Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Vorsicht Falle: Wie der Enkeltrick bei Whatsapp funktioniert

Da ist Misstrauen angebracht: Wenn angebliche Angehörige sich im Textnachrichtendienst Whatsapp mit bislang unbekannter Nummer m
Da ist Misstrauen angebracht: Wenn angebliche Angehörige sich im Textnachrichtendienst Whatsapp mit bislang unbekannter Nummer melden, könnten Betrüger dahinterstecken.

Enkeltrick-Betrüger benutzen eine neue Methode, um ihre Opfer zu übertölpeln: Sie schreiben Menschen jetzt bei Whatsapp an. Wie die Kriminellen dabei vorgehen, wie oft Pfälzer schon auf sie hereingefallen sind und wie man sich vor der Masche schützen kann: Ermittler klären auf.

Wie funktioniert der Enkeltrick per Whatsapp?
Wie beim klassischen Enkeltrick geben sich die Betrüger als nahe Angehörige ihres potenziellen Opfers aus. Aber sie rufen dafür nicht an, sondern schicken eine Whatsapp-Nachricht. In der behauptet der angebliche Verwandte zunächst, dass sein Handy kaputt sei und er sich deshalb mit einer neuen Nummer melde. Diese Geschichte liefert dann auch gleich den Vorwand für das, was im zweiten Schritt kommt: Er habe wegen des Gerätewechsels derzeit keinen Zugang zum Online-Banking, müsse aber dringend eine Rechnung bezahlen. Da solle die angeschriebene Person bitte einspringen und das Geld überweisen.

Treten die Betrüger immer als Kinder oder Enkel ihrer Opfer auf?
Bisweilen geben sie sich laut Polizei auch als Anwälte oder Finanzberater aus. Doch am gängigsten ist die Tarnung als naher Verwandter.

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Wie oft werden Pfälzer mit der Masche angegangen und wie oft fallen sie auf die Nummer herein?
Den Betrugsermittlern im für die Vorder- und Südpfalz zuständigen Polizeipräsidium in Ludwigshafen wird die Whatsapp-Variante des Enkeltricks schon seit etwa einem Jahr gemeldet, sie berichten: 2021 zählten sie ungefähr 40 derartige Fälle, wobei die Täter ungefähr zehnmal tatsächlich Beute gemacht haben. Bei den Beamten in der Westpfalz laufen Anzeigen wegen des neuen Kniffs erst seit wenigen Wochen und mit steigender Tendenz ein. Im Raum Kaiserslautern etwa sind Menschen fünfmal auf die Masche hereingefallen, sie haben dabei jeweils Geldsummen im vierstelligen Bereich verloren.

Dazu dürften weitere Fälle kommen, in denen sich die Betroffenen nicht bei der Polizei gemeldet haben – weil sie die böse Absicht gleich durchschaut und die Nachrichten dann nicht weiter beachtet haben. Oder weil sie tatsächlich auf den Betrug hereingefallen sind und sich jetzt so sehr schämen, dass sie auf eine Anzeige verzichten.

Welche Vorteile hat die Whatsapp-Variante für die Täter?
Die Polizei sagt: Sie hat den Eindruck, dass ihre vielen Warnungen gefruchtet haben und Senioren bei klassischen Trickbetrüger-Anrufen mittlerweile schnell Verdacht schöpfen. Indem sie auf Whatsapp ausweichen, umgehen die Kriminellen also das Misstrauen ihrer potenziellen Opfer. Außerdem liefert ihnen die Geschichte vom kaputten Handy einen plausiblen Vorwand für ihre Bitten um Geld. Und sie vermeiden, dass sie schon aufgrund des Klangs ihrer Stimme als Betrüger erkannt werden. Indem sie ihre Beute dabei offenbar ausschließlich per Überweisung einstreichen wollen, entfällt obendrein die Festnahme-Gefahr für den Abholer bei einer Geldübergabe.

Wählen die Trickbetrüger ihre Opfer gezielt aus?
Für herkömmliche Betrugsanrufe durchforsten die Täter Telefonverzeichnisse und suchen dort nach Menschen mit altmodisch klingenden Vornamen, denn abgesehen haben sie es vor allem auf Senioren. Ob die Täter bei der Whatsapp-Variante ebenfalls so zielgerichtet vorgehen, lassen die Pfälzer Ermittler offen. Sie sagen: Denkbar wäre auch, dass die Kriminellen Ziffernfolgen von einem Computerprogramm wahllos zu möglichen Handynummern zusammensetzen lassen und sie dann auf gut Glück anschreiben.

Allerdings ist Beamten im Ludwigshafener Polizeipräsidium aufgefallen, dass sich wegen der neuen Masche bei ihnen bislang keine ganz jungen Leute gemeldet haben. Daher halten sie es für denkbar, dass die Betrüger von Hackern erbeutete Informationen über ältere Handy-Besitzer nutzen.

Wie kann man sich vor den Kriminellen schützen?
Die Ermittler raten: Wenn sich angebliche Verwandte mit einer neuen Nummer melden und nach Geld fragen, ist Misstrauen angebracht. Für eine erste Kontrolle kann man den Bittsteller unter seiner bisherigen Nummer anrufen und so überprüfen, ob sein Handy wirklich nicht mehr funktioniert. Wer unsicher ist, kann sich ruhig bei der Polizei melden und um Hilfe bitten. Die Beamten ihrerseits haben eine wichtige Bitte an jüngere Leute: Die sollen ihre Eltern und Großeltern über den neuen Trick aufklären.

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