Rheinland-Pfalz
Corona-Pandemie: Wäre eine repräsentative Studie sinnvoll?
Die Anzahl der Coronavirus-Infizierten steigt offenbar in den verschiedenen Landesteilen von Rheinland-Pfalz unterschiedlich stark. 272 Infizierte sind es aktuell im Kreis Mayen-Koblenz, nur 24 dagegen in Pirmasens. Was tatsächlich im Einzelnen die Gründe für diese Entwicklungen sind, darüber lässt sich bisher nur spekulieren. Statistiker und Datenwissenschaftler fordern deshalb schon seit Längerem repräsentative Studien, die Infizierte, Gesunde und Genesene erfassen.
Gerd Antes, Professor an der Medizinischen Universität Freiburg, plädiert beispielsweise dafür, in Deutschland jede Woche einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt auf Infektionen zu untersuchen. Weil sich nur aus dem Anteil der Infizierten in einer solchen Stichprobe genaue Rückschlüsse auf die Gesamtsituation ziehen lassen.
Kapazität in Rheinland-Pfalz: 5000 Tests
Doch ist das realistisch? Da Krankheitserreger nicht vor Landesgrenzen haltmachen, dürfte ein solches Screening der Bevölkerung nur bundesweit Sinn ergeben, sagt der Sprecher des Landesuntersuchungsamtes (Koblenz), Achim Ginkel: „Die politische Entscheidung darüber würde ich daher auf Bundes- oder Länderebene verorten.“ Die Kapazität in Rheinland-Pfalz liegt nach Angaben der Landesregierung bei derzeit bis zu 5000 Tests täglich.
Nach Ansicht von Thomas Götz, Professor für Mathematik an der Universität Koblenz-Landau, müsste man bundesweit aktuell vermutlich um die 10.000 bis 20.000 Personen testen, damit eine Stichprobe halbwegs repräsentativ sei. Ob dies praktikabel sei, könne er nicht beurteilen. Ein weiteres Problem scheint ihm zu sein, dass die aktuell durchgeführten PCR-Tests nur das Vorliegen einer aktuellen Infektion feststellten, nicht jedoch, ob eine Person die Infektion bereits überstanden hat und immun ist. Götz: „Dies wäre jedoch meines Erachtens die eigentlich wertvollere Information – Test ja, aber mit klarem Ziel.“
In München Studie geplant
Doch Vorstöße gibt es bereits. In München sollen jetzt Menschen in 3000 Haushalten auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet werden. Die Stichprobe dieser Studie soll repräsentativ sein und so Rückschlüsse auf die Lage in anderen deutschen Großstädten zulassen. Im Saarland haben die Linken im Landtag unterdessen den Start repräsentativer Corona-Untersuchungen nach dem Vorbild Bayerns gefordert, um eine Exit-Strategie aus der Krise zu entwickeln. „Wir wissen gar nicht, wie die Faktenlage wirklich ist“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jochen Flackus. Verkürzte Meldungen mit der Anzahl von Infizierten und Toten seien falsch, da niemand wisse, wie viel Menschen im Saarland tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert, inzwischen geheilt seien und wie viele wirklich an dem Virus gestorben seien.
Die Linken schlagen vor, 2000 repräsentativ ausgesuchte Personen jetzt und in zehn Tagen noch einmal zu testen. Dann hätte man endlich eine verlässliche Basis, was die Durchdringung der Bevölkerung mit dem Virus wirklich bedeutet und hätte verlässlichere Zahlen für die Zukunft. CDU-Fraktionschef Alexander Funk sagte dagegen, eine solche Untersuchung wie in Bayern sei derzeit nicht geplant.