Forschung RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunft im Weinbau: Was das weltweit renommierte Wein-Institut Geilweilerhof leistet

Leitet das Wein-Institut auf dem Geilweilerhof: Reinhard Töpfer.
Leitet das Wein-Institut auf dem Geilweilerhof: Reinhard Töpfer.

Das imposante Sandsteingebäude mit seinem markanten Turm ist schon von weitem zu sehen und ragt herrschaftlich empor. Der Geilweilerhof in Siebeldingen ist aber nicht etwa nur der Optik wegen einen Besuch wert.

Die Arbeit des Instituts für Rebenzüchtung sowie des Weinbaubereichs des Instituts für Pflanzenschutz in Obst und Weinbau findet weltweit Beachtung. Der ehemalige Institutsleiter Reinhard Töpfer, der inzwischen in Rente ist, erklärt, warum.

Was ist das Besondere des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Siebeldingen?
Die JKI-Rebenzüchtung steht für nachhaltige Bewirtschaftung von Weinbergen mit robusten und klimaangepassten Sorten. Unser Ziel ist es, zum Erhalt der Weinbaukulturlandschaft beizutragen. Die neuen Rebsorten zeichnen sich durch gute Resistenzen gegen Schaderreger, Schädlinge, aber auch abiotische Faktoren wie Hitze aus, bei gleichbleibend hoher Produktqualität. Rotwein-Sorten wie der „Regent“ haben ihren Platz am Markt. Mit „Calardis Blanc“, nach der altfränkischen Bezeichnung für den Geilweilerhof „Calardiswilre“, steht eine neue Weißwein-Sorte mit multiplen Resistenzen gegenüber Echtem Mehltau, Falschem Mehltau sowie Schwarzfäule bereit. Ebenfalls zeichnet sie hohe Botrytis- und Sonnenbrandfestigkeit bei gleichzeitig späterer Reife im Anbau aus. Ihre Weinqualität ist durch fruchtig-dezente Aromen von Maracuja, Blutorange und geschnittenem Apfel mit angenehm spritziger Säure geprägt.

Markantes Gebäude: Geilweilerhof.
Markantes Gebäude: Geilweilerhof.

Das Zuchtprogramm der JKI-Rebenzüchtung gehört zu den erfolgreichsten der Welt und wird durch unsere interdisziplinäre Züchtungsforschung unterstützt. Diese klärt die Gen-Merkmalsbeziehung für züchtungsrelevante Eigenschaften und Markerentwicklung auf. Dabei werden molekulargenetische Verfahren wie Genomanalyse, Genomsequenzierung und Bioinformatik eingesetzt und modernste bildgebende und nicht bildgebende sowie KI-gestützte Phänotypisierungstechniken entwickelt und angewendet, welche auch die Analyse von Inhaltsstoffen zur Beurteilung der Weinqualität einschließen. Die resultierenden Daten dienen der Entwicklung von Prognosemodellen der wichtigsten Reben-Eigenschaften. Daraus ergeben sich Marker (genetische Fingerabdrücke) zur Frühdiagnose von Zuchtmaterial und Effizienzsteigerung der Züchtung.

Als Quelle für wertgebende Eigenschaften unterhält das JKI am Geilweilerhof eine der weltweit größten Rebsortensammlungen (Genbank). Sie repräsentiert genetische Vielfalt, die gleichermaßen genutzt, bewahrt aber auch kulturhistorisch untersucht wird. Unsere Erkenntnisse fließen mit denen anderer Forschergruppen in die Datenbanken unseres Fachinformationszentrums für Rebe und Wein ein.

Wie sehen Sie die Aufgaben des JKI-Siebeldingen in den nächsten Jahren?
Das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof wird in den nächsten Jahren konsequent die Züchtung qualitativ hochwertiger, klimaangepasster und robuster Rebsorten (PIWIs) für einen nachhaltigen Weinbau vorantreiben. Dies erfolgt auf Basis der genetischen Ressourcen am Standort Geilweilerhof. Wir nutzten dazu die Züchtungsforschung mit den beiden Schwerpunkten Genomanalyse und Phänotypisierung/Digitalisierung, das heißt, wir entwickeln Verfahren zur Vorhersage von Eigenschaften der Rebe und wenden diese an. Ein gutes Beispiel dafür ist die Vorhersage von Resistenz gegen Echten und Falschen Mehltau. Diese Eigenschaften sagen wir bereits am kleinen Sämling mit zwei bis vier Blättern voraus und verwerfen anfällige Pflanzen bereits bevor die Krankheit zum Ausbruch kommt. Damit wird der Zuchtprozess erheblich beschleunigt und die Züchtungseffizienz gesteigert.

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Geilweilerhof?
Nein, da hier sehr viele schöne Plätze zu finden sind. Der Geilweilerhof ist ein Kleinod der Südpfalz.

Ist der Rebenlehrpfad einen Besuch wert?
Unbedingt! Mehr fundierte Information über Reben und Rebsorten auf engem Raum findet man kaum. Zudem durchzieht er die Liegenschaft mit interessanten Ausblicken in die Landschaft.

Hintergründe

Der Rebenlehrpfad: Der Rebenlehrpfad am Geilweilerhof informiert über die Aufgabengebiete des Instituts. Entlang der Zuchtquartiere und Sortimente führt der Lehrpfad an nationalen und internationalen Rebsorten vorbei. Außerdem kann man vor Ort alte Landsorten entdecken, die sonst kaum noch zu finden sind. Die Schautafeln vermitteln an mehreren Stationen einen Einblick in die Züchtungs- und Forschungstätigkeit und illustrieren weitere Themen rund um die Rebenforschung. Unter anderem: Ziele der Rebenzüchtung, Stufen der Rebenzüchtung, Hauptkrankheiten im Weinbau, Reblaus der Großschädling, Herkunft und Verbreitung der Reben sowie Wildreben. Am Haupteingang des Instituts sind Broschüren erhältlich, die den Rundweg aufzeigen. Man kann den Rundweg selbstständig entdecken. Von Juni bis Oktober werden Führungen angeboten.

Ebenfalls einen Ausflug wert: Weinlehrpfad.
Ebenfalls einen Ausflug wert: Weinlehrpfad.

Die Historie des Geilweilerhofs: Das Hofgut Geilweilerhof war früher im Besitz des Zisterzienserklosters Eußerthal. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Gut 1184. Das Hofgut wechselte häufig seinen Besitzer, bis es 1895 von August Ludowici, einem Ziegelfabrikanten, gekauft und als Musterbetrieb ausgebaut wurde. Hierbei entstand auch der markante Turm, der schon von Weitem zu sehen ist. 1925 vermachte Ludowici den Geilweilerhof der Kreisregierung der Pfalz mit der Auflage, dort eine Rebenzuchtstation einzurichten. Benannt wurde das Bundesforschungsinstitut nach Professor Julius Kühn, dem Begründer und Gestalter des Universitätsstudiums der Agrarwissenschaften in Deutschland. Julius Kühn wurde 1862 zum ersten ordentlichen Professor für Landwirtschaft an der Universität Halle ernannt. 1863 erhielt er die ministerielle Genehmigung zur Errichtung eines selbstständigen Instituts.

Das Julius-Kühn-Institut (JKI): Das JKI ist das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Deutschland. Es gehört als selbständige Bundesoberbehörde zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. An 18 Fachinstituten und zehn Standorten sichern rund 1300 Mitarbeiter Lebensgrundlagen für morgen. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Kulturpflanze, sowohl in landwirtschaftlichen, als auch in gartenbaulichen und forstlichen Anbausystemen. Mit der Forschung trägt das JKI dazu bei, Widerstands- und Leistungsfähigkeit pflanzenbaulicher Produktion zu verbessern und negative Auswirkungen des Pflanzenbaus auf Biodiversität und Umwelt zu minimieren.

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