Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Auch CDU-Landrat Marlon Bröhr will Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz werden

Die Kandidatur als Inszenierung; CDU-Landrat Marlon Bröhr
Die Kandidatur als Inszenierung; CDU-Landrat Marlon Bröhr Foto: dpa

Der streitbare Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Marlon Bröhr, will Ministerpräsident werden. Dem CDU-Fraktionschef im Landtag und stellvertretenden Landeschef Christian Baldauf macht er die Spitzenkandidatur streitig. Am Dienstag präsentiert er in Simmern schon mal sein Wahlplakat.

Welch ein Auftritt! Ein Großplakat, wie es in den Schlussphasen von Wahlkämpfen eingesetzt wird, steht an der Fensterfront der Rhein-Hunsrück-Halle in Simmern. Darauf das Konterfei von Landrat Marlon Bröhr und der Spruch: „Rheinland-Pfalz kann mehr.“ Schon beim Betreten bestand kein Zweifel mehr: Bröhr würde seinen Hut in den Ring werfen und beim CDU-Landesparteitag am 16. November gegen den vom Landesvorstand nominierten Spitzenkandidaten Christian Baldauf antreten. Dabei gab es in den vergangenen Wochen aus der CDU kolportierte Gedankenspiele, warum der 45-jährige gelernte Zahnarzt doch erst in der nächsten Legislaturperiode zuschlagen würde.

„Nach 30 Jahren endlich mal wieder gewinnen.“

Aufmerksamkeit war Bröhr gewiss. Vertreter gleich mehrerer überregionaler Medien kamen nach Simmern. Das ist den landespolitischen Akteuren in Mainz schon lange nicht mehr gelungen. Bröhrs Begründung in Kurzversion lautete: „Ich möchte, dass wir nach 30 Jahren endlich mal wieder eine Landtagswahl gewinnen.“ Er komme aus der Praxis und sei kein Mandatsträger. Das sei ein anderes Konzept als in den vergangenen Jahrzehnten. Er kenne das Amt des ehrenamtlichen Stadtbürgermeisters, das des Verbandsbürgermeisters und des Landrats. Er habe drei Direktwahlen gewonnen, das schlechteste Ergebnis seien 65 Prozent gewesen. Als „glaubwürdigen Neuanfang“ wolle er sich präsentieren. „Wenn wir das Konzept überdenken, dass immer Oppositionspolitiker antreten, dann wäre ich der richtige Mann.“ So neu ist der Gedanke allerdings nicht: Als Julia Klöckner 2011 gegen den SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck kandidierte, war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium.

„Kommunen ausgequetscht wie eine Zitrone.“

Für ihn spreche, dass er Landrat der „Energiekommune des Jahrzehnts“ sei und Klimaschutz als „Thema Nummer 1“ die Medien beherrsche. Tatsächlich ist der Rhein-Hunsrück-Kreis Vorreiter gewesen beim Ausbau der regenerativen Energien. Dies hatte wesentlich Bröhrs Vorgänger Bertram Fleck (CDU) vorangetrieben. Was in die Amtszeit Bröhrs fällt, ist die Halbierung der Schulden des Landkreises. Landespolitsch kündigte er eine Soforthilfe über 500 Millionen Euro für die Kommunen an. Die Landesregierung quetsche die Kommunen aus wie eine Zitrone. „Mir wurde gesagt, mit dem Thema Kommunalfinanzen könne man keine Wahlen gewinnen. Aber das ist so, als wäre der Sauerstofftank beim Taucher nicht so wichtig“. Schöne Schulen oder Kindergärten, Gewerbegebiete oder kulturelle Angebote seien nur möglich, wenn Kommunen investierten.

„Man muss das Amt wollen.“

Kurz war sein Vortrag, prägnant und ohne sich in technische Details zu verlieren. Als er später umringt war von Kameras, sagte er, man müsse das Amt wollen – und nach einer Kunstpause: „Ich brenne.“ Geht es nach Bröhr, dann sollen die CDU-Mitglieder entscheiden, wer gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in eineinhalb Jahren antreten wird. Der Gemeindeverband Kirchberg hat bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Sollte dieser eine Mehrheit auf dem Landesparteitag erhalten, wird es keine Abstimmung über die Spitzenkandidatur geben. Davon allerdings ist nicht auszugehen. Bröhr, der verheiratet ist und zwei Kinder hat - ebenso wie Baldauf – hat in der Partei wenig Unterstützung. Das „Gockelhafte“ kritisieren innerparteiliche Gegner. Dass er im Zusammenhang mit dem Kirchenasyl Pfarrer angezeigt hat, kreiden ihm vor allem politisch linke Kreise an. Dabei sagte er am Dienstag, er wolle am liebsten mit den Grünen koalieren, die hätten „so viel Power“.

Baldauf: „Ich freue mich auf den Parteitag.“

Baldauf reagierte gelassen auf die Ankündigung: „Gut, dass Klarheit herrscht. Ich freue mich auf den Parteitag.“ Generalsekretär Gerd Schreiner teilte nüchtern mit: „Wir stellen für die Wahl unseres Spitzenkandidaten ein geordnetes Verfahren sicher, und am Ende entscheidet das Votum der Delegierten.“ Über Baldauf sagte Bröhr: „Ich schätze ihn sehr, ich mag ihn sogar. Aber wir wollen beide das gleiche.“ Wäre er nicht selbst Kandidat, würde er „wie ein Mann“ hinter ihm stehen. „Christian Baldauf als Ministerpräsident ist um ein Vielfaches Besser als die Regierung, die wir heute haben.“ Hier lesen Sie den Kommentar

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