rheinland-pfalz
Die neue Corona-Impfstrategie der Landesregierung
Wenn es um neue Impfstoffe geht, hat in Deutschland das Wort der Ständigen Impfkommission (Stiko) Gewicht. Das ist ein unabhängiges Expertengremium, dessen Tätigkeit vom Robert-Koch-Institut koordiniert wird. Die Stiko-Fachleute haben empfohlen, dass der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren verwendet werden soll. Ihre Begründung: Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen bisher keine ausreichenden Daten vor.
Mit dem Eintreffen der ersten Astrazeneca-Lieferungen konzentriert die Landesregierung den auch für Ältere zugelassenen Biontech-Impfstoff zunächst auf „die besonders vulnerable Gruppe der Menschen über 80 Jahre“, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Montag mitteilte. Das bedeutet: Krankenhaus-Mitarbeiter der höchsten Priorität, die bisher noch nicht geimpft wurden, werden laut Dreyer im Februar ein Impfangebot erhalten – mit Astrazeneca.
In die höchste Impfpriorität werden neben den über 80-Jährigen unter anderem auch medizinische Angestellte, „die Menschen mit hohem Risiko betreuen“, eingestuft. Dazu gehört beispielsweise das Personal auf Intensivstationen oder in Notaufnahmen. Bisher wurden bereits zwei Drittel der rheinland-pfälzischen Krankenhaus-Mitarbeiter der höchsten Priorität mit dem Biontech-Impfstoff verarztet.
Nicht jeder ist über ein Impfangebot mit dem Astrazeneca-Wirkstoff erfreut
Dass das letzte, noch nicht geimpfte Drittel nun das Astrazeneca-Präparat erhalten wird, macht nicht jeden Betroffenen glücklich. Kritiker sagen diesem Impfstoff nach, nicht so wirksam wie der von Biontech zu sein und gegen die südafrikanische Mutante nur einen minimalen Schutz zu bieten. Experten wie der Berliner Virologe Christian Drosten halten dagegen: Das Astrazeneca-Präparat sei ebenso wie die anderen Impfstoffe zumindest gegen einen schweren Krankheitsverlauf „total gut wirksam“, so Drosten in seinem NDR-Podcast. Soll heißen: Man kann sich zwar infizieren, wird aber nicht daran sterben.
Für alle über 80-Jährigen, die sich bisher registriert haben, bedeutet die neue Impfstrategie der Landesregierung, dass sie „bis Mitte April zumindest ihre Erstimpfung erhalten“. Ihnen wird Biontech verabreicht, eben weil es auch für Menschen ab 65 Jahren zugelassen ist. Nach Angaben der Landesregierung sind inzwischen „in nahezu allen Altenheimen“ die Erstimpfungen erfolgt und „jede zweite Zweitimpfung ist terminiert“. Sobald die Erst- und Zweitimpfungen beendet sind, werde ein zweiter Durchgang starten, damit auch jene Bewohner und Mitarbeiter in den Heimen versorgt werden, die in der ersten Runde noch nicht impfbereit waren.
Registrierungen für die „Prioritätsgruppe 2“
Darüber hinaus sollen nun die Registrierungen für Angehörige der zweithöchsten Prioritätsgruppe anlaufen. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit Behinderungen. Bis Ende April sollen alle Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen, betreuten Wohngruppen und Tagespflegeeinrichtungen ein Impfangebot erhalten.
Zur Prioritätsgruppe 2 gehören außerdem chronisch Kranke und die Kontaktpersonen sowie die 360.000 Rheinland-Pfälzer im Alter von 70 bis 79 Jahren. Sie sollen sich ab Mitte März für einen Termin registrieren können. Über die Freischaltung des Terminportals werden sie per Brief informiert.
Mitarbeiter der Blut- und Plasma-Spendedienste, der Gesundheitsämter und „Mitarbeiter zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur, der Testzentren und der Ordnungsämter, der Kinderheime und der Kinderpflegeheime“ werden sich „spätestens ab Anfang März für ein Impfangebot registrieren lassen“ können.
Grundschullehrer und Erzieher können sich ab März registrieren lassen
Polizisten und Mitarbeiter des Justizvollzuges werden über eigene Impfzentren beziehungsweise das Vollzugskrankenhaus in Wittlich versorgt. Grundschullehrer, Erzieher und andere Mitarbeiter von Kindertagesstätten beziehungsweise Grundschulen werden sich ab 1. März registrieren lassen können, so Dreyer. Und: „Wir bereiten alles vor, damit wir sofort loslegen können, wenn Gesundheitsminister Spahn die Impfverordnung ändert und Erzieher und Grundschullehrer vorgezogen werden.“
Info
www.impftermin.rlp.de sowie über die Info-Hotline 0800/57 58 100. Sie ist montags bis freitags von 7 Uhr bis 23 Uhr, an den Wochenenden zwischen 10 Uhr und 18 Uhr erreichbar.