Heidelberg
Auf Philosophen-Pfaden zum Plateau: Winterwanderung zum Heiligenberg
Ausgangspunkt der Wanderung hinauf auf den schroffsten Berg des Odenwaldes ist das Brückentor mit seinen beiden barockisierten, schon aus dem Mittelalter stammenden Türmen. Vorher lohnt sich noch ein kurzer Abstecher linker Hand zu dem von dem pfälzischen Bildhauer Gernot Rumpf erschaffenen Brückenaffen. Der Bronzepavian geht auf ein historisches Vorbild im Mittelalter zurück, dessen blankes Hinterteil auf das nördliche Neckarufer, damals kurmainzer Gebiet, wies. Der Kopf des Tieres ist hohl. Zum Entzücken vieler Touristen kann man den eigenen hineinstecken und sich so fotografieren lassen.
Goethe bekennt sich als Fan der „Alten Brücke“
„Die Brücke zeigt sich von hier aus in einer Schönheit, wie vielleicht keine Brücke der Welt“, schwärmte Goethe 1797 über die Karl-Theodor-Brücke, besser bekannt als Alte Brücke, die früher genau in der Mitte der Stadt lag und eine bewegte Geschichte aufweist. Dem Besucher präsentiert sich bereits die neunte Version. Im 18. Jahrhundert war sie nach dem Mannheimer Schloss das zweitteuerste Bauwerk der Kurpfalz. Auf dem Rückzug der deutschen Wehrmacht wurde sie am 29. März 1945 gesprengt – ausgerechnet von einem Mannheimer Unteroffizier. Die Einwohner der beiden Städte am grünen Neckar waren sich nicht eben grün.
Zum Erstaunen der amerikanischen Besatzer votierten die Heidelberger nach dem Krieg in einer Volksabstimmung zuerst für den Wiederaufbau ihrer Alten Brücke. Auf ihr begegnen einem die Statuen der flussabwärts schauenden Göttin Minerva/Pallas Athene (Patronin der Heidelberger Universität) und von Kurfürst Karl Theodor, der natürlich in Richtung Schloss schaut. Eine dritte Statue am nördlichen Brückenkopf stellt den böhmischen Heiligen Johannes von Nepomuk dar.
Abstecher zum „Liebesstein“
An der Nordseite der Brücke lohnt ein Abstecher nach rechts zum „Liebesstein“ hin. Der rote Sandstein stammt aus dem viel besungenen „Kühlen Grund“ im Stadtteil Rohrbach. An ihm sollen sich damals immer der Dichter Joseph von Eichendorff und sein Heidelberger Käthchen getroffen haben. Die Stadt hat ihn 2013 aufgestellt, um die Alte Brücke vom Gewicht der zahlreichen Schlösser von Verliebten zu entlasten. Mit 185 Stufen und 500 Metern ist der Schlangenweg der anstrengendste Teil der sportlichen Wanderung. Zwei Aussichtsplattformen bieten unterwegs Gelegenheit zum Verschnaufen und wunderschöne Panoramen.
Vom Wingertpfad zum Philosophenweg
Oben auf dem brettebenen Philosophenweg angekommen, geht es rechts ab ein paar hundert Meter zur Hölderlin-Anlage mit Gedenkstein. Wir aber folgen dem weltberühmten Weg nach links, der früher ein reiner Wingertsweg war und seinen heutigen Namen damaligen Studenten mit dem Pflichtfach Philosophie verdankt. „Ernst Bloch und Carl Zuckmayer examinierten einander um 1920 … auf dem Philosophenweg über die Verwandtschaftsverhältnisse der weniger bekannten Karl-May-Figuren, etwa: Wie heißt die Cousine des Schut?“, schreibt der Heidelberger Autor Michael Buselmeier in seinen „Literarischen Führungen durch Heidelberg“.
Palmen, Mispeln und Bienenbäume
Am Liselotte-Stein von 1908 gedenken wir der großen Pfälzerin, die im fernen Frankreich ohnmächtig miterleben musste, wie ihre Heimat im 18. Jahrhundert gebrandschatzt wurde. Ein paar Meter weiter verbreitet die sommers bunt blühende Eichendorff-Anlage auch in der kalten Jahreszeit mit ausgepflanzten Palmen, Mispeln und Gewürzlorbeer mediterranes Flair am Westabfall des Odenwaldes. An Bienenbäumen und am Kiosk vorbei geht es gut 100 Meter bergan zu einer Treppe, die weiter oben von immergrünen Steineichen aus dem Mittelmeerraum gesäumt wird.
Mysterien und Bismarckturm
15 Meter hoch ist der Bismarck-Turm, der 1902 im Zuge der deutschlandweiten Verehrung des eisernen Kanzlers errichtet wurde und weite Ausblicke auf Stadt und Land erlaubt. Durch einen Laubmischwald geht es weiter bergauf Richtung Heiligenberg. Oben auf dem Plateau kommt zuerst das von Mysterien umwehte 55 Meter tiefe Heidenloch, dem um 1840 auch schon Victor Hugo einen Besuch abstattete.
Blauflügelige Ödlandschrecke an Thingstätte
Vom benachbarten St. Stephanskloster ist nur wenig erhalten. Seine Steine wurden für den Bau des benachbarten Aussichtsturmes mitverwendet. Über den großen Parkplatz geht es zur Thingstätte, einem Relikt aus unseliger NS-Zeit. Dass sie heute Lebensraum der Blauflügeligen Ödlandschrecke ist, die im Sommer beim Ersteigen der Treppen schnarrend davonfliegt, dürfte noch die beste Verwendungsmöglichkeit sein.
Klosterruine auf dem Gipfel
Auf dem Gipfel des Heiligenberges befindet sich das St. Michaelskloster, in dessen Ruinen auch ein römischer Merkurtempel eingebettet ist. Oregano und Zwergglockenblumen sind dort anzutreffende Pflanzen, die hier von Natur aus nicht vorkommen würden, aus dem Klostergarten der Mönche stammend jedoch bis heute überdauert haben. Anschließend lohnt vor Ort eine Rast in der „Waldschenke“, die Wild-, Fisch-, Fleisch- und vegetarische Gerichte offeriert. Es geht den gleichen Weg zurück, am Kiosk jedoch in Richtung Neuenheim. Persönlicher Tipp für Süßmäuler ist das „Chocami“ in der Ladenburger Straße 9.
Sonderführungen im Heidelberger Schloss
Wer auf den Schlossbesuch bei einer Tour nach Heidelberg nicht verzichten möchte, kann bei Sonderführungen tief in die Historie eintauchen. Anmeldungen notwendig: E-Mail
service@schloss-heidelberg.com,
Telefon 06221 658880
Von Rittern, Zwergen und schönen Prinzessinnen: Do 5.1., 14.30 Uhr;
Spielend unterwegs im Schloss mit Kindern ab 5 Jahren.
Was machten die Kurfürsten und ihre Ritter den ganzen Tag in dem großen Schloss? Diese Führung mit Spielen wie im Mittelalter beleuchtet prunkvolle und unscheinbare Seiten des Heidelberger Schlosses.
Zwei Putzfrauen fegen durch das Schloss: Fr 6.1., 16.15 Uhr; Comedyführung in Mundart.
Eigentlich sollen Theres und ihre Kollegin Frau Schäufele im Schloss „Großreinemachen“. Aber der Gelegenheit zu einem Schwätzchen können sie nicht widerstehen ... Informationen auf die unterhaltsame Art.
Das Leben bei Hofe: Sa 7.1., 14.30 Uhr; Kostümführung für die Familie (geeignet für Kinder ab 8 Jahren).
Wie mag er wohl ausgesehen haben, der Alltag der Bewohner des Heidelberger Schlosses vor Jahrhunderten? Bei diesem Rundgang geht es mit einer Magd, einer Bürgersfrau oder auch einer Hofdame durchs Schloss.
Mit dem Kurfürstlichen Nachtwächter durch das Schloss: So 8.1., 16.15 Uhr; nächtliche Runde.
Die Gäste werden in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges geführt. Eine Belagerung steht bevor. Da müssen alle mit anpacken ... Der Schlossrundgang wird ergänzt, etwa durch den Blick vom Dicken Turm auf die Stadt.
Schloss in Flammen – Von Blitzschlag und Feuersbrünsten: So 15.1., 14.30 Uhr.
Passend zum Themenjahr „Feuer und Wasser“ folgt dieser Rundgang den Spuren, die Brände in Kriegszeiten und ein Blitzschlag im Jahr 1764 hinterlassen haben. Die Gäste erfahren, wo heute noch Rußspuren an den Mauern sichtbar sind und wie man früher Brände bekämpfte.
