Panorama Zur Sache: Das Netz der ’Ndrangheta

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„Die einzigen, die in Europa wirklich vereinigt sind, das sind die Mafiasyndikate.“ Das sagt der italienische Staatsanwalt Nicola Gratteri. Die ’Ndrangheta operiere nicht mehr nur in Italien. Sie sei in Europa tief verwurzelt und habe in allen Staaten stabile Strukturen. Außerdem sei sie die einzige Mafiaorganisation, die auf allen Kontinenten präsent sei. Ihr weltweiter Umsatz liegt Schätzungen zufolge zwischen 50 und 100 Milliarden Euro; in etwa 160 Clans sollen rund 6000 Mitglieder aktiv sein. Ihre Ursprünge hat die ’Ndrangheta Mitte des 19. Jahrhunderts in der süditalienischen Region Kalabrien. Sie dominiert vor allem den internationalen Drogenhandel, wobei die Mafiosi den Stoff nicht selbst auf der Straße verkaufen. „Die ’Ndrangheta kauft das Kokain in Südamerika ein und verkauft es an die nigerianische oder die albanische Mafia. Auch der Müllsektor, die Landwirtschaft und zunehmend erneuerbare Energien sind für sie interessant“, sagt der Experte für organisierte Kriminalität Antonio Nicaso. Illegal verdientes Geld wird in vielen Bereichen investiert und damit quasi legalisiert, auch in Deutschland. „Dort wächst die Präsenz der Mafia seit Jahren, weil es kein Bewusstsein für ihre Gegenwart gibt“, kritisiert Staatsanwalt Gratteri. Die Mafiamorde von Duisburg, bei denen 2007 sechs Menschen vor einer Pizzeria erschossen wurden, hätten die deutschen Behörden kurz aufgerüttelt. Nicaso wiederum hält es für problematisch, dass sich Europa mit aller Kraft dem Kampf gegen den Terrorismus widmet, dagegen aber kaum Ressourcen für den Kampf gegen die Mafia bereit stelle. Anders als der internationale Terrorismus arbeite die Mafia im Verborgenen und könne nicht ohne ihre Beziehungen zu den Mächtigen existieren.

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