Am 6., 11. und 12. November RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Singer-Songwriterin Madeline Juno auch in Mannheim

„Error“: Madeline Juno landete mit dem Titelsong der Kinokomödie „Fack ju Göhte“ (2013) einen Hit.
»Error«: Madeline Juno landete mit dem Titelsong der Kinokomödie »Fack ju Göhte« (2013) einen Hit.

Sie habe alles erreicht, wenn sie auch nur einem Menschen Trost sein könne, sagt Madeline Juno. Über ihre Gefühle spricht die Singer-Songwriterin so offen wie über ihre Musik.

Madeline Juno hat im Sommer ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht („Anomalie, Pt. 1“). Die 30-Jährige zog bereits als Teenager die Aufmerksamkeit von Produzenten auf sich, als sie im Internet englischsprachige Songs hochlud.

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Seit 2016 singt sie auf Deutsch („Waldbrand“). Viele Fans lieben sie auch für ihre Offenheit, mit der sie etwa über Depressionen spricht.

Madeline, du bist jetzt wieder auf Tour. Sehnst du dich danach, auf der Bühne zu stehen?

Ich freue mich riesig, dass es endlich wieder auf Tour geht. Live auf der Bühne zu stehen, ist für mich mit die schönste Seite am Musikerdasein.

Wie lange hat eine solche Tour Vorlauf? Wann hast du mit der Planung, mit der Zusammenstellung der Band und wann mit den Proben begonnen?

Die Planung startet bereits mit der Festlegung des Routings, was zwölf bis 18 Monate im Voraus geschieht. Dann werden sowohl Band als auch Crew mit ins Boot geholt. Die Proben und die Planung, was auf der Bühne passiert, geschieht meist drei bis sechs Monate vor dem Tourstart.

Wie würdest du das Konzept der aktuellen Tour beschreiben?

Ich würde sagen „alles funkelt“. Sterne, Mond, Nachthimmel ist ein wiederkehrendes Thema auch in meinen Songs, und das versuchen wir dieses Mal visuell auf die Bühne zu bringen.

Hast du Lampenfieber?

Generell würde ich sagen, dass sich Lampenfieber bei mir in Grenzen hält. Allerdings kurz vor der Show, packt es mich dann auch. Aber mit kleinen Ritualen kann ich es schon sehr gut senken.

Worauf legst du in der Garderobe oder beim Catering während einer Tournee besonderen Wert?

Ich bin ja eine Frostbeule, daher: Warm muss es sein. Tee, gemütliches Licht, und natürlich versucht man auch, sich vorwiegend gesund zu ernähren. Wir spielen in vier Wochen 21 Shows dieses Jahr – da ist die oberste Devise: bloß nicht krank werden.

Wenn du dein heutiges Ich mit der 16-jährigen Madeline vergleichst, die gerade ihre ersten Songs schrieb – was hat sich verändert, und was ist gleich geblieben?

Wenn ich mein heutiges Ich mit der 16-jährigen Madeline vergleiche, dann hat sich natürlich wahnsinnig viel verändert – und gleichzeitig auch erstaunlich wenig. Mit 16 war ich dieses superemotionale Mädchen, das alles, was es fühlte, sofort in einen Song gepackt hat – meistens nachts.

Starker Umgang mit Gefühlen und Problemen: Madeline Juno.
Starker Umgang mit Gefühlen und Problemen: Madeline Juno.

Dieses Bedürfnis, ehrlich zu schreiben und Dinge nicht zu beschönigen, ist bis heute geblieben. Das ist mein innerer Kompass. Was sich aber verändert hat, ist die Ruhe und das Vertrauen in mich selbst. Ich bin reflektierter geworden, habe gelernt, Grenzen zu ziehen, und sehe Musik inzwischen auch als Handwerk, nicht nur als Ventil.

Welche Bedeutung hat dein Künstlername „Madeline Juno“ für dich?

Der Name „Madeline Juno“ begleitet mich schon mein halbes Leben, natürlich ist er damit sehr eng mit mir verbunden. Zumal Madeline ja auch mein echter Name und das „Juno“ damals hinzugekommen ist. Ich würde aber sagen, dass ich es mittlerweile immer besser schaffe, die beiden Personen – die private und die öffentliche Madeline – voneinander zu trennen, auch wenn das natürlich nicht immer leichtfällt.

Deine Texte sind oft sehr persönlich, manchmal melancholisch. Wie entsteht ein Madeline-Juno-Song? Beginnst du mit der Melodie oder dem Text?

Oft passiert alles gleichzeitig. Ich sammle meine Ideen, schreibe Tagebuch und Notizen, fahre damit ins Studio oder oft auch mit meinen Produzenten über einen Zeitraum – meist eine Woche – weg, um aus Berlin rauszukommen und frischen Wind zu spüren. Und da schreiben wir dann geballt eine Menge Songs. Meist kommt die Melodie zuerst, und dann fülle ich alles mit Text anhand der Ideen, die ich gesammelt habe.

Wie hat sich dein Songwriting, wie haben sich deine Themen im Laufe der Jahre verändert?

Früher, als ich angefangen habe, waren meine Songs ganz stark von diesem jugendlichen „Alles-ist-das-erste-Mal“-Gefühl geprägt: der erste Herzschmerz, das erste Mal wirklich wütend oder verloren sein. Mit der Zeit ist mein Songwriting bewusster geworden. Heute geht es nicht mehr nur um Beziehungen im klassischen Sinne, sondern viel mehr um Selbstbild, mentale Gesundheit, Identität, Erwachsenwerden – und diesen ganzen Prozess, sich selbst immer wieder neu kennenzulernen.

Wenn du an einem neuen Song arbeitest – wann weißt du, dass er fertig ist?

Wenn die Deadline da ist. Im Ernst, ich könnte ewig an einem Song feilen, da ich sehr selbstkritisch bin, das Beste aus mir herausholen möchte und mich ständig selbst hinterfrage.

Du arbeitest häufig mit Co-Writern und Produzenten zusammen. Wie wichtig ist dir die künstlerische Kontrolle über deine Musik?

Für meine Songs arbeite ich seit Jahren fast ausschließlich mit dem gleichen Team an Leuten, die auch zu meinen besten Freunden gehören. Das hat weniger mit Kontrolle zu tun, als viel mehr mit dem nötigen Vertrauen. Denn wenn man das Innerste und Persönlichste darlegt, ist das immer wieder eine große Herausforderung und Überwindung, dies mit neuen Co-Writern zu teilen.

Du hast mit englischen Texten angefangen und singst jetzt Deutsch. War das eine bewusste Entscheidung oder ein natürlicher Prozess?

Ich war damals ja Anfang 20 und hatte gar nicht so viel deutsche Musik gehört in meiner prägendsten Zeit. Und dann war ich irgendwann an einem Punkt, wo ich gedacht habe, du sagst immer, du kannst und du magst das nicht, aber du hast es noch nie probiert. Ich habe dann einfach gedacht, jetzt fange ich mal an und schreibe mal was auf Deutsch. Und das wurde dann eine EP, die hieß „Waldbrand“.

Sind deutsche Texte nicht eine ganz besondere Herausforderung, da sie hierzulande jeder Hörer sofort versteht? Bei einem englischen Text kann man locker über die Aussage hinweghören und noch den größten Quatsch gut finden, weil die Melodie gefällig ist.

Ich habe versucht, Musik auf Deutsch zu machen, die mir selbst gefallen würde. Das hat mir großen Spaß gemacht, weil es auch nochmal eine ganz andere Präzision ermöglicht. Du kannst genau auf das zeigen, was du sagen möchtest. Du kannst auch so tief schneiden.

Spaß auf der Bühne: M. Juno tritt gerne auf.
Spaß auf der Bühne: M. Juno tritt gerne auf.

Das mochte ich so gerne und dann bin ich dabeigeblieben. Aber ja, natürlich sind die Texte für den Zuhörer in der Muttersprache viel verständlicher und direkter als auf Englisch, das eher mal etwas verzeiht.

Was denkst du über den Zustand der deutschen Pop-Landschaft? Wird genug Wert auf gute Texte gelegt oder hat Beliebigkeit Einzug gehalten?

Ich finde, es gibt ganz tolle Künstler und Künstlerinnen in der deutschen Musiklandschaft. So zum Beispiel Paula Engels oder auch JAS, der mich auf der Tour bei ein paar Terminen supportet. Deutsche Pop-Landschaft ist ein äußerst dehnbarer Begriff – darunter fällt so viel Musik mit den verschiedensten Einflüssen – von Elektro, Dance, Hip-Hop bis hin zu Gitarrenlastigem. Es muss sich nicht jeder zum Ziel setzen, großen Fokus auf Texte zu legen.

Gibt es Songs, die dir live schwerfallen, weil sie zu persönlich sind?

Ja, da gibt es ein paar Songs, die aus der Perspektive des Verlustes eines lieben Menschen entstanden sind. Das fällt mir dann schon schwer, sie live zu singen.

Du hast einmal gesagt, du möchtest Menschen mit deiner Musik „abholen“. Wie erkennst du, dass dir das gelingt?

An den Nachrichten, Kommentaren auf Social Media oder auch Briefen, die mich erreichen. Für mich ist alles erreicht, wenn ich auch nur einem Menschen mit meiner Musik Trost oder Stütze sein kann. Das freut mich immens, denn die Songs entstehen ja zunächst aus dem Bedürfnis dieses für mich zu sein.

Wie wichtig ist es dir dann dabei, dass deine Musik auch eine gesellschaftliche oder feministische Botschaft trägt?

Bei meinen Songs spielt das Thema Mental Health (mentale Gesundheit, Anm. d. Red.) eine große Rolle, da ich selbst damit zu kämpfen hatte und habe. Auch wenn wir gesellschaftlich immer besser werden, darüber zu sprechen, ist es oftmals immer noch ein Tabu.

Welches Album oder welcher Song markierte für dich den größten künstlerischen Wendepunkt?

Ich würde sagen „Waldbrand“, der Titelsong meiner ersten deutschsprachigen EP. Auf den ersten Alben gab es auch viele Songs, die von Mental-Health-Themen gehandelt haben. Aber die englische Sprache sorgt vielleicht dafür, dass man auch nicht immer genau hinhört. Es war immer schon da, ich war immer schon sehr offen. Im Zuge des Erwachsenwerdens und Songschreibens habe ich mich immer weiter geöffnet. „Waldbrand“ hat eine Tür aufgemacht. Da habe ich mich zum ersten Mal getraut zu sagen, ich würde mich am liebsten gerade in Luft auflösen und neu beginnen.

Wie gehst du mit dem Älterwerden in einer Branche um, die stark auf Jugend und Image schaut?

Es ist komisch, ich glaube, dass dies überwiegend zum Thema bei Künstlerinnen gemacht wird. Jedenfalls sah ich mich vor etwa zwei Jahren schon, mit gerade mal 28, vor diese Frage gestellt. „Wie stellst du dir die Zukunft vor, Karriere oder Kinder – oder beides?“ Ich habe das Ganze in einem Song verpackt, der „Mediocre“ heißt.

Wenn du dir wünschen könntest, was Menschen in zehn Jahren über dich sagen sollen – was wäre das?

Es geht mir nicht darum, dass jeder meinen Namen kennt oder dass ich supererfolgreich im klassischen Sinne bin. Ich würde mir wünschen, dass die Songs bleiben, dass sie Menschen in schwierigen Momenten ein Gefühl geben, Trost spenden oder einfach ein Stück Hoffnung. Und dass man sagt: „Da ist jemand, der Gefühle ernst genommen hat, ohne sie zu beschönigen.“ Ich möchte, dass man meine Musik als ehrlich, verletzlich, aber auch stark empfindet und dass sie vielleicht ein bisschen das Gefühl gibt: Du bist nicht allein.

Gib unseren Lesern drei Gründe, ins Konzert zu kommen!

Echte Emotionen fühlen, Gemeinschaft spüren – ich habe einfach das beste Publikum – und Spaß haben.

Madeline Juno: »Anomalie Pt. 1« – Do 6.11., Stuttgart, Im Wizemann;
Di 11.11., Frankfurt/Main, Zoom; Mi 12.11., Mannheim, Alte Feuerwache; Mo 2.3.26, Saarbrücken, Garage; Beginn jeweils um 20 Uhr; Tickets jeweils: eventim.de (für Mannheim auch rheinpfalz.de/ticket, reservix.de)

Kein Titel (3000 x 2000 px)

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