Saarland RHEINPFALZ Plus Artikel Astronaut Matthias Maurer warnt vor Weltraumschrott

Matthias Maurer
Matthias Maurer

Maurer ist einer von sieben europäischen Astronauten, die von der NASA in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA auf dem Mond geschickt werden könnten. Eine erste Mondlandung ist wohl zwischen 2026 bis 2028 möglich.

Der Weg zum Mond führt durchs Saarland. Vielleicht. Der erste Europäer, der in nicht mehr allzu langer Zeit, irgendwann ab 2026, seinen Fuß auf den Mond setzen wird, könnte Matthias Maurer heißen. Und Maurer ist Saarländer, er stammt aus der Gemeinde Oberthal im Landkreis St. Wendel. Seit der Astronaut, den im Saarland alle nur Matthias nennen, am 6. Mai nach 177 Tagen im Weltall und 2832 Erdumrundungen sicher im Golf von Mexiko vor der Küste Floridas wasserte, wird er von seinen Landsleuten gefeiert wie ein Volksheld, so oft sich die Gelegenheit ergibt. Mit einer Party am Bostalsee beispielsweise oder am Freitag mit einem mehrstündigen Programm in der Saarbrücker Staatskanzlei zum Thema „Chancen und Perspektiven im Bereich der Luft-und Raumfahrt für das Saarland“.

Der Astronaut macht es seinen Fans leicht

„Hallo, ich bin Matthias.“ Der 52-Jährige macht es seinen Fans leicht, ihn zu mögen. Der Astronaut besucht an diesem Nachmittag einen Workshop der Saarbrücker Wissenswerkstatt. Die Arbeiten der Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren nehmen unmittelbar Bezug auf die Weltraummission des saarländischen Astronauten. Maurer zeigt sich interessiert, hört zu, probiert aus. Nicole Maas, die Leiterin der Wissenswerkstatt, erklärt dem Gast, wie stolz die Kinder auf „Matthias“ sind. Wird Maurer an diesem Nachmittag beschrieben, fallen immer wieder Attribute wie bodenständig, nicht abgehoben, heimatverbunden, bekennender Saarländer. Matthias Maurer „ist einer von uns, der es bis ganz nach oben geschafft hat“, sagt Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Bis in den Weltraum, bis zur Internationalen Raumstation ISS. Und vielleicht geht es noch ein Stückchen weiter. „Vielleicht schaffen wir es ja, den Saarländer Matthias Maurer auf den Mond zu schicken“, sagt Rehlinger.

Der große Traum vom Mond

Alles nur Tagträumerei? Nicht unbedingt! Maurer trägt an diesem Freitagnachmittag ein blaues T-Shirt („Das habe ich in dieser Woche bekommen.“) mit dem Schriftzug Artemis, dem Namen der Mondgöttin. Der Saarländer ist einer von sieben europäischen Astronauten, die für das Artemis-Programm ausgewählt wurden. Ziel des Projekts der NASA in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist es, erstmals seit Apollo 17 wieder Astronauten auf dem Mond abzusetzen. Eine erste Mondlandung soll voraussichtlich im Zeitraum 2026 bis 2028 stattfinden. Aber nur einer der Sieben bekommt die Chance, erster Europäer auf dem Mond zu sein. Vorerst. Denn es könne für Europa ratsam sein, „die Fähigkeit zur astronautischen Raumfahrt zu haben“ und langfristig eigene Astronauten auf den Mond zu schicken, ohne die NASA, sagt ESA-Repräsentant Kai-Uwe Schrogl in Saarbrücken.

Maurer: „Wir haben nur diesen einen Planeten“

So begeistert Matthias Maurer von der Idee ist, auf dem Mond zu landen, so wenig hält er von einer Besiedlung des Erdtrabanten. „Als Astronaut, der mal dort oben im Weltall war und die Erde gesehen hat, ist mir total klar: Wir haben nur diesen einen Planeten. Und diesen Planeten müssen wir schützen. Alles andere ist komplette Utopie.“ Weltraumkolonien seien eher Science-Fiction. „Vielleicht bauen wir mal auf dem Mond eine kleine Station“, aber das sei dann so etwas wie eine Antarktis-Station für vier Wissenschaftler. Wichtiger sei anderes, sagt Maurer. Zum Beispiel die Gefahr durch Weltraumschrott. Den vergleicht der Astronaut mit der Verschmutzung der Weltmeere. „Weltraumschrott könnte in Zukunft den Zugang zum All erschweren, vielleicht sogar verhindern. Und dann werden die Ressourcen im Weltall für die nächsten Generationen nicht mehr zugänglich sein“, warnt er.

Auch wegen solcher offenen Worte schätzt Ministerpräsidentin Rehlinger ihren Landsmann. Gemeinsam will sie mit ihm an Ideen arbeiten, wie der Weltraum auch dem Saarland Nutzen bringen kann. Projekte gibt es bereits. Frank Mücklich, Materialforscher an der Universität des Saarlandes, hat beispielsweise auf Hinweise der NASA reagiert, dass auf der ISS gefährliche Keime gefunden wurden. Die saarländischen Forscher veränderten mit Lasern die Oberflächen von Materialien in der Raumstation, damit Bakterien dort möglichst keinen Platz mehr finden. Ein anderer Vorschlag saarländischer Forscher geht dahin, mit Hilfe künstlicher Intelligenz den zunehmenden Weltraumverkehr zu regeln. Mit solchen – noch kleinen – Projekten will das Saarland ein paar Milliönchen abbekommen aus dem großen Fördertopf der ESA. Großes entsteht im Kleinen, wie man im Saarland zu sagen pflegt.

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