Rheinland-Pfalz Coronavirus: Bundeswehr koordiniert ihre Hilfsmaßnahmen von Koblenz aus
Der Sanitätsdienst der Bundeswehr steuert von Rheinland-Pfalz aus seine deutschlandweite Hilfe in der Corona-Krise. Die kommt nicht nur erkrankten Soldatinnen und Soldaten zugute – sondern auch zivilen Einrichtungen.
Das eigens eingerichtete Einsatzführungszentrum in Koblenz koordiniere sämtliche sanitätsdienstlichen Maßnahmen und analysiere die Lage, so Ulrich Baumgärtner, der Inspekteur des Sanitätsdienstes. Rund 17.000 der bundesweit 22.000 Angehörigen des Sanitätsdienstes dienten derzeit in einem „Corona-Kontingent“ in den Sanitätseinrichtungen oder in den fünf Bundeswehrkrankenhäusern. Diese versorgten zu rund 80 Prozent zivile Patienten.
Mobile Anlagen erzeugen Sauerstoff für Beatmung
Die Bundeswehr hilft laut Baumgärtner dem zivilen deutschen Gesundheitswesen auch mit Personal und Sanitätsmaterial, beispielsweise der Überlassung von Röntgengeräten und Schutzausrüstung. „In den Kasernen halten wir darüber hinaus mittlerweile über 1300 Betten zur Absonderung und Betreuung von betroffenen Soldaten durch unsere Sanitätsunterstützungszentren vor“, so der 59-jährige Baumgärtner.
Der Sanitätsdienst habe die Zahl der Intensivbetten und Beatmungskapazitäten in den Bundeswehrkrankenhäusern deutlich erhöht. Für den Fall einer katastrophalen Steigerung der Zahl schwerkranker Corona-Infizierter sei in allen fünf Bundeswehrkrankenhäusern eine Reserve mit zusätzlichen Notfallbetten mit Beatmungsgeräten eingerichtet worden. „Im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz zum Beispiel sind das zusätzlich 20 Betten“, so Baumgärtner.
Ebenfalls in Koblenz stationiert sei eine von bundesweit sechs mobilen Anlagen zur Erzeugung von medizinisch nutzbarem Sauerstoff. Insgesamt könnten mit diesen Vorrichtungen binnen 24 Stunden bis zu 400.000 Liter Sauerstoff erzeugt und in spezielle Flaschen abgefüllt werden. „Diese können direkt am Patientenbett zum Einsatz kommen“, sagt der Generaloberstabsarzt.
Infektionen in Rheinland-Pfalz steigen um 2,3 Prozent an
Unterdessen ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen am Samstag in Rheinland-Pfalz auf 5402 gestiegen. Seit dem ersten Auftreten des Coronavirus Ende Februar sind in Rheinland-Pfalz 106 infizierte Menschen gestorben, wie das Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Unter den Todesopfern waren 13 aus dem Westerwaldkreis, elf aus der Stadt Koblenz und zehn aus dem Kreis Mainz-Bingen.
Am Freitag hatte die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 infizierten Menschen noch bei 5279 gelegen. Dies bedeutet einen Anstieg von etwa 2,3 Prozent. Noch in der Vorwoche lag der tägliche Anstieg der Fallzahlen in der Spitze bei 5,5 Prozent. Ende März waren die Zuwachsraten noch zweistellig gewesen.
Vor den Lockerungen der Corona-Beschränkungen – beispielsweise im Einzelhandel und für Sportler – haben Politiker und Experten am Wochenende vor Leichtsinn im Umgang mit der Pandemie gewarnt. „Alles, was Sie bisher tun durften, bleibt auch weiterhin erlaubt“, teilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit. „Dazu gibt es erste Lockerungen. Wenn wir uns alle diszipliniert und geduldig verhalten, sind vielleicht bald weitere möglich.“
Wieder zugelassen ist ab Montag unter anderem der Einzelhandel auf Verkaufsflächen bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern, dazu gibt es Lockerungen für Individualsportler. Weiter geschlossen bleiben Spielplätze. Wieder geöffnet werden dürfen die Außenanlagen von Zoos und Botanischen Gärten. Dabei sind dem Umweltministerium zufolge strenge Zutrittskontrollen erforderlich.