Restaurant Wurzelwerk
Junge Gastgeber mit Faible fürs Besondere:Warum Großbundenbach im Guide Michelin steht
Auf der Fahrt nach Großbundenbach lässt es sich bereits gut entschleunigen, um es einmal mit einem Modebegriff auszudrücken. Was nicht nur an der Geschwindigkeit auf der Landstraße, sondern auch an der Lage liegt. Das Dorf mit weniger als 400 Einwohnern liegt im Landkreis Südwestpfalz zwischen Zweibrücken und Landstuhl. Die Gemeinde betont im Internet ihre Lage auf der Sickingerhöhe und weist aufs Walnussfest im September hin, das zum Werbeträger geworden ist. Auch die Adresse eines ehemaligen landwirtschaftlichen und später als Bäckerei genutzten Gebäudes in Großbundenbach, 1875 gebaut, kennen inzwischen nicht nur Einheimische – hat sie doch 2023 erstmals Eingang in den Guide Michelin gefunden.
Am familieneigenen Gästehaus Alte Bäckerei vorbei geht es übers Kopfsteinpflaster in den Hof – und dann direkt hinein in ein Restaurant mit feinem und durchaus überraschendem Angebot. Benjamin Bendzko und Cleo Thalheim (Restaurantleitung) haben ihr Restaurant Wurzelwerk am 1. April 2022 in der Bergstraße 7 eröffnet. Die jungen Gastgeber bereichern also erst seit etwas mehr als zwei Jahren die Gastro-Szene der Westpfalz. Ein Blick in die Karte zeigt, dass Benjamin Bendzko die französische Küche mag, aber vor allem Wert auf sein Handwerk und auf ausgewählte Produkte aus der Region legt. Dabei versieht er auch (fast) Alltägliches wie Obst oder eine Hähnchenkeule gern mit kulinarischen „i“-Tüpfelchen.
Die Preise für die Vorspeisen bewegen sich auf der auch im Internet nachlesbaren Karte meist über zehn Euro, wobei die Paprika-Orangencremesuppe mit Basilikum-Frischkäse-Haube und geräucherten Paprikastreuseln auf 8,90 Euro kommt. Dann geht es auch beim Produkteinsatz in gehobenere Regionen bis hin zum „Dreierlei von der Wachtel mit schwarzer Johannisbeersoße, gepickeltem Mini-Mangold und Spitzmorcheln“ (18,90 Euro).
Wer Koriander mit seinem ganz eigenen Geschmack mag, bekommt mit dem Rinderrücken-Koriander-Schaschlik mit Whiskey-Jus, Karottengemüse und Kartoffelkrapfen ein Gericht, das geschmacklich trotz aller Begleitaromen immer noch dem sehr guten Fleisch die Hauptrolle überlässt (29,90 Euro). Geschmacklich überzeugte auch die mit Frischkäse gefüllte Hähnchenkeule auf Krustentierschaum mit Leipziger Allerlei und neuen Kartoffeln (27,90 Euro). Auch etwas Fisch sowie zwei vegetarische Hauptgerichte finden sich auf der Karte.
Die Desserts bestätigen optisch und geschmacklich die Liebe zum Detail der Großbundenbacher Küche, deren Team auf der Internetseite des Hauses auch im Bild kurz vorgestellt wird. Aktuell auf der Karte steht etwa eine Kirsch-Charlotte mit Sekt-Holunderblütensüppchen (13,90 Euro), aber auch Käse: Karamellisierte Büffel-Burrata mit buntem Tomaten-Brot-Salat und weißem Tomaten-Sorbet (14,90 Euro).
Der Guide Michelin lobt Bendzkos „frische Marktküche“ und die „angenehm unkomplizierten Gerichte“ und vergibt einen Bib Gourmand („bestes Preis-Leistungsverhältnis“). Ob jedermann, der etwa typisch gutbürgerliche Portionen gewohnt ist, das Preis-Leistungsverhältnis bei allen Gerichten nachvollziehen kann, kann an dieser Stelle selbstredend nicht beurteilt werden. Das Kompliment „angenehm unkompliziert“ darf, den Besuchsabend als Maßstab genommen, aber getrost auch an den Service weitergegeben werden.
Restaurant Wurzelwerk, Bergstraße 7 (Parkplatz im Hof; Terrasse), Großbundenbach, Öffnungszeiten: Do-Mo 18-22 Uhr; Kontakt/Reservierung (auch online möglich): Telefon 0171 7872522, Info mit Link zum Restaurant im Internet unter www.gaestehaus-alte-baeckerei.de