Rheinland-Pfalz 100 Jahre amerikanische Präsenz an Rhein und Mosel - Feierstunde im Landtag

An „100 Jahre amerikanische Präsenz an Rhein und Mosel“ gedenkt der Landtag in einer Feierstunde.
An »100 Jahre amerikanische Präsenz an Rhein und Mosel« gedenkt der Landtag in einer Feierstunde. Foto:Frank May/dpa

Die Amerikaner haben Rheinland-Pfalz stärker geprägt als die meisten anderen Bundesländer. Die erste Besatzungszone an Mosel und Rhein gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg. Dieser 100-jährigen Präsenz der Amerikaner gedenkt der Landtag am Dienstag mit einer Feierstunde.

Mehr als 50.000 Amerikaner leben in Rheinland-Pfalz, die US-Streitkräfte sind der fünftgrößte Arbeitgeber im Bundesland und die Air Base Ramstein ist einer der wichtigsten Standorte der US-Air-Force in Europa. Amerikanische Soldaten waren schon nach dem Ersten Weltkrieg im Raum Koblenz stationiert, fast 30 Jahre vor der Gründung des Bundeslands Rheinland-Pfalz. An „100 Jahre amerikanische Präsenz an Rhein und Mosel“ gedenkt der Landtag in einer Feierstunde. Die wichtigsten Eckpfeiler der amerikanisch-rheinland-pfälzischen Freundschaft im Überblick:

100 JAHRE GESCHICHTE: Fast 250.000 US-Soldaten kamen nach dem Ersten Weltkrieg als Besatzer an den Rhein. Die meisten von ihnen mussten zwischen Trier und dem Westerwald untergebracht werden, heißt es in einem Bericht zu „Stars und Stripes am Deutschen Eck“ des Instituts für Geschichte der Uni Mainz. Darunter war als Adjudant auch der spätere Friedensnobelpreisträger George C. Marshall (1880-1959). Nach ihm ist das Konjunkturprogramm der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg benannt, mit dem der rasante wirtschaftliche Aufstieg Deutschlands verbunden wird. Weite Teile der Region Trier-Koblenz waren bis 1923 Besatzungszone. Mit den „Doughboys“ („Teigjungs“), wie die Soldaten umgangssprachlich genannt wurden, kam bereits amerikanische Kultur an den Rhein.

Mindestens 200 Kinder amerikanisch-deutscher Beziehungen kamen in dieser Zeit allein in Koblenz zur Welt, die Dunkelziffer gilt als hoch. Der Schriftsteller Charles Bukowski (1920-1994) entstammt auch einer solchen Beziehung. Augenzeuge der Besatzungszeit war der deutsch-französische Schriftsteller Joseph Breitbach (1903-1980), er schildert sie in seinem Roman „Die Wandlung der Susanne Dasseldorf“.

ARMEE: Mit 35.000 US-Soldaten gilt Deutschland noch immer als wichtigster Stützpunkt der USA in Europa. Mehr als die Hälfte davon - rund 18.500 - sind in Rheinland-Pfalz an zehn Orten stationiert. Dazu kommen nach Angaben des Innenministeriums etwa 11.000 Zivilbeschäftigte und rund 21.000 Familienangehörige. „Die Streitkräfte sind natürlich ein wertvoller Wirtschaftsfaktor“, sagt Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) von der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, Nachbar des US-Stützpunkts Ramstein. Die US-Streitkräfte hätten die Wertschöpfung der Militärgemeinde Kaiserslautern inklusive Ramstein schon vor fünf Jahren auf rund 2,35 Milliarden US-Dollar für die regionale deutsche Wirtschaft beziffert, heißt es im Innenministerium. Das Land bemüht sich mit mehreren Programmen darum, ein gutes Umfeld für die Soldaten und ihre Familien zu schaffen.

BAUPROJEKTE: Die US-Streitkräfte investieren auch kräftig in Rheinland-Pfalz. Der Bau des größten amerikanischen Militärhospitals außerhalb der Vereinigen Staaten im pfälzischen Weilerbach soll bis Ende 2024 fertig sein und das Krankenhaus in Landstuhl aus den 1950er Jahren ablösen. Das neue Hospital werde rund 4000 Räume und Platz für 68 bis 93 Krankenbetten haben, heißt es bei Amt für Bundesbau in Mainz. Der US-Kongress stellt dafür rund 990 Millionen Dollar zur Verfügung, der Bund beteiligt sich an den Planungskosten mit etwa 151 Millionen Euro. Zudem sind elf neue Schulen innerhalb der nächsten zehn Jahre geplant sowie Wohnungen und Lager für die Streitkräfte.

KULTUR UND SOZIALES: Amerikaner an Rhein und Mosel, das ist mehr als Armee und Politik. Längst gibt es soziale Verflechtungen in Kirchengemeinden, Vereinen, Lebenspartnerschaften. Hollywoodstar Bruce Willis aus Idar-Oberstein ist dafür ebenso ein Beispiel wie Schriftsteller Charles Bukowski aus Andernach, beide als Sohn stationierter US-Soldaten geboren. Dazu kommt die Musik. Das US-Militär hatte schon in der ersten Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur Kaugummi und Coca Cola im Gepäck, es hatte auch den Exportschlager Jazz dabei. Und die Army bot für ihre GIs, was in der fernen Heimat musikalisch Rang und Namen hatte: Trompeter Miles Davis feierte bereits 1960 in Kaiserslautern einen großen Erfolg, Saxofonist John Coltrane 1963.

SPORT: Der erste (Deutsch-)Amerikaner in der Fußball-Bundesliga war ein Pfälzer: Thomas Dooley, 1961 als Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen in Bechhofen geboren. Mit dem 1.FC Kaiserslautern wurde er Deutscher Meister und Pokalsieger. Es folgten weitere US-Boys, etwa Conor Casey (FSV Mainz 05) und Charlie Rugg (Eintracht Trier und FK Pirmasens). Doch längst nicht nur Fußball - auch American Football, Basketball, Baseball und Rugby wird in Rheinland-Pfalz gespielt. Beliebt ist ebenfalls „Cheerleading“, das Anfeuern mit Akrobatik und Tanz. Von Koblenz über Trier und Bad Kreuznach bis Hambach existieren Teams.

WIRTSCHAFT: US-Firmen sind häufig Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, etwa der Bau- und Landmaschinenhersteller John Deere, der Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty oder der Grill-Experte Weber-Stephen. Bei der Armee sind rund 7.200 deutsche Ortskräfte an US-Standorten im Bundesland beschäftigt. So sei etwa die Air Base Spangdahlem „ein bedeutender und ein guter Arbeitgeber“, sagt Ortsbürgermeister Alois Gerten (parteilos). In einem großen Radius um den Flugplatz seien über 2.000 Wohnungen von deutschen Vermietern für US-Militärangehörige am Markt. Und Dutzende kleinere und mittelständische Firmen setzten Aufträge von insgesamt etlichen Millionen Euro um.

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