Irland Wein von der Whiskey-Insel: Ein deutscher Winzer auf der Grünen Insel
Whiskey aus Irland – klar. Auch Sahnelikör von der Grünen Insel ist bekannt. Guinness sowieso. Aber Wein? Tatsächlich gibt es Weinanbau auf der Whiskey-Insel. Das größte Gut liegt in Kinsale ganz im Süden der EU-Republik Irland und gehört Thomas Walk, einem Deutschen aus Unterfranken.
Irland ist grün, dem an der Insel vorbeifließenden Golfstrom sei Dank. Die satten Wiesen und exotischen Pflanzen entlang der Küste haben es gern warm und feucht; doch die meisten Rebsorten mögen ein solches Klima nicht so recht. Aber Walk und ein paar andere Winzer haben Trauben gefunden, die dort gut gedeihen.
Irlands Gourmet-Hochburg
Wie kommt man auf die Idee, in Irland Wein anzubauen? Die Erklärungen sind so schlicht wie logisch: „Hier gab es an deutschen Weinen nur ,Liebfraumilch’ und ,Blue Nun’. Und Wein ist hier so teuer – da haben wir gedacht: Das machen wir selbst.“ Walk wuchs in unterfränkischen Weinbaugebieten auf, hat Vorfahren in einer südbadischen Weinbaufamilie.
„Wir haben vor gut 40 Jahren dieses Grundstück am Rande der Bucht von Kinsale gekauft“, sagt der Winzer. Das Örtchen gilt als Gourmet-Hochburg Irlands und liegt etwa eine halbe Stunde südlich von Cork, der zweitgrößten Stadt im Süden der Republik. „15 Jahre später haben wir noch etwas mehr Fläche dazu nehmen können.“
Kein Getränk fürs Pub
Auf dem Thomas Walk Vineyard gibt es rund 4800 Rebstöcke. Im Vergleich zu den großen Weingütern in Deutschland – die eine durchschnittliche Größe von knapp 13 Hektar haben und an die 100.000 Rebstöcke – sei das nicht besonders groß, sagt Walk. Für Irland jedoch schon.
Traditionell ist Bier in Irland deutlich beliebter. Aber in der Pandemie sind die Wein-Verkäufe um zwölf Prozent gestiegen – auf mehr als zehn Millionen Kisten. Der Grund: Wein wird in Irland häufiger zu Hause getrunken und nicht so stark mit dem „Ausgeh-Faktor“ und einem Besuch im Pub verbunden. Jede vierte verkaufte Flasche Wein im Land stammt aus Chile, danach folgen Spanien und Australien. Heimischer Wein ist noch selten.
Erste Ernte von 1989
Dabei hat der Anbau auf der Grünen Insel angeblich Tradition: Schon im 5. Jahrhundert vor Christus sollen die Kelten versucht haben, Weinstöcke zu ziehen und den alkoholhaltigen Traubensaft herzustellen – sagen Archäologen. Andere Quellen behaupten hingegen, es habe bis ins 12. Jahrhundert keine Reben in Irland gegeben.
Der älteste Wein in Walks Keller ist deutlich jünger, von 1989. „Das war auch die erste erfolgreichen Ernte. Von den Flaschen machen wir nur zu besonderen Anlässen eine auf“, sagt er. Verständlich, schließlich hat es ihn ziemlich viel Zeit und Nerven gekostet, bis er überhaupt einen Ertrag von den Hügeln mit Blick aufs Meer einfahren konnte.
Rubinroter Rondo
Zwölf verschiedene Rebsorten – von Müller-Thurgau über Spätburgunder bis Riesling – hat Walk über mehrere Jahre gepflanzt, gepflegt und wieder aufgeben müssen. „Der Müller-Thurgau ist zwar gewachsen wie verrückt, hat aber keine Früchte getragen. Die weißen Arten funktionierten bei uns alle nicht, es musste also eine rote werden.“
Erst eine relativ junge Rebenart, die sich als sehr pilzresistent in der feuchtwarmen Umgebung erwies, brachte 1985 den Erfolg: Rondo ist eine Weinrebe, die einen rubinroten, gehaltvollen Wein ergibt. Walk sagt: „Wir waren die ersten, die diese Sorte auf den Britischen Inseln angebaut haben, mittlerweile gibt es Rondo auch an anderen Orten in Irland und in England.“
Restaurants als Abnehmer
Im Anbau zu Hause wird der Wein in großen Fässern gelagert. „Das Abfüllen in Flaschen und das Verkorken ist jedes Mal ein Gemeinschaftsprojekt. Kinder, Enkelkinder und Freunde kommen und helfen“, sagt der Winzer. Zwischen null und mehreren hundert Flaschen können es sein – je nach Ertrag.
Etikettiert und versandt wird der Wein in Deutschland – Walk hat einen Sitz in Aschaffenburg –, getrunken aber auch in Irland. Einige Restaurants nehmen regelmäßig welchen ab. „Es ist eben immer noch ein Novum, irischen Wein auf der Karte stehen zu haben“, sagt Walk.
Das sollte es aber nicht für immer bleiben, findet John Wilson, Weinkritiker bei der „Irish Times“. Er sagt: „Wales hat mehr als 15 Weingüter, was für uns in Irland sehr vielversprechend klingt. Wer behauptet, dass wir keine eigene Wein-Industrie haben können?“