Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Der Weintipp: Ein Hoch auf den Verschnitt

Überraschendes Ergebnis bei einem verdeckten Test.
Überraschendes Ergebnis bei einem verdeckten Test. Foto: dpa

Eine gute Cuvée ist manchmal besser als die Einzelteile

Von Jürgen Mathäß

Noch immer glauben in Deutschland viele Weinfreunde, wer verschiedene Weine mischt, also einen „Verschnitt“ herstellt, sei ein Pfuscher. Hintergrund ist die Tradition, deutsche Weine in der Regel sortenrein und hochwertige Weine meist aus einer bestimmten Weinlage abzufüllen. Dem entspricht die Philosophie „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ des VDP (Verband der Prädikatsweingüter), der damit das ungeliebte Weingesetz ersetzen möchte, das höhere Qualität nach den Oechslegraden der Trauben definiert.

Ein großer Bordeaux ist nie sortenrein

So viel auch für dieses Konzept spricht: Ein Wein aus einer Sorte und einer Einzellage ist nicht unbedingt immer der bessere Wein. In anderen Ländern gilt der Verschnitt als große Kellermeister-Kunst – in der Champagne beispielsweise, oder in der Rioja. Berühmte Weine wie Châteauneuf du Pape oder hochwertige Bordeaux stammen nie aus einer einzigen Sorte. Und wer heute seinen besten Spätburgunder füllt, sucht durch Hin- und Herprobieren die optimale Kombination verschiedener Barriquefässer.

Der Test

Dem Berichterstatter wurden einst in einem exzellenten Weingut zwölf Weine verdeckt vorgesetzt. Er sollte den besten aussuchen. Als er die entsprechende Nummer nannte, lächelte der Kellermeister und sagte: „Ja, das finden wir auch. Es ist unser Verschnitt aus den anderen 11.“

Es muss uns also nicht wundern, dass ein Verschnitt aus verschiedenen Weinpartien des angesehenen Weinguts Theo Minges in Flemlingen ganz erstaunliche Qualitäten aufweist. Aus Chardonnay und Weißburgunder, teilweise im Edelstahl und teilweise im großen Holztonneau ausgebaut, entstand ein cremig-eleganter Wein mit Aromen von Nüssen, Grüner Banane, etwas Zitrus und einem Hauch Pfeffer, samtig-reif und dennoch elegant im Mund.

Experten wie Theo Minges und Altmeister Hans-Günter Schwarz haben den Wein gemeinsam mit dem Neustadter Ehepaar Häuselmann cuvetiert, das mit dem exzellenten Tropfen eine Art eigenes Mini-Weingut gründete.

Wein-Info

2018 „Kant“, Villa Klingberg, 67433 Neustadt/Weinstraße, Telefon: 06321/9252052, E-Mail: info@villa-klingberg.de, Preis: 14,80 Euro

Unser Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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