Panorama Randale, Übergriffe, Amputationen
«Berlin.» Die Silvesternacht hat der Polizei in Deutschland viel Arbeit bereitet. Zwei Männer in Brandenburg starben bei Unfällen mit Böllern, zahlreiche weitere Menschen wurden durch – oftmals illegale – Knaller verletzt.
Ein 35-Jähriger erlag in Gusow bei Frankfurt/Oder seinen schweren Verletzungen, die er sich beim Böllern zugezogen hatte. In Kleinmachnow bei Potsdam starb ein 19-Jähriger: Er wollte nach Polizeiangaben selbstgebautes Feuerwerk zünden und wurde am Kopf getroffen. Auf einer Silvesterfeier im niedersächsischen Löningen wurde ein 22-Jähriger lebensgefährlich verletzt, als ein Böller zu früh explodierte. Ein 14-jähriges Mädchen in Triptis (Thüringen) muss laut Polizei um sein Augenlicht fürchten: Die Wucht der Explosion habe ihr die Brille „weggesprengt“, als ein Böller in eine Menschengruppe geworfen wurde. Ermittlungen zufolge handelte es sich um einen verbotenen „Polen-Böller“.
OP-Säle durchgehend belegt
Im Unfallkrankenhaus Berlin war das Team der Handchirurgie durchgehend in drei Operationssälen im Einsatz. Mindestens fünf Patienten hätten Teile von Gliedmaßen amputiert werden müssen, weil sie sich mit Feuerwerkskörpern verletzt hätten, hieß es. Noch gestern Nachmittag verletzten sich bei Ulm, in München sowie in Plettenberg (Sauerland) zehn Jungen im Alter von elf bis 14 Jahren, als sie übrig gebliebene Böller zündeten.
Polizisten mit Böllern und steinen attackiert
Krawall gab es in Leipzig: Etwa 40 bis 50 Randalierer griffen Polizisten mit Böllern und Steinen an, die Beamten setzten Wasserwerfer ein. Mehrere Personen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen. Auch in Berlin wurden Polizisten mit Flaschen beworfen. In Bremen wurden Beamte vor dem Bahnhof mit Pyrotechnik beschossen.
Rettungskräfte mit Schusswaffen bedroht
Woanders wurden Rettungskräfte angegriffen: Die Besatzung eines Rettungswagens der Berliner Feuerwehr wurde am Neujahrsmorgen von Unbekannten mit Schusswaffen bedroht. Die zu Hilfe gerufene Polizei stellte zwei scharfe Waffen sicher. Die Berliner Feuerwehr meldete acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Attacken auf Einsatzfahrzeuge.
Sexuelle Übergriffe
Es kam auch zu mehreren Festnahmen wegen sexueller Übergriffe. In Berlin wurden laut Polizei in der Nacht 13 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe erstattet, zumeist wegen „Beleidigung auf sexueller Grundlage“. Sieben Tatverdächtige wurden festgenommen. Die Kölner Polizei erklärte gestern, in der Domstadt seien bis 3 Uhr neun Ermittlungen wegen Sexualdelikten eingeleitet worden, in drei Fällen seien die Verdächtigen noch am Tatort gestellt worden. Die Polizei war in Köln mit 1400 Beamten im Einsatz. Dort hatte es vor zwei Jahren an Silvester massenhaft sexuelle Belästigungen von Frauen und Diebstähle durch zumeist nordafrikanische Täter gegeben.