Rheinland-Pfalz Viele Probleme im Zugverkehr - Beschwerden häufen sich

Anzeigen wie diese bekommen immer häufiger Bahnkunden zu sehen.
Anzeigen wie diese bekommen immer häufiger Bahnkunden zu sehen.

Verspätungen, ausfallende Züge, gesperrte Strecken, unzureichende Informationen der Fahrgäste: Im Zugverkehr läuft es derzeit häufig nicht rund.

Die Zahl der Beschwerden ist deutlich gestiegen, berichtet der Fahrgastverband Pro Bahn. Die Deutsche Bahn verweist auf viele Baustellen sowie eine angespannte Personalsituation als Gründe. Zahlreiche Neueinstellungen sollen Abhilfe schaffen. Nachfolgend Fragen und Antworten zum Thema.

Wie ist die Situation?
Zu den Problemstrecken gehören nach Angaben des Fahrgastverbands aktuell die Verbindungen Darmstadt-Frankfurt sowie Mainz-Frankfurt. Hintergrund seien Baustellen und Modernisierungen, sagt der Landesvorsitzende des Verbands Rheinland-Pfalz/Saarland, Noah Wand. Dies treffe Verbindungen, die ohnehin schon stark nachgefragt würden. Stellenweise müssen auf Regionalverkehrslinien Busse eingesetzt werden, so bis Jahresende im Raum Worms/Grünstadt und in der Südpfalz, wie die Deutsche Bahn mitteilt.

Was sind die Ursachen?
Grund ist nach Einschätzung von Pro Bahn der jahrelange Investitionsstau bei der Deutschen Bahn. Dieser werde noch durch ineffiziente Personalplanung sowie Fachkräfte- und Materialmangel verschärft. Die Deutsche Bahn erläutert, dass die Personalgewinnung wie in anderen Branchen auch schwierig sei. Regional könne dies zu einer angespannten Personalsituation führen.

„Außerdem haben die enormen Bautätigkeiten zur Sanierung der Infrastruktur zur Folge, dass mehr Mitarbeitende eingesetzt werden müssen“, teilte eine Sprecherin mit. Wenn es Umleitungen gebe, müssten auch mehr Schichten besetzt werden.

Auch erhöhte Krankenstände spielten eine Rolle. Lokführer, Fahrdienstleiter und Instandhalter seien zudem sehr spezialisiert und könnten bei Engpässen nicht ohne Weiteres andernorts eingesetzt werden.

Was wird dagegen unternommen?
Die Bahnsprecherin sagt, es werde „massiv Personal“ aufgebaut, um die Schiene zu stärken und eine bessere Qualität zu bieten. 2023 werde im fünfstelligen Bereich Personal eingestellt und qualifiziert, dies sei auch 2024 geplant. Parallel würden die Standardisierung, Automatisierung und Digitalisierung vorangetrieben, Beispiele seien moderne Stellwerke in Wörth am Rhein und an der Moselstrecke.

Pro-Bahn-Vertreter Wand sagt, der Bund stelle mehr Geld zur Verfügung und plane eine große Strukturreform. Es werde jedoch dauern, bis dies greife. „Als Fahrgastverband merken wir keine Verbesserung seitens der Deutschen Bahn“, kritisiert Wand. „Wir werden regelmäßig und immer wieder mit den gleichen Problematiken konfrontiert.“

Welche Auswirkung hat die laufende Tarifrunde?
Wann die Lokführergewerkschaft GDL zum Streik bei der Deutschen Bahn aufruft, ist offen. Es bleibe dann abzuwarten, ob auch Beschäftigte von Vlexx und der Hessischen Landesbahn streikten, sagt Pro-Bahn-Vertreter Wand. „Der Streik wird auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen“, kritisiert er. „Wir appellieren an die Politik, das Streikrecht anzupassen.“

Der Vorschlag des Verbands: „Anstatt wichtige Zugverbindungen ausfallen zu lassen und damit Tausende Reisende im Regen stehen zu lassen, könnte man auch zugunsten der Fahrgäste streiken: Entfall der Ticketkontrolle, kostenfreie Speisen im Bordrestaurant, freier Loungeeintritt, großzügige Behandlung der Fahrgastrechte und so weiter.“

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