsache, sie sind in Deutschland. Die Bundespolizisten schicken illegal Eingereiste weiter in die Zentralstelle für Asylsuchende in Trier. Vorher erfassen sie die Personalien der Neuankömmlinge. Und fragen nach jenen Leuten, die die Flüchtlinge nach Deutschland gelotst haben. Viel Verwertbares hören sie da nur selten. Dabei sind sich die Beamten sicher: Niemand schafft es auf eigene Faust, sich aus Syrien oder Eritrea bis nach Deutschland durchzuschlagen. Wer hier ankommt, hatte Helfer. Und die machen sich strafbar. Gegen das Gesetz hat schon verstoßen, wer an einer Raststätte einen Flüchtling trifft, ihn aus purer Nettigkeit in sein Auto setzt und ihn mit über die Grenze nimmt. Profi-Schleusern drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft. Ermittler sprechen von international agierenden Banden, straff geführt und mafiaartig, die auch in andere Formen der Kriminalität verstrickt sind. Mehrere Tausend Doller muss ihnen zahlen, wer aus Syrien oder Eritrea nach Deutschland gebracht werden will. Im Gegenzug kümmern sich die Banden darum, dass für jede neue Etappe des langen Wegs ein neuer Helfer bereitsteht. Das kann ein Lastwagenfahrer sein, der Flüchtlinge bis zur nächsten Zwischenstation mitnimmt. Oder jemand, der sich auskennt, ihnen Fahrscheine besorgt und sie in den richtigen Zug setzt. Genau das hat der Eritreer mit italienischer Aufenthaltserlaubnis für seine Landsleute getan, vermuten die Bundespolizisten, als sie ihn samt der Gruppe im Mai 2014 in Kaiserslautern aussteigen lassen. Also leiten sie gegen ihn ein Ermittlungsverfahren ein. Dabei achten auch die kleinen Handlanger der großen Menschenschmuggler sonst darauf, dass sie schon weg sind, wenn ihre Kundschaft bei der Polizei landet. Manchmal allerdings hinterlassen sie verräterische Hinweise. Im Sommer 2014 zum Beispiel, berichtet Polizeisprecher Heina, entdecken Beamte auf einem Bahngleis bei Guntersblum (Kreis Mainz-Bingen) einen Güterwaggon. Seine Deckplane ist fest verschnürt und verplombt, aber aufgeschlitzt. Unter dieser Abdeckung finden die Kriminaltechniker kaum Ladung, aber Spuren, die auf blinde Passagiere schließen lassen. Zum Beispiel Fingerabdrücke. Einer davon ist schon bei den Behörden gespeichert: Er stammt von einem Mann, der im Raum Nürnberg lebt. Spätere Ermittlungen zeigen: Er hat hier eine Familie abgeholt und mitgenommen, die per Güterzug nach Deutschland geschmuggelt worden war. Das beschert diesem Mann erst einmal deutsche Untersuchungshaft. Ein in Ludwigshafen lebender Syrer hingegen musste in einem griechischen Gefängnis 40 Tage absitzen. Er hatte im vergangenen Herbst von Griechenland nach Italien reisen wollen – gemeinsam mit einer Frau. Sie gab sich gegenüber Grenzbeamten als seine mit ihm in Ludwigshafen lebende Gattin aus, hatte auch deren Pass dabei. Doch in Wirklichkeit war sie deren Schwester, also seine Schwägerin. Der Fall landete bei der Frankenthaler Staatsanwaltschaft. Die befand: Die Griechen haben den Mann für seine Hilfe beim versuchten Pass-Betrug schon genug bestraft, nach deutschem Recht wäre es für ihn auch nicht schlimmer gekommen. Schließlich gehen die Ermittler ohnehin davon aus, dass sie es hier nicht mit Machenschaften der Schleuser-Mafia zu tun haben, sondern mit dem Versuch einer illegalen Familienzusammenführung. Auch der in Kaiserslautern gestoppte Eritreer mit italienischer Aufenthaltserlaubnis kommt schließlich glimpflich davon. Die Staatsanwaltschaft vermutet mittlerweile, dass er nur einem seiner im Zug erwischten Landsmänner über die Grenze geholfen hat. Und ihr fehlen Beweise dafür, dass der vermeintliche Schleuser dafür bezahlt wurde. Das Verfahren gegen ihn wird gegen eine Geldauflage eingestellt.

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