Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Weintipp“: In Gimmeldingen gibt’s keine Meerspinnen!

Mandelblüten an der Straße zwischen Königsbach und Gimmeldingen.
Mandelblüten an der Straße zwischen Königsbach und Gimmeldingen.

Schon 1753 existiert in Gimmeldingen eine Weinlage Meerspinne, die mit dem Meer und Spinnen absolut nichts zu tun hat.

Die Tierfamilie Majidae, zu deutsch Meerspinnen, gehört zur Teilordnung der Krabben mit etwa 700 marinen Arten. Im Mittelmeer gehört dazu die Große Seespinne (Maja Squinado), die einen halben Meter Durchmesser erreichen kann und wirklich einer Spinne ähnelt. Ihr Bestand ist durch Überfischung bedroht.

Ja, ja, das Weingesetz ...

Keineswegs bedroht ist die Gimmeldinger Meerspinne, eine so genannte „Großlage“ für Wein. Über die Verbraucher täuschende Absicht des noch gültigen Weingesetzes, mit dieser Bezeichnung so zu tun, als käme der Wein aus einer besonderen Weinlage, haben wir an dieser Stelle schon verschiedentlich gemosert. Großlagen sind nämlich riesige Teilgebiete ohne jeden Lagencharakter. Wenn also schon der Gesetzgeber Irreführendes zulässt, ist es nicht mehr weit zu der glatten Lüge, in Gimmeldingen gäbe es Meerspinnen.

Nicht mal als Fossilien

Gibt es auch nicht, nicht mal als Fossilien. Aber schon 1753 existiert eine Weinlage Meerspinne. Ernst Christmann sah darin eine Komposition aus den mittelhochdeutschen Wörtern „mer “ (Wasserloch) und „wünne“ (Weideland). Friedrich von Bassermann-Jordan schrieb vor 97 Jahren, dass die Lage im Jahr 1623 schon Mehrspänn hieß. Man habe dort mehrspännig fahren müssen, weil der Weg schlecht befahrbar war. In Wasserlöchern blieben einfache Fuhrwerke stecken. Das 1971er Weingesetz vergrößerte die Gewanne zur 846 Hektar umfassenden Großlage Meerspinne. Schlecht müssen die Weine deshalb noch lange nicht sein.

Kerniger Riesling

Seit beispielsweise der junge Kellermeister Florian Haas neuen Wind in den altehrwürdigen Karl-Theodor-Hof der Familie Stolleis – ein Zehnthaus des Kurfürsten – bringt, macht eine Meerspinne hier richtig Spaß. Aus dem neuen Jahrgang 2019 füllte er einen knochentrockenen Riesling in die Literflasche mit einer schönen Mischung aus zartblumigem und mineralischem Aroma. Der kernige, typische Riesling hat Stil, womit für kleines Geld nicht unbedingt zu rechnen ist.

Der Wein

2019 Riesling Gimmeldinger Meerspinne, Weingut Stolleis, Mußbach, Telefon 06321-66071, www.stolleis.com, 6 Euro ab Weingut

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.
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