Rheinland-Pfalz Das Saarland verabschiedet sich virtuell aus dem „Reich“

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Die Schotten haben es sich doch nicht getraut, die Saarländer dagegen machen’s einfach: Sie wagen den Schritt in die Unabhängigkeit. Zwar nur in der virtuellen Welt, aber das ist ja die, die in Zukunft die wirklich wirkliche sein soll. Auf ihren Internet-Seiten müssen sich die Beinahe-Franzosen fürderhin nicht mehr mit einem „.de“ zu jenem Gebilde bekennen, das sie gerne „Reich“ nennen. Stattdessen haben sie jetzt was Eigenes: die Endung „.saarland“. Eine erste derartige Seite steht schon im Netz, unter www.willkommen.saarland geht’s zum Saarland-Marketing. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihre Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) sind begeistert. Schließlich kann nun mit passender Adresse präsentiert werden, was ihr Bundesland zu einem besonderen macht. Zu denken wäre an Netz-Seiten wie: schwenker.saarland, lyonerpfanne.saarland und würzen-mit-maggi.saarland. Oder natürlich auch: erdbeben.saarland, saumäßig-viele-schulden.saarland und katastrophengebiete-so-groß-wie-das.saarland. Doch es geht nicht nur um sentimentale Saarland-Seligkeit, die virtuelle Unabhängigkeit beschert den Beinahe-Franzosen gegenüber dem „Reich“ einen knallharten Wettbewerbsvorteil. Unternehmer können sich attraktive Netz-Adressen sichern, die mit „.de“-Endung längst vergeben und daher gar nicht oder nur für teueres Geld zu haben sind. Die Saar-Regierung nennt als Beispiel: webdesign.saarland, restaurants.saarland und termine.saarland. Vergessen hat sie die Kombination mit jenem Begriff, der im Netz-Verkehr die größte Rolle spielt: sex.saarland. Aber vielleicht können die Inhalte so einer Seite ja auf erdbeben.saarland hinreichend abgehandelt werden. Besonders stolz ist die Landesregierung darauf, dass die neue Endung von ihrem eigenen Hoheitsgebiet aus verwaltet wird: Die „.saarland“-Zentrale steht in St. Ingbert. Das einzige Bundesland mit eigener Netz-Kennung ist das Beinahe-Franzosen-Reservat trotzdem nicht: Es gibt schon „.berlin“, „.nrw“ und, natürlich, „.bayern“. Nur die Mainzer Landesregierung kommt virtuell nicht in die Puschen: Sie baut „rlp“ zwar als eigenes Zwischenglied in ihre Internet-Adressen ein, aber ohne ein „.de“ am Ende kommt sie dabei nicht aus. Dabei müsste doch unbedingt mit passender Endung präsentiert werden, was Rheinland-Pfalz zu einem besonderen Bundesland macht. Zu denken wäre an Netz-Seiten wie nürburgring-desaster.rlp, flughafen-elend.rlp oder ähnlich-übel-verschuldet-wie-das-saarland.rlp. Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium verweist an die Staatskanzlei, die Staatskanzlei ans irgendwie immer zuständige Innenministerium, und dessen Sprecher sagt: „Eine eigene Endung ist bei uns nicht geplant.“ Da bleibt nur eine Lösung. Der für die schönsten, nettesten und klügsten Bewohner reservierte Landesteil muss alleine wagen, was sich die Schotten doch nicht getraut haben. Wenigstens in der virtuellen Welt. Die erste einschlägige Internet-Adresse könnte heißen: wir-machens-einfach-ohne-rheinland.pfalz.

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