Europa Zeitumstellung: Nun lasst doch mal die Aufregung!

Am Sonntag endet die Sommerzeit. Um 3 Uhr werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt.
Am Sonntag endet die Sommerzeit. Um 3 Uhr werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt.

Am Sonntag endet die Sommerzeit, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte. Warum die Uhren in der EU auch künftig zweimal im Jahr umgestellt werden (müssen).

In seinem Sketch „Der menschliche Körper“ beschreibt Otto Waalkes humorvoll die interne Kommunikation der Organe eines Kneipenbesuchers und wie sich diese darauf vorbereiten, einen anderen Mann zu verprügeln („Großhirn an Faust: ballen!“). Letztlich wird die Attacke aber nach einer Intervention des Kleinhirns abgeblasen: „Kleinhirn an Großhirn: Jungs, nun lasst doch mal die Aufregung, ihr zieht doch sowieso den Kürzeren.“

Wer beim Thema Zeitumstellung den Kürzeren zieht, ist zwar noch immer nicht entschieden. Es spricht allerdings einiges dafür, dass es deren Gegner sein werden. Die wähnten sich zwar schon am Ziel, als der damalige Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, im August 2018 nach einer europaweiten Online-Befragung das Aus des Uhrendrehens verkündete: „Die Menschen wollen das. Wir machen das“, sagte der Luxemburger. Möglichst schon im darauffolgenden Frühjahr sollten die Uhren nicht mehr auf Sommerzeit vorgestellt werden. Doch daraus wurde nichts; auch ein zweiter Anlauf 2021 scheiterte. Und es sieht nicht danach aus, als könnten sich die EU-Staaten auf eine Neuregelung verständigen.

Populistischer Unfug der EU

Das hat viel damit zu tun, dass Junckers Ankündigung populistischer Unfug war. Die Ergebnisse der Umfrage klingen zwar nach wie vor beeindruckend: Von 4,6 Millionen Teilnehmern sprachen sich 84 Prozent für ein Ende der Zeitumstellung aus. Das waren aber weniger als ein Prozent aller Europäer. Ein Großteil der Stimmen kam zudem aus Deutschland und Österreich, wo der halbjährliche Wechsel offenbar zu besonders großen gesundheitlichen Beschwerden führt.

Andere EU-Länder haben damit scheinbar weniger oder gar keine Probleme – beziehungsweise sie hätten ganz andere. Käme etwa die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10 Uhr. Würde sich die EU tatsächlich auf die ewige Winterzeit verständigen, würde es in Polens Hauptstadt Warschau im Sommer schon um 3 Uhr hell. Mit anderen Worten: Soll durch Europa kein Zeitzonen-Riss gehen, ist eine einvernehmliche Lösung so gut wie ausgeschlossen. So endet auch diesen Sonntag wieder die Sommerzeit; um 3 Uhr werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt.

Wie machen das Schichtarbeiter und Fernreisende?

Womit wir zurück am Anfang und dem Otto-Waalkes-Sketch wären: Jungs (und Mädels), nun lasst doch mal die Aufregung! Jeder Schichtarbeiter und jede Fernreisende ist größeren Belastungen ausgesetzt als der menschliche Körper während der Umstellung der inneren Uhr jeweils Ende März und Ende Oktober.

Lesen Sie auch unser Pro und Contra: Brauchen wir die Zeitumstellung?

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